Die Mitglieder der THW-Jugend Nettetal lernen früh die Rettungswerkzeuge kennen

Serie Mein Verein : Fasziniert von Spreizer und Brennschneider

Die 20 Mitglieder der THW-Jugend Nettetal lernen früh die Rettungswerkzeuge kennen.

Kleine Hände, große Werkzeuge: „So ein Spreizer, das ist ein tolles Gerät, aber auch der Brennschneider“, schwärmt Daan. Hydraulische Spreizer und Brennschneidegerät setzt das Technische Hilfswerk (THW) ein, um etwa bei einem Unfall aus verkeilten Fahrzeugen Menschen zu befreien. Bei solchen Einsätzen kann Daan noch nicht mitmachen, doch der Zwölfjährige lernt zumindest schon die Rettungsgeräte kennen – wie knapp 20 weitere junge Leute in der THW-Jugend Nettetal.

„Erste Hilfe haben wir schon gelernt, aber wir spielen auch viel, und das alles zusammen macht großen Spaß“, erzählt Daan über seine Erfahrungen in der THW-Jugend. Zwischen zehn und siebzehn Jahren sind die Mitglieder in der Gruppe alt, und eins haben sie alle gemeinsam: „Man sollte schon ein bisschen technikbegeistert sein, dann ist man bei uns genau richtig“, erläutert Jugendbetreuerin Micheline Lindemann (39). Was aber nicht heißen solle, dass nur Technikfreaks auf ihre Kosten kommen. „Wir sind eine Jugendgruppe mit ganz normalen Gruppenstunden, nur dass eben auch THW-Spezifisches dazukommt“, sagt Lindemann.

Dieses THW-Spezifische, das hat vor allem mit Einsätzen bei Notfällen oder Katastrophen zu tun. „Wir werden gerufen, wenn etwa bei schweren Verkehrsunfällen der Einsatz von technischem Equipment gefragt ist“, erklärt Ortsbeauftragter Walter Delbos (47) und nennt als weitere Beispiele für Einsätze vor allem Unwetter und Katastrophen. Delbos berichtet: „Wir helfen zunächst im Bereich unseres Ortsverbandes, werden aber auch zu Einsätzen weiter weg gerufen.“

Bei solchen Maßnahmen sind die Mitglieder der Jugendgruppe natürlich noch längst nicht dabei, doch mit den Geräten werden sie im Laufe der Jahre mehr und mehr vertraut gemacht. Und zwar auch spielerisch, wie Bianca Stamfort (44) aus dem THW-Jugendleiter-Team ausführt. „Da gibt es kleine Wettbewerbe mit den Geräten, mit denen Kinder schon umgehen können, aber ansonsten machen wir natürlich auch Ausflüge, und beliebt ist unser jährliches Pfingstlager“, berichtet sie.

Ein Höhepunkt in diesem Jahr ist für neun Jungen und Mädchen der Nettetaler Jugendgruppe die Teilnahme am Bundesjugendlager in Thüringen mit rund 5000 Jung-THW’lern aus ganz Deutschland. „Das ist schön, auch mal andere kennenzulernen, Zeltlager find’ ich sowieso toll“, sagt Jeanett (13). Sie ist mit besonderem Eifer dabei. „Ich hab das zweite Leistungsabzeichen“, erzählt sie stolz. Diese Leistungsabzeichen der THW-Jugend in Theorie, Praxis und als Gruppenmaßnahme gehören zur Ausbildung der Junghelfer, die höchste Stufe ist am Schluss das „Leistungsabzeichen Gold“.

Bis dahin ist zwar noch ein langer Weg für Jeanett und ihre Freunde. „Aber wir sind eine gute Gruppe, helfen uns auch gegenseitig, mir gefällt hier alles sehr gut“, sagt Florian (13), der sich durchaus vorstellen kann, später mal aktiv beim THW mitzumachen. Das blaue T-Shirt des THW jedenfalls tragen sie schon alle. Dass Jungen und Mädchen gemeinsam dabei sind, findet er „völlig in Ordnung“. Was auch Delbos so sieht: „In den vergangenen Jahren sind mehr Mädchen und Frauen zu uns gekommen, das wirkt sich insgesamt sehr positiv auf das Klima aus“, sagt er.

Positiv ist auch die Entwicklung bei den Jung-THW‘lern, wie Lindemann ausführt: „Seit zwei Jahren ist das Interesse an der THW-Jugend gewachsen.“ Das liege auch daran, dass man bei Veranstaltungen die Einsatzfahrzeuge und Rettungsgeräte vorführe, und vor allem nach Tagen der offenen Tür in der THW-Zentrale in Kaldenkirchen kommen laut Lindemann viele Nachfragen. Bei aller Technik-Begeisterung der jungen Leute, hebt Delbos hervor, stehe der Gemeinschaftssinn im Vordergrund: „Wir sind, kann man durchaus sagen, wie eine große Familie.“

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