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Nettetal: Die Pflanzen haben Frühlingsgefühle

Nettetal : Die Pflanzen haben Frühlingsgefühle

Durch die recht milden Temperaturen sprießen schon erste Knospen. "Ein normaler Vorgang", sagen Biologen.

Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch den Garten geht, wird feststellen, dass einzelne Pflanzen erste Triebe oder Knospen entwickeln. Während die USA mit einem arktischen Winter kämpfen, ist der Januar in unseren Breiten recht mild, ja beinahe frühlingshaft. Dass Pflanzen darauf reagieren, ist nicht ungewöhnlich. "Die Pflanzen spüren das, die Bäume beispielsweise messen Tageslänge und Temperatur", erklärt Norbert Neikes, Biologe der Biologischen Station Krickenbecker Seen.

"Heimische Arten haben Reserven"

Dabei finde in den Pflanzen ein komplizierter biologischer Prozess statt. Bei Spätfrost im Februar könne das durchaus zu Problemen bei der Pflanze führen. "Heimische Arten haben aber durchaus Reserven", sagt Neikes. Ein Wintereinbruch wie in den USA hätte aber auch für unsere Region und die Pflanzen dramatische Folgen. Neikes ist über diesen Januar selbst verwundert, in seinem Garten hat er im Dezember eine Rosenblüte gesehen, zu allem Überfluss sah er vor Kurzem sogar eine Biene im Garten — "sehr ungewöhnlich", findet der Biologe. Die Pflanzen haben noch Reserven, sollte es noch mal deutlich kälter werden. So bilden sie im Juni den Johannistrieb.

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Neikes' Blüte im Dezember könne auch eine Nachblüte sein, so ein Mitarbeiter der Baumschule Lappen. Es gebe allerdings Sorten, die gerade jetzt blühen, beispielsweise einzelne Kirschsorten. Die Pflanzen im heimischen Garten reagieren momentan auf die Temperatur, wenn dann noch genügend Wasser vorhanden ist, ist das für die Pflanzen das Startsignal. "Dann kann der Saftstrom der Pflanze in Gang kommen, und sie beginnt, sich zu entwickeln", so der Mitarbeiter der Baumschule.

Pflanzen können regelrecht platzen

Bedenklicher ist für die Baumschule aber extreme Sonne und Frost, vor allem im Februar, mit weit unter minus fünf Grad. Dies könne dazu führen, dass die frisch eingeschossenen Pflanzen regelrecht platzen. Bei Bäumen seien dann sofort Risse in der Rinde zu sehen. Die eigentlichen Folgen sind meist erst im zweiten Jahr bemerkbar. Durchaus ein Risiko für eine Baumschule und ihr Geschäft.

Biologe Neikes merkt, dass solche besonderen Situationen in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Von einem Trend will er dennoch nicht sprechen. "Es ist eine Verschiebung, ein vollkommen natürlicher Prozess." Die Pflanzen testen aus, "wenn alles gut geht, ist das in Ordnung, wenn nicht, ist es auch nicht weiter schlimm." Genau so könne die Verschiebung wieder in die andere Richtung gehen. Dass diese Ereignisse in der Pflanzenwelt bereits auf den Klimawandel zurückzuführen sind, wagt Neikes nicht zu beantworten. Dies sei Aufgabe der Klimaforscher. Die allerdings befassen sich mit deutlich größeren Zeiträumen.

Entgegen der allgemeinen Meinung, heimische Arten könnten solche Wetterkapriolen besser verarbeiten, kommt die Baumschule Lappen zu einem andren Schluss: Es sind die heimischen Arten, die damit Probleme haben, die exotischen Sorten stecken so etwas eher weg.

(RP)