Udo Moter: Den "Höllenritt Wahlkampf" bestehen

Udo Moter : Den "Höllenritt Wahlkampf" bestehen

Der SPD-Bürgermeisterkandidat sieht seine Partei in alter Stärke und lehnt eine Unterstützung durch die AfD entschieden ab.

Macht Ihnen, Herr Moter, Ihr Job als Schulleiter in Essen keinen Spaß mehr, so dass Sie jetzt Bürgermeister von Nettetal werden wollen?

MOTER Doch, ich bin gern Schulleiter in Essen. Aber ich bin von meinen Parteifreunden in der Nettetaler SPD gefragt worden, ob ich in meiner Heimatstadt und für meine Heimatstadt Verantwortung übernehmen will. Und das will ich, schließlich müsste vieles verbessert werden in Nettetal.

Was muss verbessert werden?

MOTER Nettetal ist einerseits gut aufgestellt, die Entscheidungen etwa für Perspektiven in der wirtschaftlichen Entwicklung sind durchaus vernünftig. Andererseits kommt das Soziale viel zu kurz. Benachteiligte Bürger haben nicht teil am kulturellen Leben, an Bildungsmöglichkeiten, an einem Aufschwung. Hier muss es gerechter zugehen. Und wir brauchen mehr Transparenz, vieles bleibt den Bürgern verborgen, etwa was sich wirklich tut im Gewerbegebiet Venete.

Wie können Sie das von Essen aus beurteilen?

MOTER Ich bin ein Nettetaler, der in einer anderen Stadt arbeitet. Aber meine Familie ist hier, ich komme oft zwischendurch und an Wochenenden her, war die ganze Zeit über dem SPD-Ortsverein verbunden, habe mich auf dem Laufenden gehalten, bin im Wahlkampf fast täglich vor Ort. Als gewählter Bürgermeister würde ich natürlich umgehend wieder hierher nach Nettetal ziehen.

Was qualifiziert Sie überhaupt für das Amt des Bürgermeisters?

MOTER Ich bin erfahren in Sachen Verwaltung und darin, eine Einrichtung zu leiten. Ich habe viel mit Ämtern und Behörden zu tun, kann organisieren. Vor allem aber bin ich ein sehr kommunikativer Mensch, suche immer das Gespräch. Das Miteinander ist entscheidend, auch zum Beispiel um die Kompetenzen und Erfahrungen der Mitarbeiter in der Verwaltung bei Entscheidungen zu nutzen. Und in der Politik ist Kommunikation das A und O, zudem bin ich kompromissbereit.

Sie schildern Ihre Stärken, aber was würde Ihre Partnerin sagen, was Ihre Schwächen sind?

MOTER Sie würde sicherlich sagen, ich sei ungeduldig. Und das ist wohl so. Wenn ich ein Ziel verfolge, kann ich sehr hartnäckig sein. Andererseits, wie gesagt, bin ich dabei auch kompromissbereit.

Wie kompromissbereit sind Sie in Sachen Erhöhung der Gewerbesteuer, die Ihre Partei fordert, der amtierende Stadtrat aber abgelehnt hat?

MOTER Naja, langfristig wäre eine moderate Erhöhung wohl durchaus sinnvoll. Andererseits ist der niedrige Gewerbesteuersatz ein Pfund, mit dem wir etwa bei möglichen Firmenansiedlungen im Gewerbegebiet Venete wuchern können. Vorläufig würde es mit mir zunächst keine Steuererhöhung geben.

Um gewählt zu werden, brauchen Sie jede Stimme, sollen aber die Unterstützung durch die Alternative für Deutschland, AfD, abgelehnt haben. Stimmt das?

MOTER Ja. Ich weiß auch nicht, warum die mich gefragt haben, ob sie eine Wahlempfehlung für mich abgeben können. Ich habe das dankend abgelehnt, das wäre mir peinlich. Vieles bei denen kommt mir rechtslastig und nicht geheuer vor. Ich bleibe lieber Schulleiter in Essen, als mithilfe der AfD auf Stimmenfang zu gehen.

Wie sieht's mit Ihrer Partei SPD aus, die über Jahre mehr durch Personalquerelen als durch Harmonie von sich reden machte?

MOTER Die Zeiten sind, Gott sei Dank, vorbei. Ich spüre Geschlossenheit, Stärke und Engagement, was mich darin bestärkt hat, den Höllenritt Wahlkampf auf mich zu nehmen, um Bürgermeister zu werden.

Wenn Sie als Bürgermeister nach Nettetal kämen, welchen Dienstwagen hätten Sie gern?

MOTER Dienstwagen, gibt's so was? Brauche ich jedenfalls nicht. Ich fahre einen Hyundai, weil der fünf Jahre Garantie hat, da muss ich mich um nichts kümmern. Das Auto würde mir auch als Bürgermeister völlig reichen. Und in Nettetal kann man ja vieles mit dem Fahrrad machen.

(jobu)
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