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Nettetal: Der Weißstorch fühlt sich bei uns wieder wohl

Nettetal : Der Weißstorch fühlt sich bei uns wieder wohl

Der Bestand des großen Vogels hat sich mit etwa 100 Brutpaaren landesweit stabilisiert. Dennoch steht er weiterhin auf der Roten Liste.

Der Weißstorch hat eine schwierige Zeit in Nordrhein-Westfalen erlebt. Zu Beginn der 1990er-Jahre gab es landesweit nur noch drei Brutpaare. Am Niederrhein trugen dann Bemühungen, dem großen Vogel wieder einen angemessenen Lebensraum zu schaffen, erste Früchte. Bei Kranenburg war der Kaldenkirchener Zahnarzt Wolfgang Pilz maßgeblich daran beteiligt. Und jetzt brütet der Vogel auch wieder im Kreis Viersen.

Nach schwierigen Jahrzehnten erholt sich der Bestand allmählich. Einen Überblick gab Michael Jöbges vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW im Infozentrum der Biologische Station Krickenbecker Seen: Der Weißstorch ist ein europäischer Vogel. Es gibt ihn in Deutschland vor allem in Nord- und Ostdeutschland sowie am südlichen Rhein. Seit 1934 werden Daten zu den Brutpaaren (25 Paare) in NRW erhoben.

Durch gezielte Artenschutzmaßnahmen gelang es, den Weißstorchbestand wieder zu stabilisieren und sogar zu verbessern. Das "hohe ehrenamtliche Engagement" sei besonders wichtig gewesen, unterstrich Jöbges. Im Jahr 2012 gab es landesweit wieder etwa 100 Brutpaare. Darunter sind die beiden Paare aus dem Kreis Viersen. Entscheidend für ihre Wiederansiedlung waren gezielte Maßnahmen. Dazu gehört die Renaturierung von Auen an der Lippe ebenso wie an der Niers. Feuchtwiesen sind für den Storch lebensnotwendiger Lebensraum, nur hier kann er seine Brut aufziehen.

Trotz allem steht der Vogel mit dem roten Schnabel und den langen Beinen weiterhin auf der Roten Liste und gilt als "gefährdet". Ein lebensgefährliches Problem für den Storch bilden die Überlandleitungen der Stromversorgung. Jöbges berichtet, dass Störche den Stromtod sterben, wenn sie in Stromleitungen fliegen oder auf den Masten landen. Allerdings seien die Stromversorger sensibilisiert. Sie holen oft Leitungen von den Masten und graben sie ein, wenn konkret Gefährdungen für Störche gemeldet werden.

Jöbges beringt ehrenamtlich junge Störche. Die Ringe werden dem Jungvogel an einem der Beine befestigt. Sie sind so konstruiert, dass sie sich mit dem Fernglas ablesen lassen. Meldungen der Ringe liefern immer wieder spannende Erkenntnisse über das Zugverhalten. So überwintern die meisten Störche aus NRW mittlerweile in Spanien. Dort bieten ihnen große Mülldeponien Nahrung. Vereinzelt fliegen Störche aber auch noch in die Sahelzone oder sogar bis nach Südafrika. Dabei wählen sie entweder die Westroute über Gibraltar oder die Ostroute über den Bosporus. "Dies ist nicht genetisch vorgegeben", sagt Jöbges, "die Störche schließen sich einfach Trupps an, die über sie hinweg fliegen. Die bestimmen die Route."

Das Mittelmeer kann der Weißstorch nicht direkt überfliegen. Er ist von Thermik abhängig, die über dem offenen Meer fehlt. Allerdings kommen die Vögel inzwischen deutlich früher zurück. Einige Paare wurden bereits im Februar entdeckt. Ob dies am Klimawandel liegt, mag Jöbges nicht bewerten. Wichtig bleibe es, Weißstörche weiter im Land anzusiedeln. Grundlage seien "ein gutes Nahrungsangebot" und die "Fortsetzung von Biotopschutzmaßnahmen in der Auenrenaturierung und den Feuchtwiesen", erklärte Jöbges.

(pepp)