Das „Rheinische Varieté“ füllte drei Mal die Wener-Jaeger-Halle in Nettetal.

Rheinisches Variete : Pendeln zwischen Lachen und Spannung

Das „Rheinische Varieté“ füllte drei Mal die Wener-Jaeger-Halle. 1500 Menschen ließen sich verzaubern, begeistern und von den Sitzen holen. Organisator Michael Backes plant für 2020 einen Zauberabend, für 2021 das nächste Variete.

Zwei Rattenschwänze, ein pinkfarbenes Kittelkleid, Putzstock und ausdrucksstarke Mimik: So fegte die Putzfrau „Frau Schmidt“ über die Bühne der Werner-Jaeger-Halle. Bei den drei Vorstellungen des „Rheinischen Varietés“ brachte sie 1500 Menschen zum Lachen.

Und nicht nur das: Als Einrad-Akrobatin und Partnerin von Tony Farello ließ sie die Zuschauer den Atem anhalten. Mal vollführte das Paar auf seinen Einrädern Seilsprünge, mal sprang Farello über eine Treppe, dann auf ein Trampolin. Der schwindelerregende Höhepunkt: als Farello radelte und seine Partnerin auf Schultern oder Kopf balancierte. Lang anhaltender Beifall für diese perfekte Symbiose aus Komik und Körperbeherrschung.

Das Duo Farello, das seit mehr als 27 Jahren auftritt – zuletzt im Berliner Wintergarten – wurde ideal ergänzt von Blockflötenmann „Fluteman“) Garbor Vosteen, Kugel- und Ringjongleur Paul Klein sowie den tanzenden Rheinmatrosen der Großen Mülheimer Karnevalsgesellschaft, die die Zuschauer von den Stühlen holten und die den Zauberer Schmitz Backes (alias Michael Backes) fliegen ließen.

„Das Besondere an diesen Abenden ist das Publikum“, sagt Varieté-Organisator Michael Backes. Sein Konzept, alle zwei Jahre unterschiedliche Künstler für Auftritte auf einer Nettetaler Bühne zu vereinen, funktioniert. Gab es 2017 zwei von der Volksbank Krefeld unterstützte Vorstellungen, waren es jetzt bereits drei – und für 2021 peilt Backes die vierte Vorstellung an: „Wir hätten schon in diesem Jahr eine weitere Vorstellung verkaufen können.“

Mal witzig, mal musikalisch: „Fluteman“ Gabor Vosteen. Foto: Knappe, Joerg (jkn)

Dass bei dreien Schluss war, liegt am Auftrittsort. Die sanierungsbedürftige Werner-Jaeger-Halle steht kurz vor der Schließung. Ein Running Gag war die Dauer dieses Umbaus: Schmitz Backes nannte zunächst 1,5 Jahre und steigerte sich bis hin zu 20 Jahren – Vorbild Berliner Flughafen.

Auch wenn ein vierter Termin in der Jaeger-Halle zeitlich nicht gepasst hat, ist Backes aber für die Zukunft optimistisch: „Ich habe von so vielen Zuschauern gehört, dass es ihnen gut gefallen hat und dass sie wiederkommen wollen. Das wird für vier Abende reichen.“ 2021 wird voraussichtlich die Sanierung der Werner-Jaeger-Halle noch nicht beendet sein. Dann könnte stattdessen der Seerosensaal in Lobberich Spielort sein. „Auch dort haben 500 Menschen Platz“, sagt Backes..

Auch „Herr Niels“ präsentierte sich als Ausnahme-Erscheinung. Seine Körperpantomine war eine stellenweise überaus schräge Nummer, sein Humor war pointiert und mitreißend. Keine Überraschung, dass er bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, etwa mit dem Schwerter Kleinkunstpreis 2015/2016. Bereits zwei Mal, so verriet Michael Backes den Zuschauern, habe er ihn für das Rheinische Varieté in Nettetal verpflichten wollen. Erst im dritten Anlauf sei dies gelungen – eine gute Entscheidung.

Michael Backes, selbst mit Pullunder, Brille, Schiebermütze und Koffer als Zauberer Schmitz Backes auf vielen Bühnen unterwegs, nutzte die heimische Bühne zum einen, um für den Benefizcharakter der Veranstaltungen zu werben. Der Erlös aus dem Getränkeverkauf geht an die Fördervereine der Gemeinschaftsgrundschule Lobberich und der Kindertagesstätte Löwenzahn. Zum anderen machte er auf sein erstes Büchlein „Wie Schmitz Backes zaubern lernte“ aufmerksam. Auch der Verkaufserlös daraus soll in einen guten Zweck münden, so wird die Arbeit des Vereins Somedi unterstützt.

Ein zauberhaftes Heimspiel gaben die drei Backes-Töchter Mira (6), Flora (7) und Greta (9). Mira traute sich als „vermutlich jüngste Zauberin der Welt“ auf die Bühne. „Flora Fröhlich“ spielte mit Assistenz melodiös auf Kuhglocken und Greta gefiel als „Mini-Schmitz-Backes“. Vor zwei Jahren hatten die beiden älteren Töchter bereits einmal einen gemeinsamen Auftritt: „Nun wollte jede ihre eigene Nummer“, erzählt Michael Backes. Dafür übten sie eifrig mit ihrem Vater – und wurden mit Beifall belohnt.

Überhaupt sind die Varieté-Veranstaltungen gelebtes Teamwork. Freunde von Michael Backes aus „Medi KV“-Zeiten sind ebenso dabei wie seine Eltern, seine Frau oder sein Bruder.

Michael Backes will weiterhin dafür sorgen, renommierte Komiker, Akrobaten oder Zauberer nach Nettetal zu holen. Für Sonntag, 29. September, und Montag, 30. September 2019, ist die zweite Auflage des Zauberabends geplant. Dann soll Marc Weide, der amtierende Weltmeister der Magie, in die Seenstadt kommen.

Mehr von RP ONLINE