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Kreis Viersen: Dezernat für Geld und Schweinehälften

Kreis Viersen : Dezernat für Geld und Schweinehälften

Landrat Peter Ottmann möchte den Stellenwert des künftigen Kämmerers aufwerten. Er schreibt daher ein eigenes Dezernat aus. Allerdings wäre ein Bewerber auch zuständig für das Ordnungswesen und das Veterinäramt.

Im Sommer kommenden Jahres geht Kreiskämmerer Wilhelm Horster in den Ruhestand. Landrat Peter Ottmann will ein neues Dezernat bilden. Die Kämmerei wird mit dem Ordnungs- und Straßenverkehrsamt sowie dem Veterinäramt zusammengefasst. SPD und Grüne halten diese Kombination für abenteuerlich.

 Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen ist Wahlbeamter.
Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen ist Wahlbeamter. Foto: Alois Müller

"Das wird ein Dezernat für Geld und Schweinehälften", spottet SPD-Fraktionschef Udo Schiefner. Er fürchte, dass dem Dezernat die in der Kreisverwaltung mit B 2 dotierte Stabsstelle für Wirtschaftsförderung geopfert werde. Bis zum Sommer besetzte sie der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft, Rolf Adolphs. Er hat das Pensionsalter erreicht, bleibt aber vertraglich abgesichert bis 2014 Geschäftsführer der WFG.

 Ingo Schabrich leitet das Sozial-, Jugend- und Bildungsdezernat.
Ingo Schabrich leitet das Sozial-, Jugend- und Bildungsdezernat. Foto: Alois Müller

Städte, Gemeinden und Kreise stehen mit der freien Wirtschaft und untereinander im harten Wettbewerb bei der Besetzung von Führungspositionen. Der Kreis will mit der Bildung des neuen Dezernats möglichen Bewerbern eine gute berufliche Perspektive bieten. Das sehen die Fraktionen im Kreistag weitgehend ein. SPD und Grüne lehnen aber den geplanten Zuschnitt ab. Das Dilemma der Politik: Nach der Kreisordnung entscheidet allein der Landrat, wie er die Verwaltung organisiert.

 Andreas Budde ist Technischer Dezernent des Kreises.
Andreas Budde ist Technischer Dezernent des Kreises. Foto: Alois Müller
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Dennoch bemühte sich Kreisdirektor Andreas Coenen als Personaldezernent, auch SPD und Grüne für diese Lösung zu gewinnen. Ordnungs- und Straßenverkehrsamt sowie Veterinäramt ließen sich aus dem Technischen Dezernat von Andreas Budde heraustrennen und am einfachsten umordnen. Die SPD überzeugt er damit nicht. "Eine solche Zuordnung wäre einmalig für einen Kreis", sagt Schiefner. Vergleichbares habe er jedenfalls bisher nirgends gefunden.

Der SPD-Politiker hält es für sinnvoller, ein Finanzdezernat zu schaffen, dem Kämmerei, Beteiligungsverwaltung und Controlling zugeordnet werden. Die Forderung der SPD, die Beteiligungen in der Kreisverwaltung zu bündeln, ist schon älter. Einige Beteiligungen des Kreises sind nämlich in der WFG angesiedelt: Technologie- und Gründerzentrum (TZN) in Kempen, RWE AG, Standort Niederrhein GmbH, Wohnungsgesellschaft GWG, Tourismus GmbH Mittlerer Niederrhein, Niederrhein Tourismus und Gesellschaft zur Förderung der Beschäftigung (GFB).

"Ungewöhnlich" ist der geplante Zuschnitt des Kämmereidezernats auch aus Sicht der CDU. Fraktionssprecher Michael Aach hält die Bildung eines eigenen Dezernats für richtig. Erschwerend in der Organisation ist nach Auffassung Aachs, eine Balance zwischen den Dezernaten herzustellen. "Ich kann mir vorstellen, dass da auch noch konkreter Gestaltungsspielraum besteht, auch wenn die Ausschreibung heraus ist", meinte Aach. Die Vorschläge der SPD seien keinesfalls abwegig. Ganz so einflusslos sei der Kreistag am Ende aber nicht. Die Organisation der Verwaltung liege zwar in Händen des Landrates, aber den Kämmerer bestelle letztlich der Kreistag. FRAGE DES TAGES

(RP/ac)