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Die Klosterbibliothek aus Kaldenkirchen - ein Zeugnis der Gegenreformation

Kultur in Nettetal : Ein Zeugnis der Gegenreformation

Die Bibliothek des Brigittenklosters ist seit fast 400 Jahren immer noch am Ort ihrer Entstehung erhalten. Heute ist sie im Besitz von St. Clemens.

Allein in seinem eigenen Haus hat Leo Peters, Archivar, Historiker, Autor und Professor für Geschichte, aber ebenso Kommunalpolitiker, eine große Bibliothek. Aber er kennt sich genauso gut in noch einer anderen Bibliothek aus, der Bibliothek des Brigittenklosters, 1625 in Kaldenkirchen gegründet. Der Bestand von mehr als 1000 Bänden wurde aber auch bereits vor 50 Jahren von der Uni- und Landesbibliothek wissenschaftlich erfasst und somit für die Forschung zugänglich gemacht. Ansonsten ist die Klosterbibliothek, die sich heute im Besitz der Pfarrgemeinde St. Clemens befindet, nicht öffentlich zugänglich.

Das Kloster wurde mitten im 30-jährigen Krieg gegründet, ist sozusagen ein Kind der Gegenreformation. Kaldenkirchen war 1625 die letzte Gründung eines Brigittenklosters auf deutschem Boden. Die Heilige Brigitte, eigentlich Birgitta Birgersdotter, wurde Anfang des 14. Jahrhunderts in Schweden geboren. Die schwedische Aristokratin war auch eine Mystikerin und Visionärin. Ihre Visionen wollte sie den Mächtigen und zwei Päpsten nahebringen. In Rom gründete sie eine klosterähnliche Gemeinschaft. Ihre Vision von der Geburt Jesu hatte auch Einfluss auf die Malerei. Nach ihrer Schilderung betete Maria mit gelöstem Haar das nackt auf dem Boden liegende Christuskind an.

18 Jahre nach ihrem Tod wird Birgitta heilig gesprochen. Schon vorher, 1346, gründet sie den Orden.  Der Erlöserorden, vollständig Orden des Allerheiligsten Erlösers, wird nach seiner Gründerin auch Birgittenorden genannt. Ursprünglich war er ein Doppelorden für Nonnen und Mönche. Auch in Kaldenkirchen gab es ein Schwesternkonvent und ein kleines Männerkonvent. Die Mönche betreuten bald auch die alte Pfarrgemeinde St. Clemens. Fast 200 Jahre bis zur Säkularisierung durch die Franzosen 1802 sorgte das Kloster für Seelsorge, Schulbildung und medizinische Versorgung. Dass die Bibliothek auch heute noch an Ort und Stelle ist, haben sie dem letzten Prior, Pater Johannes Heinrich Pülgers, zu verdanken.. Leo Peters nimmt an, dass er die Franzosen täuschen konnte, indem er die Bibliothek als Besitz der Pfarrgemeinde ausgab. Und diese wurden nicht enteignet.

Illuminierte Handschriften gibt es in Kaldenkirchen nicht. Dafür ist die Gründung des Klosters zu spät erfolgt. Beim Bestand handelt es sich überwiegend um Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Das Kloster, so Peters, hatte keinen großen Besitz. Die Bücher sind vielfach Schenkungen. So kam die Bibliothek eines Kaplans aus Venlo, der 1635 an der Pest gestorben war, nach Kaldenkirchen. Inhaltlich handelt es sich um Ausgaben der Bibel, um Bücher zur Exegese, für Predigtentwürfe, die Schriften der klassischen Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin. In Zeiten der Gegenreformation wurde aber auch Kontroversliteratur studiert, um gegen die kleine, aber aktive reformierte Gemeinde gewappnet zu sein. Auch von den Wiedertäufern, die viele als kriminell ansahen, gab es eine kleine Minderheit in Kaldenkirchen. Drei Familien gehörten vor Ort zu den Quäkern, die 1683 dann in die USA auswanderten, Zur Bibliothek gehören aber auch juristische und schöngeistige Werke.