Der Biologe Klaus van de Weyer aus Breyell erforscht Wasserpflanzen.

Breyell : Tauchen für den Naturschutz

Der Biologe Klaus van de Weyer aus Breyell erforscht Wasserpflanzen und entwickelt Naturschutzmaßnahmen.

Ein Windhauch kräuselt die Oberfläche des Sees, das bunte Laub der Bäume am Ufer spiegelt sich leicht verzerrt, Schwäne ziehen gemächlich ihre Kreise. Klaus van de Weyer schaut übers Wasser und lächelt: „Das ist für mich hier ein bisschen emotional, schließlich ist der Wittsee irgendwie mein See.“ Hier schwamm er als Kind, hier untersucht er heute alles, was unter der Oberfläche wächst: Der Biologe ist Experte für Unterwasserpflanzen, seine Forschungen dienen als Grundlage für Naturschutzmaßnahmen.

Vom Steg am Ufer schaut van de Weyer ins Wasser: „Vor acht Jahren wurde hier ein Sandvlies am Grund eingebracht, um die wuchernden Pflanzen einzudämmen, die den Wassersport behinderten.“ Diese Maßnahme des Netteverbandes begleitet van de Weyer wissenschaftlich; solch ein Wasserpflanzen-Management, eins seiner Spezialgebiete, führt er an etlichen Gewässern deutschlandweit durch. Das Projekt am heimischen de Wittsee allerdings ist für den 1,93 Meter großen Wissenschaftler eine Besonderheit: „Ich kann hier im flachen Wasser stehen, sonst forsche ich ja meist tauchend“, sagt er.

Van de Weyer ist ein „Breyeller Jung“, wie der 58-Jährige sagt. Beeindruckt vom Aufbegehren der jungen Öko-Bewegung in den 1980er Jahren gegen die Zerstörung der Umwelt etwa durch Pestizide, entschloss er sich damals, „Biologie zu studieren, auch um Veränderungen in der Umwelt zu erforschen“. Studium in Berlin und Oldenburg, Diplom, Promotion.

Längst ist van de Weyer einer der führenden Experten im Bereich der Gewässerökologie. Sein Metier: Tauchen und Forschen in Seen und Flüssen, Vorträge halten in aller Welt. Seine Bücher über Makrophyten, Unterwasserpflanzen also, sind Standardwerke in Fachkreisen, kaum einer weiß so viel über Armleuchteralgen wie er. Für Behörden und Verbände entwickelt er Empfehlungen für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien.

Bewahrt hat sich der Wissenschaftler van de Weyer das Staunen. Natur könne so schön sein, dafür zu arbeiten, sei ein Geschenk. Beim Tauchen „die wunderbare Stille unter Wasser“ zu erleben, beeindrucke ihn stets aufs Neue. Und die Freude, eine seltene Wasserpflanze zu entdecken, sei jedes Mal riesengroß: „Wir sind ja Nerds, wir fahren tausend Kilometer, nur um eine bestimmte Pflanze zu bewundern.“

Begeistert ist er auch nach wie vor von der Natur an Nette und Schwalm: „Man muss wissen, wo man herkommt“, hebt van de Weyer hervor. Deshalb arbeite er immer wieder gern in und für Gewässer in der Region, für den Naturschutz vor Ort, natürlich auch in „seinem“ de Wittsee. Das Schwärmen freilich vergeht ihm angesichts der Folgen von Klimawandel und Umweltsünden. Schlimm sei das Artensterben unter Wasser. Er empfiehlt darum Maßnahmenkonzepte für Gewässer, „etwa durch Anpflanzungen bestimmter Makrophyten“, so funktioniere wissenschaftlich fundierter Naturschutz.

Viel Forscherei, wenig Freizeit, die er mit der Familie verbringt, dazu gern Jazz hört und mit Borussia Mönchengladbach fiebert. Van de Weyer spricht ruhig und doch lebhaft, lacht viel – und kann sich ziemlich aufregen, wie er zugibt: „Mich ärgert zum Beispiel Rücksichtslosigkeit, auch in kleinen Dingen, etwa wenn Leute ihre Hunde in der Natur frei rumlaufen lassen und sich unverbesserlich geben.“

Sympathie hingegen hegt er für die Bewegung Fridays for Future. Es sei großartig, wenn junge Klima-Aktivisten die Menschen wachrütteln. Das erinnere ihn an die Umweltbewegung in den 1980er Jahren.