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Nettetal: Dreifache Schulgeschichte fast am Ende

Nettetal : Dreifache Schulgeschichte fast am Ende

Mit Beginn der Sommerferien schließt die Hauptschule in Lobberich. Die Schüler und ein Teil des Kollegiums wechseln nach Kaldenkirchen. Erna Dusen geht am Ende ihrer Mission als letzte Schulleiterin in den Ruhestand.

Knapp zwei Wochen noch, dann ist es vorbei. Die Hauptschule Lobberich hört mit Ferienbeginn auf zu existieren. Ein Teil des Kollegiums folgt den Schülern der Jahrgänge sieben bis zehn an die Hauptschule nach Kaldenkirchen. Andere wechseln an andere Schulen. Erna Dusen hört auf und zieht sich ohne Wehmut ins Privatleben zurück. Dass sie am Ende einer langen Reihe von Schulleitern in der Lobbericher Schulgeschichte stehe, sei nun mal so, sagt sie.

Im April ist Erna Dusen 65 Jahre alt geworden. Nach der Rentenregelung für den Geburtsjahrgang 1949 muss sie drei Monate länger arbeiten. "Genau bis zum Ferienbeginn. Das passt doch", sagt sie. Die temperamentvolle Lobbericherin, die nach eigenen Aussagen keine schlechte Laune kennt ("und wenn, dann muss mein Mann mich damit ertragen"), sitzt im Büro am Besprechungstisch und weist mit einer kreisenden Armbewegung in die Umgebung. Die Oberschränke sind geöffnet - und leer. "Alles schon ausgeräumt. Wir lösen die Schule schon seit einigen Wochen schrittweise auf", sagt sie.

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Mal abgesehen davon, dass sie "besenrein" übergeben werden soll, gibt es einiges zu beachten. So besteht die Pflicht, Abschriften von Abgangszeugnissen 50 Jahre aufzubewahren oder Schülerstammblätter 20 Jahre. Sollte jemand Sorgen wegen Eintragungen in Klassenbüchern haben - die sind überwiegend im Schredder gelandet. Es droht also keine Gefahr der späten Entdeckung mehr. Im Hilfskrankenhaus unter der Schule lagerte bisher das umfangreiche Archiv. Was bewahrt werden muss oder sollte, übergibt Erna Dusen der Stadt. Schulchroniken und Dokumente, die ins 19. Jahrhundert zurückreichen, wirft man nicht weg.

Mit der Schließung der Hauptschule endet eine dreifache Lobbericher Schulgeschichte. Denn der 1968 im Zuge der Schulreform errichtete Bau zwischen Süchtelner Straße und Ingenhovenweg nahm damals die Sassenfelder und die "Dörper Scholl" sowie die evangelische Volksschule (heute DRK-Familienzentrum am Krankenhaus) auf. Erna Dusen erinnert sich schmunzelnd zurück an scharfe Trennlinien, die die Schulen durch Lobberich zogen. Wer westlich der heutigen Niedieck-, Hoch- und Düsseldorfer Straße wohnte, ging an die Sassenfelder Straße. Wer an der Ostseite lebte, besuchte die längst abgerissene Dorfschule an der Stegerstraße. "Wir wohnten in derselben Straße, hatten aber keinen Kontakt", erinnert sich Erna Dusen. Selbst gemeinsame Klassentreffen seien heute irgendwie nicht zu organisieren. Die Trennung hat sich in die Köpfe eingeschweißt.

Als Leiterin der Hauptschule hat Erna Dusen andere Sorgen. Sie balancierte nur mit großer Mühe die Schüler-Lehrer-Relation aus, musste auf Fachlehrer verzichten oder auf Unterstützung beispielsweise aus Kaldenkirchen zurückgreifen. "Ich war zeitweilig die einzige Mathematiklehrerin", berichtet sie. Fiel jemand im Kollegium wegen Krankheit aus, mussten Klassen sogar nach Hause geschickt werden. "Wir haben organisatorisch alle Register gezogen, um einen ordnungsgemäßen Unterricht aufrecht zu erhalten. Die Entscheidung, die Schule ein Jahr früher auslaufen zu lassen und nach Kaldenkirchen zu wechseln, war vollkommen richtig", sagt sie. Dort hat sie übrigens zehn von insgesamt 40 Dienstjahren selbst unterrichtet. Die Referendarzeit und den größten Teil ihres Berufslebens brachte sie in Lobberich zu. Damit ist am 3. Juli Schluss. Erna Dusen will "es dann genießen, endlich einmal außerhalb der Schulferien verreisen zu können". Vorher wird sie unsentimental ("Der Ort ist nicht mehr da") sicherstellen, dass am 4. Juli um 11 Uhr mit dem Ausräumen ihres Büros begonnen werden kann. Die Stadt hatte deswegen schon nachgefragt.

(RP)