Nettetal: Die Reißleine gezogen

Nettetal: Die Reißleine gezogen

Ein Unternehmen aus der Grieger-Terratec-Gruppe in Kaldenkirchen ist in die Insolvenz gegangen. Der Krefelder Insolvenzspezialist Eberhard Stock sieht gute Chancen zur Weiterführung. Grieger spricht von "Planinsolvenz".

Das Windrad neben dem Firmengebäude am Herrenpfad-Nord dreht sich weiter, die freundliche Dame am Telefon meldet sich mit "Terratec". Allerdings ist dies nicht mehr die "Terratec Electronic GmbH", sondern die "Terratec Noxon Vertriebs GmbH", die einen Teil der früheren Firma fortführt. Für den anderen Teil, die "H & S Entwicklungsgesellschaft Nettetal GmbH", ist kürzlich das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Krefeld eröffnet worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde der Krefelder Rechtsanwalt Eberhard Stock, der in Nettetal die Rötzel-Insolvenz begleitete.

Bis Ende Juni seien die Umsatzzahlen noch "recht gut" gewesen, sagte Terratec-Geschäftsführer Walter Grieger der RP. Doch dann kamen zur üblichen Sommerflaute im Juli und August einige Sonderprobleme, "mit denen ich nicht gerechnet hatte". Sie betrafen auch Lizenzgebühren im sechsstelligen Euro-Bereich. "Da musste ich einfach die Reißleine ziehen", begründet Grieger den für ihn bislang ungewöhnlichen Schritt. Dazu wurde im September die "Hardware & Software Entwicklungsgesellschaft" gegründet, in der gleichsam der bisherige Einkauf für Terratec gebündelt ist.

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Grieger betont, dass nur "H & S" von der Insolvenz betroffen sei und kein anderes Unternehmen der Gruppe damit etwas zu tun habe. Er spricht von einer Planinsolvenz, bei der das Unternehmen mit dem Antrag beim Amtsgericht gleichzeitig einen Insolvenzplan zur Sanierung des Unternehmens beifügt. Die alte Geschäftsführung bleibt im Amt, wird aber von einem Sanierer begleitet. Anwalt Stock sieht gute Chancen einer Umsatzbelebung und -steigerung im Herbst und nun bald anlaufenden Weihnachtsgeschäft. Den Optimismus teilt Grieger: "Die Kunden sind uns treu." Er ist auch zuversichtlich, dass die jetzige Mitarbeiterzahl von 25 nicht reduziert werden muss. Schwerpunkt im Terratec-Angebot ist derzeit das Digitalradio Noxon, das hohe Entwicklungskosten verschlang, die sich noch nicht amortisiert haben. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin hatte Terratec eine Noxon-Version vorgestellt, die auch Blinde bedienen können. Das Radio ist laut Unternehmensangaben "bereits ein Verkaufsschlager". Die Noxon-Familie soll stark ausgebaut werden.

Groß geworden ist das 1994 von Walter Grieger und Heiko Meertz gegründete Unternehmen mit Soundkarten ("umsatzstärkster deutscher Soundkartenhersteller"). Eine starke Stellung hat es bei Profi-Audio-Systemen, Video- und TV-Karten ("Marktführer) und Webcams. Vor der Wirtschaftskrise 2008 wurde ein Umsatz von 22,1 Mio. Euro erzielt. Die Krise zwang zu Anpassungen, so wurde die Entwicklungsabteilung verkleinert. Mit dem DAB-Radio sind "wir wieder im Aufschwung begriffen", bekräftigt Grieger.

(RP/ac)
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