Der Netteverband ist 50 Jahre alt geworden.

Hinsbeck : Eine nette Erfolgsgeschichte

Der Netteverband ist 50 Jahre alt geworden. Im Restaurant Am Krickenbecker See wurde der Geburtstag am Donnerstag mit geladenen Gästen gefeiert.

Wo sonst als direkt am Ufer des Krickenbecker Sees feiert man „50 Jahre Netteverband“? Still und ruhig lag der See vor der Terrasse von Hotel und Restaurant Am Krickenbecker See. Aber drinnen im Saal ging es lebhaft zu. Wie es sich für eine 50-Jahr-Feier gehört, waren nicht nur die aktuell Verantwortlichen dabei, sondern auch ihre Vorgänger. So konnte Bürgermeister und Verbandsvorsteher Christian Wagner seine Vorgänger Peter Ottmann und Christian Weisbrich nach vorne holen. Und als dann der erste Geschäftsführer Berthold Marusczyk, dessen Nachfolger Volker Dietl und der aktuelle Geschäftsführer Thomas Schmitz dazukamen, stand mit diesen sechs Männern die gesamte 50-jährige Geschichte des Netteverbandes vorne auf dem Parkett.

Und alle plauderten gerne aus dem Nähkästchen, so dass überhaupt keine Langeweile aufkam. Zum Beispiel Schloss Krickenbeck. Das Wasserschloss wurde zwischen 1991 und 2011 von der WestLB als Tagungsstätte genutzt. Der damalige Vorstandsvorsitzende Friedel Neuber wollte damals, so erzählte Christian Weisbrich, die Mückenplage am See bekämpfen, indem vom Hubschrauber Insektenvernichtungsmittel versprüht werden sollten. Das wurde verhindert, aber die biologische Variante mit der Ansiedlung natürlicher Fressfeinde wie Amphibien und Fische durch Fremdfirmen hätte fünf Millionen Mark gekostet. Das war der Bank zu teuer. Geschäftsführer Mrusczyk schaffte es mit eigenen Leuten und ABM-Kräften für nicht einmal eine Million. Das hat die WestLB gefreut, die Naturschützer zufrieden gestellt und dem Verband zu Ansehen verholfen.

Überhaupt der erste Geschäftsführer Berthold Marusczyk: Der Wasserbauingenieur von den Masurischen Seen siedelte 1966 von Polen nach Deutschland über. 1969 wurde der Netteverband als Wasser- und Bodenverband Nette gegründet, in den ersten Jahren wurde er durch den Kreis Kempen-Krefeld und später durch den Kreis Viersen geführt. Seit 1983 hat der Verband eine selbständige Geschäftsführung. In dieser Anfangsphase ging es vor allem darum, die Seen zu entschlammen. Aber wohin mit dem Schlamm? Die Bezirksregierung war der Ansicht, der Schlamm sei zu feucht für eine Deponie. Also fuhren Ottmann und Marusczyk nach Düsseldorf. Und bei der Bezirksregierung holte der Geschäftsführer ein Stück trockenen Schlamm in Alufolie eingepackt aus der Aktentasche und legte sie auf den Tisch. Problem gelöst.

War in den Anfangsjahren die Entschlammung der Netteseen bestimmend, mussten danach Hochwasserrückhaltebecken und Stauanlagen gebaut werden. Heute übernimmt der Netteverband zahlreiche wichtige Aufgaben wie die Gewässerunterhaltung, die Sicherung des Hochwasserabflusses, einen naturnahen Gewässerausbau und Renaturierungen. Diesen Wandelprozess verantwortete von 2001 bis 2017 Geschäftsführer Volker Dietl. Der Wandel gelang auch durch die Einbindung von Naturschützern und der Landwirtschaft, Nach dem ersten Gesamtkonzept von 1994 wurde 2009 auf Workshops mit 50 Fachleuten ein neues Konzept erarbeitet.

2018 folgte Thomas Schmitz. Er war vorher 28 Jahre beim Kreis tätig und dort für den Netteverband verantwortlich. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit für den Verband wird in den nächsten Jahren weiterhin die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie sein. So wird der Untere Mühlenbach weiter naturnah ausgebaut, der Peitschbach und die Untere Nette revitalisiert. Daneben werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gewässer wie Starkregen oder Trockenfallen von Gewässern ein zunehmend wichtiges Thema sein. Im Sommer 2018 und 2019 war die Nette teilweise trocken gefallen. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Versiegelung der Landschaft, die gerade bei Starkregen zu problematischen Einleitungen von Mischwasser führen kann.

Aus kleinen Anfängen hat sich der Netteverband gut entwickelt. Diese Erfolgsgeschichte ist nicht nur den Verbandsvorstehern und Geschäftsführern zu verdanken, sondern in erster Linie motivierten und engagierten Mitarbeitern. In der Anfangsphase hatte der Verband zwei, ab 1980 drei feste Mitarbeiter. Heute sind auf dem Foto der Mitarbeiter 15 Frauen und Männer abgebildet. Am Anfang wurde der überwiegende Teil der Arbeiten von Fremdfirmen ausgeführt. Heute werden die Arbeiten zum großen Teil selber durchgeführt. Dazu ist ein moderner Maschinenpark notwendig. In Kürze wird ein neuer JCB-Bagger ausgeliefert. Das Modell stand bereits jetzt auf dem Parkplatz.