Nettetal: Ein Atelier und eine Zahnarztpraxis

Nettetal: Ein Atelier und eine Zahnarztpraxis

Zum Tag der Architektur am Wochenende öffnen wieder Besitzer ungewöhnlicher Bauten Besuchern ihre Türen.

"Ich mache nur die Türe auf", sagt Mieke Spolders vom Atelier van Eyk in Nettetal. Am Tag der Architektur präsentiert sich das großzügige Atelier im Norden von Leuth mit seiner schlichten, aber sehr besonderen Architektur interessierten Besuchern. Ganz anders ist ein Objekt in der Viersener Innenstadt zu betrachten. Hier ließ ein Zahnarzt auf kleinem Raum seine Praxis einrichten.

Hell und modern sollte Architekt Alexander Bakker die auf kleinem Raum geplante Zahnarztpraxis "Zahn Zirkel" in Viersen gestalten. Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Beim Tag der Architektur am Wochenende des 28. und 29. Juni präsentieren sich bundesweit ganz unterschiedliche Bauten bei einem Tag der offenen Tür. Besucher erhalten dann Zutritt zu Objekten, die üblicherweise nicht öffentlich zugänglich sind. Architekten geben an Ort und Stelle Auskunft über Probleme und deren Lösungen, sie erläutern besondere planerische Herausforderungen beim Bau oder der Gestaltung der Gebäude.

Das Atelier van Eyk, das versteckt auf einem 22 550 Quadratmeter großen Gelände am Südrand des ehemaligen Nachtjagdflughafens Venlo in Leuth liegt, wurde in eine verfallende Wärmehalle des ehemaligen Fliegerhorstes eingebaut. Zuvor hatte das Künstlerehepaar Anton van Eyk mit Frau Dorothea viele Jahre auf dem Gelände in einem alten Wohnwagen gelebt.

"Ich bin froh, dass ich es gemacht habe", sagt Spolders. Den Bau plante sie noch mit Anton van Eyk, um sein Erbe zu bewahren. Er starb 2004, fünf Jahre später begannen die Arbeiten. "Das Atelier ist faktisch in den Hangar, den Ort und die Natur integriert und angepasst. Es ist zurückhaltend, es fällt dennoch auf", beschreibt Spolders den Backsteinbau, der von einer korrodierenden Stahlkonstruktion am Eingang dominiert wird. Das Gebäude sei funktional, da die hohen Räume als Arbeitsraum aber auch für Ausstellungen großer Kunstobjekte bestens geeignet sind.

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Sie wird den Tag der Architektur zum Austausch mit Besuchern nutzen. "Ich habe keine Lampen, das gehört für mich da nicht dran. Das Gebäude muss von alleine wirken", sagt sie. "Ich werde aber mal die Architekten nach ihrer Meinung fragen", sagt sie schmunzelnd. Architekt Marcus Birker wird ebenfalls da sein. "Der Künstler ist anwesend", sagt er lachend. Ein Atelier/Galerie, zumal in einer Hangarruine, hatte er bis dahin noch nicht gebaut.

Die Planung und der Bau des Ateliers im Wald habe "viel Kraft gekostet". Die Auseinandersetzung mit Behörden und deren Auflagen seien eine Herausforderung gewesen, bei der sie "Federn lassen musste", sagt Mieke Spolders. Architekt Birker ist ihr über die Arbeit und die gemeinsame Lösung von Problemen zum Freund geworden. "Im Naturschutzgebiet zu bauen, war die größte Herausforderung", ergänzt Birker. Er ist froh, dass die Behörden das Projekt genehmigt haben.

Ein ganz anderes Objekt ist die Zahnarztpraxis "Zahn Zirkel" im Viersener Löhcenter. "Es handelte sich um eine kleine Fläche, die lange leer stand", beschreibt Architekt Alexander Bakker die Ausgangslage, mit der er konfrontiert war. Seine Aufgabe bestand darin, in diese kleine Fläche eine möglichst helle und moderne Zahnarztpraxis einzupassen. "Deshalb haben wir die Wände nicht ganz durchgezogen, so dass noch Licht in die hinteren Räume gelangt. Dazu kamen Lichteinlässe in der Decke", erklärt Bakker seine Herangehensweise. Es sollte eine "durchgestylte" und keine "0815-Praxis werden". Für den Tag der Architektur bewarb sich das Architektenbüro BF Praxisplan. "Wir wollen den Leuten dokumentieren, was wir so machen. Der Tag der Architektur ist dazu sehr gut geeignet. Angehenden Ärzten zeigen wir auf diese Weise auch, was man bei der Einrichtung einer Praxis tun kann", sagt Bakker. Selbstverständlich nutzten Architekten die Präsentation ungewöhnlicher Lösungen "zu Akquisezwecken". Aber es geht auch darum, den Blick auf ungewöhnliche Gestaltungsformen und kreative Lösungen zu lenken. "Man kann sich an so einem Tag aber durchaus Dinge abgucken."

(RP)
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