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Nettetal: Die in die Röhre schauen

Nettetal : Die in die Röhre schauen

1980 baute Heinz Tüffers aus einer alten Rolllade einen Unterschlupf für Höhlenbrüter wie den Steinkauz. Inzwischen gibt es 114 Röhren im Raum Brüggen und Nettetal. Naturschützer reinigen sie in diesen Tagen.

Wenn der Nebel über dem Niederrhein hochzieht und die Tage kürzer werden, beginnt für Heinz Tüffers, Markus Heines, Hans Büschkens und Reinhard Wende der Herbstputz. Reinigen Hausfrauen (und -männer) üblicherweise im Frühjahr ihre Wohnungen, so klettern die Naturschützer auf Bäume, kriechen durch Sträucher und Hecken, weil sie in die Röhre schauen wollen. Damit tun sie Steinkauz, Schleiereulen und anderen Höhlenbewohnern etwas Gutes.

1980 montierte Heinz Tüffers die ersten Steinkauz-Röhren in alten Apfelbäumen. Der Vorsitzende des Naturschutzbundes fand schnell Mitstreiter, denn der Erfolg der Aktion blieb nicht aus. "Am linken Niederrhein, in den Kreisen Viersen, Kleve und Wesel, gibt es die größte Steinkauzpopulation", berichtet Markus Heines auf dem Naturschutzhof in Sassenfeld. Die nabu-Ortsgruppe in Nettetal hat daran maßgeblichen Anteil.

Inzwischen betreuen die Naturschützer 71 Steinkauz-Röhren im Raum Nettetal und 44 im Raum Brüggen/Niederkrüchten. Sie müssen bis Ende Januar kontrolliert und gesäubert werden. "Machen wir das nicht, sind die Röhren bald zugemüllt. Denn die Tiere benötigen Platz, sind aber nicht in der Lage, hausfraulichen Pflichten nachzukommen. Die Röhren sind nach spätestens zwei Jahren mit Gewölle, Ästen, Heu und Kot gefüllt.

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Gewölle dokumentieren

Die Männer entfernen den Inhalt, reinigen die Röhre und polstern sie mit Holzwolle und Sägemehl aus. Aus dem "Röhrenmüll" lässt sich einiges lernen. Markus Heines dokumentiert das Gewölle. Steinkauze jagen Maus, Maulwurf und Kleinsäugearten, Würmer und Insekten. Für die Steinkauze sind die vom Nabu betreuten alten Obstwiesen lebenswichtig. "Das Gras muss kurz sein. Wildwiesen eignen sich nicht für die Jagd auf Kleinsäugetiere", erklärt Heines.

Seine erste Wohnröhre baute Heinz Tüffers vor 31 Jahren aus einer alten Holzrollade. Es folgten weitere mit der tätigen Hilfe seiner Freunde. "Die Idee haben wir uns nicht patentieren lassen. Wir hoffen auf viele Nachahmer", sagt er lachend. Im Laufe der Jahre lernten die Röhrenpaten immer mehr zum effektiven Wohnungsbau in der Natur hinzu. Sie hängten Röhren so auf, dass Marder nicht über die Brut herfallen können, aber auch so, dass Junge nicht herausfallen und am Boden elend eingehen.

Kürzlich fiel Markus Heines vor Schreck fast von der Leiter, als ihm beim Abnehmen der Röhre ein fauchender Marder entgegen sprang. Er hatte sich dort gemütlich eingerichtet. Aber auch Stare, Spatzen, Wespen und Hornissen besiedeln die Röhren. Zu 80 Prozent leben aber Steinkäuze in den Behausungen. In diesem Jahr vermerkten die Naturschützer einen Rekord: In einer Röhre fanden sie Schalen von neun ausgebrüteten Eiern.

Ganz ungefährlich ist die ehrenamtliche Arbeit nicht. Heinz Tüffers geht nicht mehr alleine los, seitdem er öffnen einer Luke im Turm der Schaager Pfarrkirche zwischen Himmel und Erde hing. Dabei wollte er nur Turmfalken eine Wohnung vorbereiten.

(RP/rl)