Kultur in Nettetal Dinçer Güçyeter wird neuer Stadtschreiber von Bergen

Nettetal · Autor und Verleger Dinçer Güçyeter aus Nettetal wird neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, einem Stadtteil von Frankfurt. Der angesehene Literaturpreis ist mit 20.000 Euro dotiert.

Autor und Verleger Dinçer Güçyeter lebt in Nettetal, hier in der Stadtbibliothek in Breyell mit einer Auswahl von Büchern seines Elif-Verlages.

Autor und Verleger Dinçer Güçyeter lebt in Nettetal, hier in der Stadtbibliothek in Breyell mit einer Auswahl von Büchern seines Elif-Verlages.

Foto: Heribert Brinkmann

Dinçer Güçyeter wird neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim, einem Stadtteil von Frankfurt am Main. Als 51. Amtsinhaber tritt Dinçer Güçyeter die Nachfolge von Nino Haratischwili an und wird 2024/25 für ein Jahr im Stadtschreiberhaus in Bergen wohnen und arbeiten können. Zusätzlich zum Wohnrecht erhält er ein Preisgeld von 20.000 Euro. Der Literaturpreis wird am 30. August feierlich verliehen. Nino Haratischwili wird ihre Abschiedsrede halten und den Schlüssel für das historische Stadtschreiberhaus symbolisch an Dinçer Güçyeter übergeben, der sich mit einer Antrittsrede dem Publikum vorstellen wird.

In der Begründung der Jury für die Wahl des neuen, des 51. Stadtschreibers von Bergen-Enkheim heißt es: „Dinçer Güçyeter ist ein Grenzgänger im besten Sinne: Zwischen zwei Sprachen, zwei Kulturen, zwei Literaturgattungen wandert er mühelos hin und her und beobachtet mal mit kindlichem Staunen, mal mit nachdenklicher Melancholie, dann wieder mit Galgenhumor oder mit theatralischem Zorn das Geschehen und die Menschen um sich herum. Er schreibt sich dabei frei. Und beleuchtet mit einer Laterne aus Worten diejenigen, die oft mitten in unserer Gesellschaft im Verborgenen bleiben. Er gibt den Ungesehenen, Marginalisierten eine Stimme. Dabei schleust er Prosa in die Poesie ein und entlockt der Prosa seine ganz eigene Poesie.

Güçyeters autofiktionales RomandebütKostenpflichtiger Inhalt „Unser Deutschlandmärchen“ erzählt die Geschichte von Einwanderern, ihre Suche nach einer Heimat, ihre Versuche, jenseits von Identitätsvorgaben und Rollenklischees das eigene Ich zu finden. Vor allem der Perspektive der Frauen in der Familie – zwischen großen Träumen und harten Alltagsnöten, Aufbruchsstimmung und Ernüchterung, weder hier noch dort daheim – gilt sein Blick. Aus diesem Dazwischen sprechen Güçyeters Texte zu uns, und mit jedem Wort, das er an das vorherige reiht, tritt deutlicher zutage, was dem Grenzgänger ein Zuhause werden kann: die Literatur.“

Das Amt des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim wurde erstmals 1974 verliehen, die grundlegende Idee ist seither von zahlreichen anderen Städten in Deutschland aufgegriffen worden. Der Preis wird von einer Jury vergeben. Der 1979 in Nettetal geborene Dinçer Güçyeter reiht sich in namhafte Amtsinhaber ein, nach dem ersten Preisträger Wolfgang Koeppen 1974 folgten etwa Peter Härtling, Jurek Becker, Peter Bichsel, Eva Demski, Katja Lange-Müller, Robert Gernhardt, Herta Müller, Katharina Hacker, Marcel Beyer, Marion Poschmann und zuletzt Nino Haratischwili. Veranstalter des Stadtschreiberfestes sind die Kulturgesellschaft Bergen-Enkheim mbH und der Ortsbeirat.