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Nettetal: Die Natur genießen, ohne sie zu hören

Nettetal : Die Natur genießen, ohne sie zu hören

Die Biologische Station bot eine Wanderung rund um Hinsbeck mit einer Gebärdendolmetscherin an.

Draußen in der Natur gibt es viele verschiedene Geräusche. Der Wind pfeift durch die Baumkronen, Blätter rascheln, Vögel zwitschern, und der Specht klopft mit einem dumpfen Ton gegen Holz. Wer auf den Klang der Natur achtet, kann viel erleben. Aber die Natur kann auch spannend und abwechslungsreich sein, ohne dass man sie hört. Die Biologische Station hat deshalb eine Wanderung mit Gebärdendolmetscher rund um den Taubenberg in Hinsbeck organisiert.

"Natur sollte jeder erleben und erfahren können. Egal ob mit oder ohne Handicap", sagt Isabelle Lorenz vom Informationszentrum der Biologischen Station. Gruppen durch die Natur zu führen, gehört zu ihrer täglichen Aufgabe. Vor dieser Wanderung ist sie jedoch ziemlich aufgeregt. "Auch für uns ist es eine ganz neue Erfahrung. Schließlich weiß ich nicht, ob alles verständlich bei den Gehörlosen ankommt." Es haben sich ausreichend viele Teilnehmer angemeldet, nun verfolgt die Gruppe gebannt den Erläuterungen von Isabelle Lorenz. Sie Biologin hält immer wieder Bilder und Fotos hoch, damit jeder sie betrachten kann. Mit Gesten versucht sie, ihre Sprache zu untermalen. Wirklich verstehen können die Gäste Isabelle Lorenz dennoch nicht. Erst als Gebärdendolmetscherin Marlies Graf die Erklärungen in Gebärdensprache wiederholt, nicken die Wanderer zustimmend. Marlies Graf ist selber nahezu taub. Aufmerksam achtet sie auf die Lippen des Sprechenden und versteht so, was gesagt wird. "Auch taube oder schwerhörige Menschen können in der Natur so richtig abschalten. Statt dem Rauschen des Windes zu lauschen, achten wir vielleicht mehr auf die Bäume und Sträucher die sich im Wind biegen", erklärt die Übersetzerin.

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Für Maria Weber hingegen sind die Gerüche etwas ganz Besonderes. "Wenn es regnet, riecht es ganz anders als an sonnigen Tagen. Außerdem achte ich viel mehr auf Details. Zum Beispiel beobachte ich gerne, wenn die Knospen ganz langsam aufgehen und zur Blüte werden", übersetzt Marlies Graf die Gebärdensprache von Maria Weber.

Auf dem Weg quer durch die Heidelandschaft läuft Valentin gutgelaunt der Gruppe immer ein paar Meter voraus. Der Zehnjährige begleitet seine Mutter auf der Wanderung. "Ich bin zwar nicht taub, habe aber zum Beispiel einen schwerhörigen Jungen bei mir in der Klasse", sagt Valentin. "Inklusion ist für mich also etwas Selbstverständliches." Während Isabelle Lorenz die Geschichte des historischen Galgenberges erläutert, verständigt sich Valentin mit einem der gehörlosen Wanderer mit Zeichensprache. "Ich kann keine Gebärdensprache. Aber wenn man sich einfach traut, mit Gesten zu sprechen, klappt die Verständigung ganz gut", erklärt Valentin.

Zum Abschluss der Wanderung geht es hoch hinauf auf den Aussichtsturm Taubenberg. Der weite Ausblick über das Moor, die Krickenbecker Seen und das Schloss wird gekrönt von einem Regenbogen über dem satten Grün der Wälder. Ganz ruhig genießen die gehörlosen Wanderer die Natur. Sie beobachten die kleinsten Bewegungen der Bäume und riechen die unterschiedlichen Gerüche. Draußen in der Natur gibt es eben mehr als nur viele verschiedene Geräusche.

(mat)