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Nettetal: Die Rohrdommel ist wieder da

Nettetal : Die Rohrdommel ist wieder da

Das auf vier Jahre angelegte Projekt an der Nette ist nahezu beendet. Für die Biologen ist die Umwandlung eines öden Waldes in eine von Schilf gesäumte Wasserfläche ein Erfolg. Viele seltene Vögel haben das Gebiet erobert.

Nein, die Rohrdommel brütet noch nicht im Pietjesbruch an der Leuther Nette. Aber der Vogel ist wieder da. Und die Hoffnung, dass demnächst erstmals seit 1963 Rohrdommeln im Schilf an der Nette brüten und Jungtiere aufziehen, gibt die Biologische Station nicht auf. Das Projekt ist aber auch ohne die brütende Rohrdommel ein Gewinn. Viele seltene Vögel sind zurückgekehrt, stark dezimierte Arten haben sich stabilisiert, und es gibt Arten, die erstmals seit langer Zeit hier Raum zur Aufzucht ihres Nachwuchses gefunden haben.

Ende 2011 waren die vier Jahre herum, für die das Rohrdommelprojekt angelegt worden war. Es wurde um einige Monate kostenneutral verlängert, berichtete Dr. Ansgar Reichmann von der Biologischen Station im Nettetaler Umweltausschuss. Ein paar Details sollen zusätzlich verwirklicht werden, beispielsweise die Steuerung des Wasserstandes.

Aufregung war groß

Die Aufregung vor mehr als vier Jahren war gewaltig, als die Station mit dem Geld wichtiger Sponsoren eine von tristen Grauweiden überwucherte Fläche nördlich des Wittsees neben der Nette räumte. Hier standen früher mal Pappeln, die gefällt worden waren, vorher war hier eine unbewirtschaftete, weil sumpfige Wiese. Die Biologen mussten ebenso wütende wie unsachliche Attacken über sich ergehen lassen, obwohl sie umfangreich über ihre Pläne in der Öffentlichkeit berichtet hatten.

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Das hat sich heute ins Gegenteil verkehrt. Das Projekt an der Nette hat sich für Menschen, die der Natur nahe sind, als besonderer Anziehungspunkt entwickelt. Das zum Teil künstlich angelegte, zum Teil aus Altbeständen erhaltene Schilf wächst. Es bildet mit dem Wasser das Rückgrat eines besonderen Biotops. Denn erstens ist es extrem schwierig, wasserständiges Schilf künstlich neu anzupflanzen, zum anderen soll es dazu dienen, der Rohrdommel wieder einen Lebensraum zu bieten.

Beinahe hätten Nutria und Bisam dieser Arbeit einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Die gefräßigen Tiere machen sich über den Bewuchs her, den die Wasservögel für ihre Nester dringend benötigen. Also wurde ein "Bisamgitter" eingebaut, um dem Nager die zerstörerische Mümmelei hier unmöglich zu machen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Biologen beobachteten inzwischen Brutpaare des Schilfrohrsängers, des Zwergtauchers, der Blässralle, des Teichrohrsängers oder auch der Rohrammer. Auch andere seltene Vögel, wie der Drosselrohrsänger, haben die neu geschaffene Fläche für sich entdeckt. Im Winter schweben zahllose weitere Arten ein, weil sie hier exzellente Bedingungen vorfinden. Unter ihnen waren mehrmals auch Rohrdommeln. Vielleicht bleibt ein Pärchen ja demnächst hier. FRAGE DES TAGES

(RP/url)