1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Der Zauberer Schmitz-Backes aus Nettetal legt eine Zwangspause ein.

Kultur in Nettetal : Pausentaste für die Zauberei

Als Schmitz-Backes fasziniert Zauberkünstler Michael Backes am ganzen Niederrhein sein Publikum. Die Zwangspause in Corona-Zeiten nutzt er, um neue Kartentricks einzustudieren oder einen kleinen Trickfilm zu drehen.

Nein, den Coronavirus kann er nicht einfach verschwinden lassen und auch keinen Impfstoff aus dem Hut zaubern. Michael Backes hat die Zauberei zu seinem Beruf gemacht und tritt im halben Land als Schmitz-Backes auf. Jetzt sind wegen der Corona-Pandemie vorerst alle Auftritte abgesagt. „Corona trifft jede Live-Kunst mitten ins Herz“, sagt Michael Backes. Sonst ist er das ganze Jahr über unterwegs, jetzt wurde die Pausetaste gedrückt. Für Schmitz-Backes fielen bisher 25 Veranstaltungen flach.

In den vergangenen Jahren hatte Backes stets Vollgas gegeben, aus jedem Auftritt ergaben sich Folgeauftritte. Und da er an einem Tag in einem bestimmten Radius mehrere Auftritte annimmt, wurde er zu einem der meist gebuchten Zauberer in Deutschland. Die Zwangs-Entschleunigung nutzt Backes kreativ. Ein Projekt, das liegengeblieben ist, betrifft die Kartenkunst. Hatte er früher selten Zeit, so gibt es jetzt Muße genug. Er will zaubertechnisch und künstlerisch besser aus der Krise herauskommen. Sogar beim Gespräch am Esstisch führt er einen Kartentrick vor, natürlich berührungsfrei, weil teilweise rein pantomimisch.

Die Begeisterung für Kartentricks hat ihn gepackt. Die Kartenkunst sei ein starkes Kapitel der Zauberei, sie biete eine hohe Dichte an Effekten. Gut, dass er jetzt Zeit hatte, seine magische Bibliothek zu sichten. Vor 13 Jahren ist die Familie in das Haus in Lobberich eingezogen, sein „Zauber-Lager“ war sehr unsortiert und ist jetzt aufgeräumt. Die Zauberkunst ist erstaunlicherweise gut dokumentiert. Sonst müsste jeder Zauberer bei Null anfangen. Aber so gab jede Zauberer-Generation das Gelernte an die nächste weiter. Mit seiner Kunstfigur Schmitz-Backes zieht er mit viel Kreativität eine jahrhundertealte Kunst in die Gegenwart und verbindet sie mit Humor.

Weltweit ist die Zauberkunst im englischsprachigen Bereich stark vertreten, aber tricktechnisch spiele die deutsche Szene sehr weit vorne mit. So hat der junge Wuppertaler Marc Weide 2018 den ersten Platz bei der Weltmeisterschaft der Zauberkunst in der Sparte Salonmagie errungen und wurde so zum „Magier des Jahres 2018“ gekürt.

Backes hofft, in einer Übergangszeit bald wieder vor kleineren Gruppen, etwa bei Hochzeiten, auftreten zu können. Bei den fünf Lachabenden, die er im Seerosensaal veranstalten wollte, wird es wohl noch etwas dauern. Die ersten beiden – ausverkauften – Abende mit Ingrid Kühne und Willibert Paules sind abgesagt. Aber keiner hat die Karten abgegeben, was Backes ein „tolles Zeichen für die Künstlerkollegen“ nennt. Der dritte Termin der Lachabende ist für den 13. September geplant.

Michael Backes ist bekennender Live-Künstler. Jetzt Zaubertricks im Wohnzimmer zu filmen und dann ins Netz zu stellen, ist nicht sein Ding. Er wollte immer das Gegenteil von Fernsehen sein, er beschwört das gemeinsame Live-Erlebnis. Zauberkunst sei eine Live-Kunst, die man mit eigenem Auge sehen müsse. Das funktioniere nicht durch eine Scheibe. Und wer ihn als Schmitz-Backes schon einmal erlebt hat, weiß, wie sehr er aus der Interaktion mit den Zuschauern heraus arbeitet. Doch jetzt ist er sich selbst untreu geworden und hat einen kleinen Stop-Motion-Film gedreht – mit den Lego-Figürchen seiner Töchter. Da zaubert Schmitz-Backes in kleiner Lego-Form erst ein Kaninchen aus dem Hut und dann lässt er sich selber verschwinden. Hoffentlich taucht Schmitz-Backes bald wieder in Wirklichkeit auf der Bühne auf.