Nettetal: Die Welt der schönen Dinge

Nettetal: Die Welt der schönen Dinge

Mindestens 100 Jahre sind die Stücke alt, die Renate Notz in ihrem Geschäft in Lobberich verkauft. Sie ist spezialisiert auf Schmuck, Möbel und Porzellan. Schon 1970 wussten die "Städter", dass es sich lohnt, hier vorbeizuschauen.

Das Geschäft von Renate Notz ist eine Fundgrube kleiner und großer Schätze längst vergangener Zeiten. Da gibt es blau-weiße Teller und Tässchen der Kaiserlichen Porzellan Manufaktur Meißen, einen schweren alten Bauernschrank aus dem 17. Jahrhundert, barocke Spiegel, zierliche Nierentische, silberne Kerzenleuchter. Die 71-Jährige begutachtet alle Stücke, die ihr angeboten werden, wählt gezielt aus, restauriert die Möbel selbst und arrangiert die Schmuckstücke, die alle mindestens 100 Jahre alt sind, zu schönen Ensembles in ihrem Laden an der Niedieckstraße 25 in Lobberich.

Vieles von dem, was Renate Notz über Porzellan, antike Möbel und Malerei weiß, hat sie von ihren Eltern gelernt. 1951 eröffneten sie das Antiquitätengeschäft. Ihr Vater August Erkens war Spezialist für Möbel und Gemälde, er hatte Malerei in Krefeld und Paris studiert. Ihre Mutter Sofia war Expertin für Porzellan, und baute diesen Bereich in dem kleinen Geschäft auf. "Früher gab es so viele Dinge, die heute nicht mehr hergestellt werden", sagt Renate Notz – hochwertiger Silberschmuck, Flechtarbeiten, Gläser aus Glasfabriken in der Umgebung. Heute hingegen sei es gar nicht so leicht, außergewöhnliche antike Stücke zu finden.

Seit 1951 in Lobberich

1988 hat Renate Notz das Geschäft von ihren Eltern übernommen. Ihr Vater arbeitete noch bis ins hohe Alter von über 80 Jahren mit. "Für meinen Vater war das Geschäft sein Leben. Für mich ist es das auch", sagt Renate Notz, die gleich hinter dem Laden wohnt und den Betrieb ganz allein führt. Im Garten gibt es eine Werkstatt, in der sie Möbel restauriert – auch das hat sie von ihrem Vater gelernt. Sie teilt aber auch die Leidenschaft ihrer Mutter für gutes Porzellan. "Man lernt nie aus", sagt sie und das sei das Tolle an ihrem Beruf. Sie komme mit vielen interessanten Menschen zusammen, Menschen, die sich über Jahre mit einer ganz bestimmten Sache beschäftigt haben.

In den 70ern kamen die Leute aus der Großstadt und suchten nach einem antiken Stück zu einem guten Preis auf dem Land. Und? "Manchmal konnte man tatsächlich ein Schnäppchen machen", sagt sie schmunzelnd – immernoch gibt es Kleinigkeiten schon ab zehn Euro.

Wenn ihr heute jemand eine antike Standuhr anbietet, einen Sekretär mit Intarsien oder eine Lothringer Vitrine, dann sind das die ganz besonderen Momente, die seltenen. "Vieles ist verteilt. Bei solchen Schmuckstücken geht mein Herz auf. Für schöne Dinge mache ich gerne etwas Platz, das geht immer irgendwie", sagt sie und lacht.

Die Zeiten, in denen nur Modernes gefragt war, seien "zum Glück" vorbei. "Auch junge Leute kombinieren gerne wieder Neues mit Antikem." Ein Stil, der ihr selbst auch gefällt. "Das macht eine Wohnung besonders." In ihrem Antiquitätenladen lässt sich jede Woche etwas Neues unter den Tausenden schönen Dingen entdecken.

(RP)