Nettetal: Das Prinzip Verbundschule

Nettetal : Das Prinzip Verbundschule

In der Diskussion um die Entwicklung der Nettetaler Schullandschaft fiel auch das Stichwort Verbundschule. Was es damit auf sich hat erklärt Hubertus Drude, Schulleiter der ersten Verbundschule überhaupt.

Als die Nettetaler Politik über den Schulentwicklungsplan diskutierte, plädierten Bürgermeister Christian Wagner (CDU) und Johannes Peters (FDP) für eine Fortführung des dreigliedrigen Schulsystems, eventuell auch "in Form einer Verbundschule". Was das ist, erklärt Schulleiter Hubertus Drude im Gespräch mit Wiljo Krechting. Drude ist Schulleiter der Verbundschule im westfälischen Schöppingen, die vor einem Jahr als erste ihrer Art für Schlagzeilen sorgte.

Herr Drude, wie ist Ihre Bilanz nach zwölf Monaten Verbundschule?

Drude Ich habe es keinen Tag bereut, das "Projekt Verbundschule" mit vielen anderen aus den Gemeinden Horstmar und Schöppingen gestartet zu haben.

Was ist überhaupt eine Verbundschule?

Drude Das ist zunächst ein Zusammenschluss von zwei Schulformen unter einem Dach. Die Hauptschule in Schöppingen hat sich vor einem Jahr mit der Hauptschule im benachbarten Horstmar und dem Gymnasium in nahe gelegenen Steinfurt zusammengeschlossen. Hauptschul-, Realschul-, und Gymnasialzweig existieren in dem Schulverbund nun nebeneinander, wobei im Schulstandort Schöppingen der Haupt- und Realschulzweig untergebracht ist und in Horstmar der gymnasiale Zweig.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Drude Ab der fünften Klasse werden die Kinder ihrer Empfehlung entsprechend in ihrem Schulzweig unterrichtet. Dabei muss jedoch erwähnt werden, dass es niemals eine ganz strikte Trennung gibt. In Projektform werden bereits zu Beginn die Schüler schulformübergreifend in zwei Unterrichtsstunden unterrichtet. Themen dieser "Verbundsstunden" sind aus dem Bereich Kunst und Geschichte zuzuordnen.

Was bedeutet das?

Drude Das heißt, dass Schüler eines Zweiges auch schon mal in den anderen Zweig "hineinschnuppern" und sich ein Bild vom gemeinsamen Lernen machen können.

Wo sind Ihrer Meinung nach die Vorteile eines solchen Systems?

Drude Der größte Vorteil dieses Systems liegt darin, dass wir Schüler besser beobachten, einschätzen und individuell fördern können. Allein im ersten Jahr sind circa zehn Prozent der Schüler vom Haupt- in den Realschulzweig, bzw. vom Realschulzweig auf das Gymnasium gewechselt, weil sie dort besser gefördert werden können. Ein Wechsel ist also ohne Probleme möglich. Man kann in der fünften Klasse einen Schüler oft noch nicht sicher einer bestimmten Schulform zuordnen. Dazu bedarf es häufig weiterer Beobachtung, die wir hier leisten können. Außerdem führen wir im nächsten Schuljahr eine zweite Fremdsprache ein, die dann auch sprachbegabte Schüler des Hauptschulzweiges lernen können.

Wie war die Situation an den beteiligten Schulen, als man sich für die Verbundschule entschied?

Drude Die beiden Hauptschulen in Schöppingen und Horstmar hatten extrem wenig Anmeldungen. In Schöppingen waren es zum Schluss gerade noch 18 insgesamt. Ohne die Verbundschul-Lösung würde es heute in Schöppingen keine weiterführende Schule mehr geben.

Trotzdem gab es damals einigen Widerstand in Politik und Bevölkerung.

Drude Ja, es hat damals viel Verunsicherung in der Bevölkerung gegeben. Niemand wusste zunächst, was Schüler und Eltern erwarten würde. Ich habe es während des ersten Jahres vermieden, zu viele Informationen nach außen zu streuen, und das war gut so.

Was sagen die Kritiker von damals heute?

Drude Heute sind alle mit der Lösung bestens zufrieden. Es war richtig und wichtig, dass die Diskussion um die Verbundschule entideologisiert wurde, denn eine Schule ist kein Spielball von Parteipolitik, sondern soll den Schülern zugute kommen. Gerade die guten lokalen Ressourcen vor Ort können enorm Einfluss auf eine Schulentwicklung nehmen.

(RP)