1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Deutsche in Rauch aufgelöst

Nettetal : Deutsche in Rauch aufgelöst

Seit einer Woche können Deutsche kein Marihuana mehr in Venloer Koffieshops erwerben. Sie sind nach Angaben von Bürgermeister Hubert Bruls wie ein Spuk seither verschwunden. Das Projekt Hektor wird zunächst fortgesetzt.

Wie ein Spuk sind die deutschen Drogenkäufer seit Wochenbeginn aus Venlo verschwunden. Schon am Montag schloss der Doppel-Koffieshop Oase/Roots nahe der Grenze. "Es ist ein Phänomen. Niemand ist mehr da, es ist, als wäre dort nie ein Gramm Marihuana verkauft worden", stellte gestern Venlos Bürgermeister Hubert Bruls fest. Er ließ allerdings offen, ob nahe der Grenze demnächst doch wieder ein Koffieshop eingerichtet wird.

Seit 2001 hat die Stadt Venlo mit ihrem Projekt "Hektor" den Kampf gegen Drogenkriminalität geführt. Sie bündelte darin alle staatlichen Kräfte und ging mit zum Teil sehr harten Maßnahmen — bis hin zu Eingriffen in Eigentumsrechte Dritter — gegen den Sumpf vor. 60 illegale Verkaufsstätten von Drogen wurden ausgehoben, fünf Koffieshops erhielten die Erlaubnis, Cannabis-Produkte zu verkaufen.

Größter Umschlagplatz

2004 wurden die Koffieshops Oase und Roots im ehemaligen Fernfahrerrestaurant "Schwanenhaus" untergebracht. Sie waren bis vor einer Woche der größte Umschlagplatz von Cannabis in den Niederlanden. Nach neueren Untersuchungen ging die Zahl deutscher Kunden jedoch ab 2006 kontinuierlich zurück. Bruls macht dafür unter anderem die massiven Polizeikontrollen am "Drogenpfad" in Deutschland verantwortlich. Zuletzt hielten sich Deutsche und Polen sowie und Niederländer mit jeweils 8000 pro Jahr die Waage. Viele von ihnen kamen im täglichen bis wöchentlichen Rhythmus.

Den neuerlichen Absturz Venlos in eine neue hochkriminelle Struktur sieht Bruls nicht. Das Hektor-Straßenteam aus hoch spezialisierten Kräften bleibe unterwegs, man werde gerade jetzt den Aufbau neuer mafiöser Strukturen mit aller Macht verhindern, sagte er. Das harte Durchgreifen auch gegen Besitzer von Immobilien, in denen Drogen verkauft wurden, Geöffnet sind zurzeit drei Koffieshops, die Lizenzen der beiden geschlossenen Shops an der Grenze können neu vergeben werden, weil damit der inländische Bedarf gedeckt werde. Anfragen habe es gegeben, erklärte eine Mitarbeiterin des Projekts Hektor gestern. Aber bisher habe niemand einen Antrag gestellt.

In dieser Woche brachen die Umsätze der drei geöffneten Shops ein. Niederländer müssen nämlich eine Meldebescheinigung ihrer Heimatgemeinde vorweisen, ehe sie den Klubausweis (wietpas) erhalten. Davor schrecken viele zurück. Bürgermeister Bruls wird das Thema vermutlich so schnell nicht los: Zunehmend weichen deutsche Konsumenten nach Norden aus, auch nach Nijmegen, wohin Bruls noch in diesem Monat wechselt.

(RP/jco/top)