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Nettetal: Die alte Grenzlage ist für Venlo ein großer Vorteil

Nettetal : Die alte Grenzlage ist für Venlo ein großer Vorteil

Bürgermeister Antoin Scholten hat ehrgeizige Pläne. Er betrachtet den deutschen Nachbarn als Partner für eine euregionale Entwicklung mit besonders großem Potenzial. Teil 1 eines Gesprächs mit Scholten.

Antoin Scholten hat sich vergangene Woche mächtig geärgert. Da wurde der "Gemeente Atlas" für die Niederlande veröffentlicht — mit wenig schmeichelhaften Aussagen über die Stadt Venlo. Sie steht im Ranking weit hinten als wenig anziehend und nicht gerade lebens- und wohnenswert. "Die darin getroffenen Aussagen gehen von falschen Annahmen aus. Im Ergebnis ist Venlo sogar sehr lebenswert und hat große Vorzüge gegenüber in der Größe vergleichbaren Städten", sagt Scholten.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr kam er aus Zwijndrecht bei Rotterdam auf eigenen Wunsch nach Nordlimburg. Er wurde Nachfolger von Hubert Bruls, der nun in Nijmegen im Rathaus regiert. Im Gegensatz zum burgundischen Bruls vermittelt Scholten das Bild eines kühl kalkulierenden, ein wenig asketisch wirkenden Menschen, den die "Randstad" geprägt hat.

Das Gefälle im Land ist groß. Gegen den Ballungsraum der Rand-stad mit den Metropolen Rotterdam/Amsterdam fallen alle Provinzen ab. Vor allem Limburg. Aber dahinter steckt viel Klischee. Und wer ständig in Klischees denkt, der wird eines Tages von der Wirklichkeit böse eingeholt. Vielleicht hat Scholten dies sogar auch so empfunden, ehe er nach Venlo kam. Der erste Eindruck, den er in Venlo erhielt, war die Weltoffenheit: "Venlo ist die meist niederländisch-deutsche Stadt. Wenn man bedenkt, wie stark unser Land von wirtschaftlichen Beziehungen vor allem Nordrhein-Westfalen ist, dann hat Venlo eine enorme Bedeutung und ist nicht nur ,Rotterdam-Ost', wie die Stadt wegen ihrer Bedeutung für Logistik auch genannt wird", sagt Scholten.

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Das zeige sich unter anderem darin, dass es in Venlo einen sehr hohen Einzelhandelsbestand gebe. Der Konzentrationsprozess, auch zulasten der Stadtteile (vor allem Tegelen) sei unvermeidbar. Aber dennoch gebe es hier die weitaus geringsten Leerstände. Dies sei dem ungebrochenen Interesse der Deutschen zu verdanken, in Venlo einzukaufen. "Und das geht inzwischen weiter. Allgemeine Wirtschaft, Tourismus, Handel, aber auch Kultur- und Privatleben haben sich über die Grenze hinweg vernetzt", stellt der Bürgermeister fest. Ausgerechnet die Politik hinke der Entwicklung immer noch hinterher. Manchmal aber auch die Venloer Bürger selbst. "Ihr Hinterland ist dieser gewaltige Raum bis Duisburg und Düsseldorf mit Millionen Einwohnern und einem wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Potenzial, das unvorstellbar groß ist."

Politisch will Scholten der eher lahmenden Zusammenarbeit mehr Schwung geben. Nicht nur die Zusammenarbeit mit Nettetal und Straelen, auch die Nähe zur Partnerstadt Krefeld und zu Mönchengladbach will er nutzen. Mit Oberbürgermeister Norbert Bude in Mönchengladbach glaubt er einen Partner gefunden zu haben, der die Euregio Rhein-Maas-Nord wieder antreibt. "Es gibt eine lange Planungsliste mit einer Perspektive für einen Zeitraum von 20 Jahren. Wir müssen weniger reden und mehr handeln", sagt Scholten. Ansätze für eine engere Zusammenarbeit sieht er in den Bereichen Umwelt, Logistik, Agrobusiness, Arbeitsplätzen, Hochschulpolitik und Tourismus.

"Um erfolgreich zu sein, muss man drei Faktoren berücksichtigen. Das eine ist die Zeit, die man sich gibt, das zweite ist ein konkreter Plan und das dritte ist immer Geld. Man muss es finanzieren können", Scholten will nicht länger auf der Stelle treten.

(RP/EW)