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Nettetal: Die Suche nach Presbytern

Nettetal : Die Suche nach Presbytern

Bis zum kommenden Freitag müssen sich Kandidaten für die ehrenamtliche Kirchengemeindeleitung gemeldet haben. Doch die evangelischen Gemeinden haben Probleme, genügend Interessenten zu finden.

Entscheidungen treffen, Menschen helfen, einen Pfarrer wählen, etwas bewegen: Das Ehrenamt eines Presbyters bereitet viel Freude. Aber es ist auch mit Arbeit verbunden. Und so stehen viele evangelische Kirchengemeinden derzeit vor einem Problem: Am 5. Februar werden die Presbyterien gewählt, bis zum kommenden Freitag, 11. November, müssen sich die Kandidaten gemeldet haben. Aber: Längst nicht überall finden sich genügend Gemeindeglieder, die sich für dieses verantwortungsvolle Amt zur Verfügung stellen.

Die Evangelische Kirchengemeinde Kaldenkirchen ist keine eine Ausnahme, wenn sie am Ende nicht die für die Gemeindegröße von 2142 Schäfchen erforderlichen acht Presbyter zusammenbekommt. "Zwei bis drei unserer Mitglieder möchten sich nicht mehr zur Wahl stellen, und bisher haben wir keinen neuen Fisch an der Angel", sagt Manfred Wintzen, der im Presbyterium das Amt des Finanzkirchmeisters innehat und sich seit 31 Jahren mit viel Freude in diesem Gremium engagiert.

71-Jähriger macht Werbung

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Dabei rührt der 71-Jährige schon seit Langem kräftig die Werbetrommel, spricht jeden an, der der Kirche verbunden ist und den er für fähig hält. Auch im Gottesdienst und im Gemeindebrief wird regelmäßig auf den Notstand hingewiesen — bisher jedoch ohne Erfolg. "Wer engagiert sich gern, indem er sich für vier Jahre festlegt?", fragt Bettina Furchheim, Pressesprecherin des Kirchenkreises Krefeld/Viersen.

Dabei wurde vor vier Jahren die "Legislaturperiode" der Presbyterien von acht auf vier Jahre gesenkt. Doch das immer größer werdende Freizeitangebot macht der Kirche Konkurrenz. "Man kann sich halt nicht aufteilen, jeder hat nur ein begrenztes Stundenkontingent fürs Ehrenamt zur Verfügung", sagt Bettina Furchheim, die sich Presbyterien wünscht, die sich aus allen Altersklassen zusammensetzen.

Mindestens vier Stunden pro Woche sollte einkalkulieren, wer sich für das Amt entscheidet. Denn neben den Presbyteriumssitzungen gibt es je nach Spezialgebiet Ausschüsse, die für Arbeit sorgen — den Musik-, den Bau-, den Finanz- oder den Ökumeneausschuss etwa.

"Wer so etwas hört, sieht seine Freizeit schwinden. Und von einem Presbyter wird erwartet, dass er sich regelmäßig sonntags im Gottesdienst blicken lässt", ergänzt Manfred Wintzen, betont aber: "Die Arbeit im Presbyterium macht Spaß und ist sehr harmonisch. Dafür ist unsere Gemeinde bekannt."

Sollte es den Gemeinden nicht gelingen, genügend Kandidaten zu finden, können sie beantragen, die Zahl der Stellen herabzusetzen, oder nach Ankündigung die Stellen unbesetzt lassen. "Wer nach einer gewissen Zeit im Presbyterium merkt, dass es ihm doch zu viel wird, kann selbstverständlich zurücktreten", beruhigt Bettina Furchheim.

(RP)