Nettetal: Diese A 74 muss man lieben

Nettetal: Diese A 74 muss man lieben

Rijkswaterstaat setzte am Mittwochabend beim öffentlichen Erörterungstermin zum Autobahnbau auf die Kraft bewegter Bilder und auf individuelle Gespräche mit Fachleuten. Frontalreferate gab es überhaupt nicht.

Nettetal/Venlo Diese Autobahn muss man einfach mögen. Es geht gar nicht anders. Eingerahmt an beiden Seiten von großzügigen Baumreihen und so tief angelegt, dass man sie gar nicht sieht – es sei denn, man fährt gerade darüber – kann man gar nicht anders. Die A 74 müssen die Menschen lieben.

Die Planer von Rijkswaterstaat zogen am vergangenen Mittwoch im Scelta-Instituut alle verfügbaren Register, um beim öffentlichen Erörterungstermin des Entwurfs zum Trassenbeschluss der A 74 von Tegelen bis zur Grenze bei Kaldenkirchen für das Vorhaben zu werben. Sie verzichteten komplett auf eine Frontalinformation, die meist darauf hinausläuft, dass Fachleute für Laien unverständliche Power-Point-Referate halten. Der Bürger hört mit wachsendem Unmut zu, weil er seine Fragen nicht stellen kann. Am Ende ergeben sich die üblichen Frontstellungen.

Pläne und Prospekte

Die Niederländer gingen am Mittwoch vollkommen anders vor. Sie empfingen einige hundert Interessenten mit einer ganzen Schar von Mitarbeitern, die bereitwillig auf individuelle Fragen antworteten. Überall hingen Informationstafeln und Pläne, dazu waren zum Mitnehmen ausgelegt Prospekte, dicke Wälzer mit Planunterlagen und CD-ROM mit einer enormen Datenmenge.

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Viele Fragen der Bürger aus Tegelen und Blerick wo die Hauptgegner des Autobahnbaus wohnen, drehten sich um Lärmschutz und Feinstaubentwicklung. Sie wurden gezielt mit Fachleuten auf diesen Gebieten zusammengeführt, es entwickelten sich angeregte, kaum aber einmal erregte Debatten. Natürlich schenkten Bürger, die gegen die Autobahn schon alle erdenklichen rechtlichen Schritte eingeleitet haben, den Versicherungen ihrer Gesprächspartner von Rijkswaterstaat keinen Glauben.

Clou der Präsentation dürfte der Film gewesen sein, der mit Hilfe von Animationen die Autobahn so vorstellte, als sei sie bereits gebaut. Hauptargument für den Bau: Endlich gibt es eine lückenlose Verbindung vom niederländischen Ballungszentrum Randstad mit dem Rhein-Maingebiet und eine Entlastung der lokalen Straßen. Tausende Lkw, die sich zurzeit noch über Venloer (und Nettetaler) Straßen wälzen, verschwinden auf der Autobahn. Breite Grünanlagen mit Bäumen und eine 58 Meter breite Grünbrücke (Ökodukt) sorgen an Ort und Stelle in der Uhlingsheide für Ausgleich im Naturhaushalt. Venlo und Nettetal erhalten eine Radwegeverbindung über die Autobahn hinweg.

Der Faszination bewegter Bilder konnte sich nicht jeder an diesem Abend entziehen, das wurde anschließend aus Gesprächen der Zuschauer deutlich. Am 27. Januar trifft der Venloer Rat seine Entscheidung. Das Verfahren endet am 1. Februar, dann werden Einsprüche geprüft. In Venlo wird erwartet, dass die Autobahn im April 2012 fertig sein wird. FRAGE DES TAGES

(RP)
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