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Nettetal: Discounter stehen Schlange

Nettetal : Discounter stehen Schlange

Auf der Poststraße in Kaldenkirchen sollen künftig nur noch Einzelhändler siedeln dürfen, deren Sortiment in dort ansässigen Gewerbe- und Handwerksbetrieben hergestellt werden. Die Stadt wehrt alle neuen Anfragen ab.

Die Poststraße und ihr Umfeld in Kaldenkirchen bleiben begehrtes Ziel von Discountern aller Art. Neben Lidl und Aldi hat dort der neu strukturierte Rewe-Markt eine Zufahrt.

Der Getränkemarkt hatte unlängst umgruppiert und sein Angebot erweitert. Und dort, wo zuletzt das Dänische Bettenlager seine Waren anbot, zieht der DM-Markt ein. Aber die Stadt kann sich kaum der Nachfragen weiterer Discounter und Einzelhandelsunternehmen erwehren. Alle drängt es zur gerade auch von niederländischen Käufern stark beeinflussten Einkaufsmeile.

Um den Fortbestand der Geschäfte in der immer noch sehr attraktiven Kaldenkirchener Innenstadt zu sichern, wehrt die Stadt solche Anfragen kategorisch ab. Sie blockierte mit einer Veränderungssperre die weitere Entwicklung der Poststraße hin zu einer Discountermeile. Hier, wo früher namhafteste Speditionen Waren aus aller Welt umschlugen oder von hier aus deren Transport quer durch ganz Europa steuerten, überbieten sich Interessenten an Investitionen in dem Maße, wie die Läden sich bei den Preisen unterbieten.

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Überall Interesse

So musste die Stadt auch jene Anfrage abweisen, die für eine Fläche am Raiffeisenmarkt, der zur Bahnhofstraße und über "Im Dahl" zur Poststraße Verbindung hat. Und selbst für das Gelände des Antikmarktes zwischen dem Kloster St. Paulus der Steyler Missionare und dem Klubheim des Eisenbahner-Sportvereins gab es Interessenten.

"Wollen wir die Innenstadt davor bewahren, dass Kaufkraft in die Peripherie abfließt, dann können wir nicht anders handeln", erklärt Dieter Zapf, Leiter des Fachbereichs Planung im Rathaus. Der Verlust des letzten Lebensmittel-Sortimenters in der Innenstadt war dennoch nicht aufzuhalten: Kaiser's ist weg, und das in Viersen ansässige Unternehmen sucht nach einem neuen Standort in Kaldenkirchen. Nachfolger Tedi stammt aus demselben Haus, verkauft aber nur Billigware in der grassierenden 1-Euro-Branche und schon mal gar keine Lebensmittel.

Für die Innenstadt ist das zu wenig. Gerne hätte man in Kaldenkirchen gesehen, dass Kaiser's mit einem Neubau auf dem früheren Krankenhausgelände wenigstens in etwa Innenstadtnähe gehalten hätte. Aber die Investition kam nicht zustande, die Rewe-Tochter Penny zog von der Ecke Kölner/ Gerberstraße aus hierher.

Unterdessen wehrt sich Aldi heftig gegen den Bebauungsplan der Stadt für die Poststraße. Er ließe eine Erweiterung über die generell zugestandenen 800 m2 nicht zu. Der Discounter befüchtet, dass er bei einer Lockerung dieser Begrenzung durch den Gesetzgeber keine Expansionsmöglichkeiten hat.

Die Stadt setzt zum Schutz der Innenstadt auf ein anderes Pferd: Sie wird nur noch ausnahmsweise Einzelhandelsbetriebe zulassen, die aber in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einem Gewerbe- oder Handwerksbetrieb stehen müssen. Kurz ausgedrückt: Verkauft werden soll hier zusätzlich nur noch, das an Ort und Stelle produziert wird.

(RP)