Nettetal: Dem Rathaussturm droht ein Desaster

Nettetal : Dem Rathaussturm droht ein Desaster

Heute Abend gibt es ein Krisentreffen der Möhnen mit dem Bürgermeister. Viele Karnevalisten lehnen das neue Konzept ab. Ein Boykott der Veranstaltung ist nicht auszuschließen. Stadtprinz Rolf I. ist von der Entwicklung tief enttäuscht.

Für die Karnevalisten ist der Entschluss von Bürgermeister Christian Wagner, den Sturm auf das Rathaus zu Altweiber zu verkleinern und mit einem Empfang im Hof des Rathauses zu ersetzen, ein Desaster. Wagner musste sich am Samstag während der Sitzung des Karnevals-Komitees Lobberich (KKL) heftig formulierte Kritik des Sitzungspräsidenten Thomas Timmermanns anhören. Jetzt geht der Konflikt in die nächste Runde. Wagner trifft sich am heutigen Dienstag um 18 Uhr mit den Möhnen, um den Sachverhalt zu diskutieren und Wogen zu glätten.

Die Stadt hat angekündigt, dass nur eine kleine Möhnen-Abordnung Einlass ins Rathaus finden wird. Sie soll mit dem Prinzenpaar und dem Bürgermeister zum Feiern und zur Schlüsselübergabe in den Innenhof gehen. Das empfinden die Möhnen als Verbannung, zumal auch der traditionelle Sturm durch drei Möhnen über die Drehleiter gestrichen ist. Die Empörung ist beim überwiegenden Teil der Möhnen groß, einige Karnevalsvereine stellten sich demonstrativ auf ihre Seite. So könne man nicht mit Brauchtum umgehen, hieß es. Schon am vergangenen Donnerstag gab es ein Krisentreffen auf Einladung der Seenstadtmöhnen. "Alle Möhnen sind auf meiner Seite", berichtete anschließend Andrea Hüpen. Sie ist empört über die geplanten Veränderungen der Stadtverwaltung.

Wagners Entscheidung, an der allerdings auch Karnevalsgesellschaften und eine Möhnengruppe beteiligt sind, hat die Wogen hochgehen lassen. Bereits am gestrigen Montagabend fand nochmals eine Versammlung von Möhnen statt. Auch hier war wieder eine gehörige Portion Wut, Unverständnis und Enttäuschung zu spüren. So erwägen Möhnen und Karnevalisten sogar den Boykott des Rathaussturms. Diese Drohung hat das Stadtprinzenpaar Rolf und Nicole van Overbrüggen tief getroffen. "Wir fanden es sehr unpassend, diesen Konflikt auf offener Bühne in unserem Beisein auszutragen", sagte er gestern. "Wir fühlten uns plötzlich regelrecht alleingelassen." Timmermanns habe sich zwar am Rande der Lobbericher Kindersitzung am Sonntag bei ihm entschuldigt, aber "das Gesagte steht weiterhin im Raum". Der KKL-Sitzungspräsident hatte angekündigt, weder das Komitee noch die Lobbericher "Fidele Heide" kämen zum Rathaussturm, falls Wagner am Konzept festhalte. Prompt brach darüber im Saal tosender Applaus aus.

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"Natürlich wäre es um die Tradition schade, wenn der Sturm ganz ausfiele. Aber ich verstehe den Bürgermeister so, dass er den Rahmen ändern möchte. Mir ist jedenfalls bewusst, dass wir nur im Rathaus zu Gast sind und der Bürgermeister uns empfängt. Sollten Gesellschaften wegbleiben und die Möhnen am Rathaus vorbeiziehen, können Nicole und ich unsere Sachen packen. Dann ist für uns der Tag gelaufen", stellte von Overbrüggen fest. Enttäuscht sei er darüber, zu keiner Arbeitsgruppensitzung eingeladen gewesen zu sein. Außerdem habe er eine Einladung der Möhnen zu Stiels-Boos vor dem Sturm auf das Rathaus angenommen und einen auswärtigen Termin dafür abgesagt, "weil ich Prinz in Nettetal bin".

Die Möhnen wollen sich den traditionellen Rathaussturm im gewohnten Rahmen nach eigenen Angaben keinesfalls wegnehmen lassen. "Wir werden kämpfen", verkündete Andrea Hüpen.

(ivb)
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