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Nettetal: Dem Himmel ein Stück näher kommen

Nettetal : Dem Himmel ein Stück näher kommen

Den Sinn des Fastenmonats Ramadan erläutern Mitglieder der muslimischen Gemeinde Lobberich. Hunger zu spüren, schaffe beispielsweise Solidarität mit den Armen. Für Schwangere oder Kranke gilt das Fastengebot eingeschränkt.

Mit Eisbecher oder Grillparty haben die muslimischen Mitbürger ab heute nichts am Hut. "Am 9. Juli beginnt der Fastenmonat Ramadan", erklärt der Theologe Abdulcelil Gurbuz als Grund. Er ist der Imam, der Vorsteher der muslimischen Gemeinde Lobberich, und erklärt in der Moschee an der Burgstraße mit zwei jüngeren Gemeindemitgliedern, was es mit dem Ramadan auf sich hat.

 Osman Cobar (von links), der Imam Abdulcelil Gurbuz und Semih Aydin erklären den Sinn des Fastenmonats Ramadan.
Osman Cobar (von links), der Imam Abdulcelil Gurbuz und Semih Aydin erklären den Sinn des Fastenmonats Ramadan. Foto: Joachim Burghardt

Für Muslime gehört das Fasten zu den religiösen Pflichten. "Der Ramadan fußt auf dem Koran, in dem das Fasten festgelegt ist", sagt Gurbuz. Ähnlich wie in der Fastenzeit der Christen gehe es um Verzicht. Er solle helfen, sich auf das Wesentliche im Leben der Gläubigen zu besinnen. "Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang essen und trinken wir nichts", schildert der Imam. Er lächelt dabei: "Das ist eine schöne Pflicht." Denn der Verzicht auf irdische Genüsse könne eine spirituelle Erfahrung bewirken: "Fasten bringt uns dem Himmel ein Stück näher, schafft eine Verbundenheit mit Allah, mit Gott."

Für Schwangere oder Kranke gilt das Fastengebot eingeschränkt, ebenso für Berufstätige, die fit sein müssen. "Ein Fernfahrer zum Beispiel sollte dann, wie auch ein Kranker, das Fasten bei anderer Gelegenheit nachholen", stellt Osman Cobar klar. Der 18-Jährige hat bereits Erfahrungen mit dem Fasten. "Ich habe schon als Kind im Ramadan zeitweise nichts gegessen", erinnert sich Osman. Der 17-jährige Semih Aydin ergänzt: "Kinder machen natürlich nicht das volle Fastenprogamm, je nach Alter wird etwa bis zum Mittag nichts gegessen." So bekämen auch Jüngere schon früh das Gespür für religiöse Pflichten, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Dieses Gespür, wie die Religion das Leben prägt, schaffe besonders im Ramadan eine Verbundenheit in der Gemeinde.

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Laut Gurbuz ist die Moschee in diesem Monat zu den Gebetszeiten noch mehr besucht als sonst: "Die Gemeinschaft gibt dem Einzelnen Kraft." Auf Essen und Trinken zu verzichten, scheint nämlich für viele eine der leichteren Übungen. Gurbuz: "Es gehört ja noch anderes dazu, Paare etwa sollen zwar weiter liebevoll miteinander umgehen, aber sich der ehelichen Pflichten enthalten." Ob Enthaltsamkeit oder Verzicht — für Osman Cobar hat das Fasten besondere Bedeutung: "Hunger zu spüren, schafft Solidarität mit den Armen, man wird dankbar, weil es uns gut geht." Diese Dankbarkeit bleibe auch nach dem Ramadan: "Am 29. Juli feiern wir in der Moschee mit Hunderten Gemeindemitgliedern das Fastenbrechen", kündigt Imam Gurbuz an. Und ab dann sind auch für die muslimischen Bürger Eisbecher oder Grillparty nicht mehr tabu.

(jobu)