Nettetal: Der Feind aller Fischer

Nettetal: Der Feind aller Fischer

In einem Vortrag der Biologischen Station Krickenbecker Seen widersprach Michael Jöbges vielen gängigen Vorurteilen gegenüber dem Kormoran. Er rät Naturschützern und Naturnutzern, sich an einen Tisch zu setzen.

Der Naturschutzbund (Nabu) hat den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 erklärt. Damit hat er eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Denn in vielen Kreisen ist der Vogel umstritten. Michael Jöbges versuchte daher in einem sehr gut besuchten Vortrag im Infozentrum der Biologischen Station vor allem Vorurteile über den Kormoran abzubauen.

So werde oft behauptet, der Kormoran sei kein heimischer Vogel, berichtete Jöbges. Das aber sei nicht richtig. "Es gibt sowohl den Meeres- als auch den Binnenkormoran". Beide Kormorane nisten in Kolonien, auf Bäumen oder aber auf der Erde. Und beide Arten wurde in den vergangenen beiden Jahrhunderten von Fischern als Schädlinge verfolgt. Das ging so weit, dass er in ganzen Landstrichen ausgerottet war. Das nährte die Behauptung, der Kormoran sei kein heimischer Vogel.

1979 beinahe ausgerottet

Auch die Behauptung, er sei ein Nahrungsoptimist, ist nach Jöbges' Angaben nicht korrekt. Er fresse je nach Größe zwischen 350 und 550 Gramm Fische in der Größe von 10 bis 20 cm. Der Kormoran jage aber nicht gezielt bestimmte Fischarten, was ebenfalls oft behauptet werde. Der Vogel fresse vielmehr in seinem Bereich zahlreich vorkommende Fischarten. Daher komme es vor, dass er in Zuchtgebieten große Mengen desselben Fisches fange. Der Kormoran geht er sehr früh auf die Jagd, meist ist er gegen 7 Uhr morgens schon fertig. Er verletze Fische nicht gezielt, wie gerne erzählt wird, sondern lässt nur dann verletzte Fische zurück, wenn sie zu groß sind und er sich bei der Jagd verschätzt hat. Nach wissenschaftlichen Studien, die Jöbges heranzog, betrifft das nur 0,5 Prozent.

Warum gibt es die Probleme mit den Kormoranen? Da er als Fischerei-Feind lange gejagt wurde, war er 1979 beinahe ausgerottet. Die EU verhängte daraufhin ein Jagdverbot. Inzwischen hat der Bestand sich aufgrund des Schutzes erholt. Er ist in West- und Mitteleuropa auf einen Bestand von etwa 755 300 Vögeln angewachsen. "Der Bestand stabilisiert sich, zuletzt gab es keine Steigerungen mehr", erklärt Jöbges anhand einer Statistik, die bis weit in die 1980er-Jahre reicht. In NRW gibt es ca. 840 Brutpaare, darunter einige am Nierssee. Bundesweit belegt NRW den zweiten Platz der Abschüsse – mit wenig Erfolg. Es rücken neue Vögel ständig nach.

Natürliche Feinde hat der Kormorans auch. Seeadler und Uhu jagen den Vogel, aber auch Waschbären. Und Nahrungsrückgang dezimiert die Vögel ebenfalls auf natürliche Weise. Die Kormoranverordnung des Landes läuft bald aus. Die Landesregierung wartet, ehe sie handelt, auf die Ergebnisse des Kormoranleitfadens der EU-Kommission. Jöbges forderte Naturschützer, Fischer und Angler auf, sich an einen Tisch zu setzen. Konstruktive Diskussionen und sachlicher Erfahrungsaustausch seien möglich. Er habe es selbst erlebt, versicherte der Referent.

(RP)