Nettetal: Die Einrichtung von 1906 ist erhalten

Nettetal: Die Einrichtung von 1906 ist erhalten

Die Kapelle im Schloss Krickenbeck wurde 1906 mit dem Neubau auch neu errichtet. Im Laufe der Jahre wurden zwar Wände weiß überstrichen, aber die Ornamente konnten später freigelegt werden. - Teil 2 und Schluss.

Als sich die Familie von Schaesberg 1943 vor der nahenden Front auf ihr Schloss Tannheim in Württemberg zurückzog, nahm sie alle wichtigen und wertvollen Teile und die Einrichtungsgegenstände des Schlosses mit. Auch aus der Kapelle wurden alle bedeutenden Teile entfernt. Altar mit Aufbau sowie die Bänke blieben jedoch in Krickenbeck. Das Personal blieb zunächst noch auf dem Schloss und pflegte es weiter. Die im Juni 1943 im Schloss mit einem Kinderheim aus Mönchengladbach einziehenden Dernbacher Schwestern blieben bis Oktober 1944, bevor sie nach Olpe verlegt wurden. Sie zogen nach dem Zweiten Weltkrieg ins Schloss Dilborn. Auch sie nahmen ihre Einrichtung mit. Die wenigen Gegenstände, die bis zum Kriegsende in Krickenbeck blieben, wurden beim Einzug der Amerikaner und anschließenden Plünderungen durch Grenzbewohner zerstört. Beim Einzug des aus Ostpreußen vertriebenen Katharinenordens nach dem Krieg und der Eröffnung eines Altersheimes im Schloss sorgte der Kreis Kempen-Krefeld für eine entsprechende Einrichtung. Auch die Kapelle wurde wieder eröffnet. Das Altersheim wurde 1969 aufgelöst.

In der Kapelle wurde nur der alte hölzerne Altaraufbau demontiert und durch einen modernen Aufbau ersetzt. Der alte Altar wurde auf der Vorburg gelagert - und vergessen. Nach 1969 blieb das Schloss unbewohnt, verschiedene Rettungsversuche schlugen fehl, das Haus begann zu verfallen. Erst 1989 stoppte die neue Besitzerin, die Westdeutsche Landesbank (WestLB) diesen Prozess. Der war so weit fortgeschritten, das im Prinzip nur noch die Außenmauern nach intensiver Überarbeitung verwendet werden - es war praktisch ein Neubau des Schlosses.

Ausgenommen davon blieb die Kapelle. Sie war zwar bis auf den Altarunterbau und den Altartisch leer. Aber da hier das Dach instand geblieben war, hatte die Bausubstanz kaum gelitten. Die Kapelle heute entspricht quasi dem Zustand von 1906. " Die Kapellenwände und -decken sowie die Rückwand auf der Empore waren irgendwann geweißt worden. Doch konnte unter dieser Schicht die Originalbemalung von 1906 mit Blumen- und Blattranken bzw. an der Rückseite die Familienmotive freigelegt und von Kirchenmalern aus Münster mit Naturfarben rekonstruiert werden."

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Auch der Fußboden, die Steinmetzarbeiten der Putten und der Heizungsabdeckung sind noch im Original von 1906 erhalten. "Während im Schloss die Fenster größtenteils zerstört waren, blieben die ebenfalls aus dem Jahre 1906 stammenden gemalten Glasfenster der Kapelle unbeschädigt, da sie mit Sperrholzplatten verkleidet und so vor der Zerstörung geschützt waren. Die Bilder auf den Altarfenstern stellen im mittleren Fenster die Geburt Christi, im linken Fenster den hl. Heinrich und die hl. Elisabeth und im rechten Fenster den hl. Ludwig und die hl. Anna dar."

Die Empore besteht ebenfalls noch im Original von 1906, eine hölzerne wurde irgendwann gegen eine steinerne Brüstung ausgetauscht. Der Altarunterbau und der Altartisch von 1906 aus Baumberger Kalkstein blieben über alle Jahre unverändert an ihrem Platz stehen. Der hölzerne Altaraufbau aus dem Jahre 1906 wurde unter einem Schuttberg auf dem Speicher der Vorburg gefunden. Es fehlte nur der mittlere Pfeiler, der auf Anweisung des Landeskonservators nicht wieder hergestellt wurde.

Die 1906 vom Hannoveraner Bildhauer Theodor Massler für die beiden Altarnischen hergestellten Figuren des hl. Nikolaus und des hl. Hubertus blieben ebenfalls erhalten. In der linken Altarnische befindet sich die Figur der hl. Hubertus, die mit dem Altaraufbau auf dem Speicher der Vorburg gefunden wurde. Die zweite für die rechte Altarnische vorgesehene Figur des hl. Nikolaus, des Schutzpatrons der Kapelle, wurde von der Familie von Schaesberg mitgenommen und in einer Kapelle aufgestellt. Im Jahre 2005 konnte sich die WestLB mit der Familie auf eine Rückgabe der Figur einigen, so dass sich heute wieder beide Figuren in den Altarnischen befinden.

(heko)
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