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Nettetal: Ein Erfolgsmodell für Integration

Nettetal : Ein Erfolgsmodell für Integration

Die Skepsis war anfangs groß, ob das Projekt gelingen könnte. Mittlerweile sind die Behinderten, die auf dem Gelände des Freilichtmuseums Dorenburg in Grefrath arbeiten, willkommene Helfer bei der Unterhaltung der Anlagen.

Es ist eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art und nach etwas mehr als einem Jahr sind alle Beteiligten voll des Lobes über die Zusammenarbeit. Hans-Josef Kampe, Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion im Kreiskulturausschuss, nannte das Projekt, behinderten Menschen einen Arbeitsplatz im Grefrather Freilichtmuseum zu ermöglichen, "grandios". Er sprach von einer "Win-Win"-Situation für alle Beteiligten. Seit gut einem Jahr arbeiten behinderte Menschen im Museum, helfen bei der Restaurierung von Gebäuden und Gerätschaften oder sorgen für die Pflege des Außengeländes.

In der Sitzung des Kreiskulturausschusses, die am Mittwochabend erstmals im Pädagogikraum des neuen Eingangsgebäudes stattfand, stellte Jan Barendsma, Sozialpädagoge und Projektleiter des Vereins "Kindertraum" aus Nettetal, das Projekt vor. Es ist entstanden aus einer Idee des in Nettetal ansässigen Vereins in Zusammenarbeit mit dem Heilpädagogischen Zentrum Krefeld-Kreis Viersen (HPZ) und der Kreisverwaltung als Träger des Freilichtmuseums. Der Verein "Kindertraum" verfolgt seit vielen Jahren das Ziel, Menschen mit Behinderungen eine uneingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Bei dem Museumsprojekt geht es vor allem darum, Behinderten einen integrativen Arbeitsplatz außerhalb einer speziellen Behinderten-Werkstatt zu ermöglichen.

Die anfängliche Skepsis bei dem Vorhaben ist längst ungeteiltem Lob gewichen. Als der Verein "Kindertraum" 2011 mit der Idee an den Kreis herantrat, Behinderte im Museum einzusetzen, musste der Vorsitzende Ludger Peters noch dicke Bretter bohren. Das Konzept, das gemeinsam mit dem HPZ realisiert wurde, begeistert inzwischen Kreisverwaltung und Politik gleichermaßen. Selbst in Berlin ist man auf das Modellprojekt aufmerksam geworden. Im vergangenen Sommer stattete der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, dem Museum einen Besuch ab, um sich über die Integrationsarbeit zu informieren. Und er brachte damals auf den Punkt, was auch heute alle Beteiligten als besonderen Erfolg bewerten: Das Projekte zeigt, dass behinderte Menschen Talente haben. Man muss sie fördern und auch fordern.

Projektleiter Jan Barendsma ist von Anfang an der Garant für die Erfolgsgeschichte. Die Integrationsarbeit im Freilichtmuseum baut auf ähnlichen Projekten auf, die der Verein "Kindertraum" seit einigen Jahren mit großem Erfolg in den beiden Jugendherbergen in Hinsbeck und Brüggen verwirklicht. Auch dort arbeiten behinderte Menschen ganz nach ihren Fähigkeiten. Im Freilichtmuseum fing es zunächst mit drei Praktikanten an, mittlerweile sind dort fünf Mitarbeiter und ein Schulpraktikant — zumeist Menschen mit einer geistigen Behinderung — beschäftigt. Sie haben unter anderem mit Unterstützung des Maurermeisters Antonius Kiwall gearbeitet. Der Brachter — stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Kindertraum" — ist ein ausgewiesener Fachmann in der Denkmalpflege. Er unterstützt das Projekt, leitet die Behinderten bei den speziellen Restaurierungsarbeiten an.

Erfolgreich verlief so beispielsweise die Instandsetzung der Hofanlage Rasseln, die sich unmittelbar am alten Eingang des Museums befindet. Hier wurde — wie auch bei der Scheune Waldniel — die Fassade restauriert. Außerdem sorgten die Behinderten dafür, dass die historische Dampfwalze, die auf dem Gelände steht, ein neues Dach und einen neuen Anstrich bekam. Als die alte Kutschenremise für das neue Eingangsgebäude auf dem Gelände versetzt werden musste, packten die Behinderten ebenfalls kräftig mit an.

Mittlerweile sind sie auch für die Pflege der Außenanlagen zuständigen, sorgen für Sauberkeit und Ordnung auf den Wegen und in den Gärten der Hofanlagen. Sie kümmern sich um die Tiere. Wichtig ist laut Projektleiter Barendsma eine klare Strukturierung der Arbeit. Dazu wurde ein spezieller Leitfaden entwickelt, an dem sich die Behinderten bei ihren Tätigkeiten orientieren können. Sie werden nicht nur in den nötigen handwerklichen Fähigkeiten geschult, sondern erhalten Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen. Als sehr positiv bewertet Barendsma die Zusammenarbeit mit dem Museumspersonal und den Handwerkern, die auf dem Gelände arbeiten.

Ein Ziel der künftigen Arbeit des Projektes soll unter anderem sein, dass die Mitarbeiter am Integrationsprojekt auch in historischer Kleidung mit historischen Werkzeugen arbeiten. Dazu schwebt dem Verein "Kindertraum" ein begleitendes pädagogisches Konzept etwa für Schulklassen, die das Museum besuchen, vor. An dem Wiederaufbau der so genannten Miertz-Kate könnte das Konzept exemplarisch umgesetzt werden.

(RP/rl)