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Nettetal: Ein Haus im verschärften Wettbewerb

Nettetal : Ein Haus im verschärften Wettbewerb

Der Überschuss der Nettetaler Krankenhaus-Gesellschaft ist im Jahr 2013 gesunken, aber die Erlöse in den stationären Leistungen stiegen leicht um 1,2 Prozent. Der geplante Neubau wird nicht so großzügig ausfallen, wie beabsichtigt.

Das Städtische Krankenhaus hat im vergangenen Jahr einen Überschuss in Höhe von rund 300 000 Euro erwirtschaftet, der Umsatz lag bei 28,6 Millionen Euro. Damit ist der Erlös zwar zurückgegangen, doch bezeichnen Aufsichtsrat und Geschäftsführung die wirtschaftliche Situation des Hauses als solide. Das Ergebnis wurde unter anderem gedrückt, weil in medizinische Ausrüstung und in Personal investiert wurde.

Das Haus stehe in einem verschärften Wettbewerb innerhalb der Region, berichtete Geschäftsführer Jörg Schneider. Generell wachse der wirtschaftliche Druck durch Krankenkassen und Politik. Umso wichtiger ist nach Auffassung des leitenden Chefarztes, Dr. Michael Blum, dass das Haus mit hervorragenden medizinischen und pflegerischen Leistungen und über die stationäre Behandlung hinausreichender Fürsorglichkeit seine Position bei den Menschen in der Stadt und der Umgebung stärke.

Der geplante Erweiterungsbau wird kleiner ausfallen als ursprünglich angekündigt, da der Markt an Arztpraxen, die mit dem Anbau angezogen werden sollten, geringer ausfällt als erwartet. Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Günter Werner berichtete, dass er zwar noch in diesem Jahr ein abgespecktes Konzept erwartet. "Aber eine Entscheidung wird definitiv nicht in diesem Jahr fallen", sagte er.

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Im kommenden Jahr richtet das Haus einen WLAN-Zugang ein, der den Komfort für Patienten steigern, aber auch interne Abläufe optimieren wird. Pflegedienstleiter Norbert Peffer und Dr. Blum erwarten, dass sie im täglichen Ablauf Dokumentation und Zugriff sowie Verarbeitung auf und von Daten spürbar beschleunigen können. Peffer unterstrich, die Qualität der Leistungen des Hauses seien auf die Motivation und Erfahrung des gesamten Personals zurückzuführen. "Wir haben eine sehr geringe Fluktuation und im pflegerischen Bereich sogar Wartelisten für Bewerber. Das alles spricht für uns."

Die Zentrale Patientenaufnahme (ZPA), immer noch ein Nadelöhr im Eingang des Hauses, bleibt im Fokus. Der bisherige Leiter Dr. Peter Lehnen konzentriert sich auf das Patienten- und Erlösmanagement sowie das Qualitäts- und Risikomanagement. Ihm nachgefolgt ist ein alter Bekannter: Dr. Michael Leenen ist von Duisburg aus nach Nettetal zurückgekehrt. Seine Fähigkeiten als Chirurg bringen zusätzliche Kompetenz in die ZPA. Zum 1. Dezember wird eine Internistin dazustoßen. Wenn Patienten dort künftig schwitzen, dann nicht mehr wegen saunartiger Temperaturen. Für 55 000 Euro hat das Haus eine Kühlung eingebaut. Zur Philosophie des Hauses gehört seit Jahren, sich immer wieder unmittelbaren Bedürfnissen der Patienten zuzuneigen. "Patientisch Reden" ist ein neues Seminar für Mitarbeiter, die sich in die absolut nicht fachmännische Sprache ihrer Kunden einarbeiten werden. "Der Patient kennt nichts, und das muss er auch nicht", umschreibt Michael Blum die oft ungleiche Begegnung.

Natürlich hätten er und seine Kollegen immer auch die ökonomische Seite ihres Handelns im Blick, versicherte der leitende Chefarzt. Aber die Geschäftsleitung übe keinen Druck aus mit dem Ziel, medizinische Indikationen zu beeinflussen. Auch im Bemühen von Erlösoptimierungen und Fallzahlsteigerungen bleibe das Primat der Medizin unangetastet.

Das Nettetaler Haus ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Nettetal. Aufsichtsratschef Günter Werner: "Darüber können wir außerordentlich froh sein, wenn ich mir die Trägerlandschaft sonst ansehe." Bewährt hat sich die Konzentration auf bestimmte Fachdisziplinen. Es steht mit sieben Palliativbetten als einziges Haus im Kreis Viersen im Bedarfsplan des Landes. Dies resultiert aus dem onkologischen Schwerpunkt des Krankenhauses, das im vergangenen Jahr das Schmerzmanagement ausbaute. Es ist als Traumazentrum, als Darmkrebszentrum und diabetische Fußbehandlungseinrichtung zertifiziert. Ebenfalls zertifiziert ist das Endoprothetikzentrum.

Einen Schatten warf jüngst das Ergebnis des AOK-Rankings auf die Kniebehandlung des Hauses. "Wir nehmen das sehr ernst und überprüfen sämtliche Abläufe", versicherte Michael Blum. Geschäftsführer Jörg Schneider ist dennoch ratlos. Seine Frage an die AOK, aufgrund welcher Kriterien das Haus da nicht so gut bewertet werde, bleibt unbeantwortet. Die Kasse zieht sich auf Datenschutz zurück.

(RP)