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Das Modegeschäft Anstötz in Kaldenkirchen schließt am 31. August

Traditionsgeschäft : Mode Anstötz schließt nach 119 Jahren

Vier Generationen haben das 1899 gegründete Unternehmen in Kaldenkirchen im Laufe der Jahre fortgeführt. Am 31. August ist Schluss. Die Inhaberin geht mit 67 Jahren in den Ruhestand. Der Laden wird aber nicht leer stehen

Nur noch wenige Wochen, dann schließt das Modegeschäft Anstötz in Kaldenkirchen. Mit der Geschäftsaufgabe zum 31. August endet eine lange Tradition.

Im Jahr 1984 übernahm die heutige Inhaberin, Marie-Luise Inderbiethen (67), die Räumlichkeiten zwischen Klostergasse und Bahnhofstraße. Damals war das Ladenlokal bereits seit 85 Jahren im Familienbesitz. Sie führte es in vierter Generation fort. 1899 hatte Rudolf Anstötz ein Farbengeschäft in der Kehrstraße gegründet und es 1905 in das damals neu gebaute Wohn- und Geschäftshaus am Kirchplatz verlagert. Zunächst erweiterte die Familie um eine Drogerie, einige Jahre später um eine Weingroßhandlung mit eigener Abfüllanlage.

Anstötz’ Tochter Maria und ihr Mann übernahmen die Firma 1928 und führten sie bis zur Währungsreform. In dritter Generation führten sie deren Tochter und der Schwiegersohn im Jahr 1948. Mit der Übernahme von Marie-Luise Inderbiethen wurde aus dem Unternehmen „Kosmetik Anstötz“. „Ich hatte zwei Kinder. Die Vorstellung, eine Drogerie zu übernehmen, sagte mir nicht zu“, erklärt Inderbiethen. „Zu dieser Zeit kam zweimal pro Woche neue Ware. Es gab sehr viele arbeitsaufwändige Produkte, so wurde beispielsweise noch Benzin abgefüllt.“ Was als Parfümerie mit angeschlossenem Kosmetikstudio mit zwei Behandlungskabinen begann, wurde dann nach und nach zum Modegeschäft. „Meine Schwester hat während der Semesterferien auf den Modemessen in Düsseldorf gearbeitet“, sagt Inderbiethen. Jede Woche habe sie ein neues Outfit in ihrem Schaufenster platziert – das schnell das Interesse der Kosmetikkundinnen erregte. „Am Ende der Woche war es verkauft, dann habe ich ein neues in das Fenster gehängt. Irgendwann bin ich dann nicht mehr mit den Größen klar gekommen, habe das Angebot immer mehr erweitert.“

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So wurde der Anteil der Parfümerie zunehmend kleiner, bis die beiden Geschäftsteile getauscht wurden und schließlich 2004 ein großes Modegeschäft entstand. Die angebotene Ware kommt an, berichtet die Inhaberin. Durch die Nähe zu den Niederlanden kämen auch viele Kunden von jenseits der Grenze. „Ich habe immer versucht, mich etwas abzusetzen und andere Sachen anzubieten“, beschreibt Inderbiethen ihre Sortiment-Zusammenstellung.

Ihr Geschäft stehe für pure und klare Schnitte, eher gedeckte Farben. Dazu seien immer wieder neue Firmen gekommen, beispielsweise aus Italien. „Ich habe etwas im Urlaub gesehen und versucht, diese Sachen zu bestellen und in mein Geschäft aufzunehmen.“ Dies habe ihr viele Stammkunden eingebracht: „Manche kommen seit 30 Jahren“, erzählt Inderbiethen. Natürlich hätten manche Dinge nicht auf Anhieb funktioniert: „Für manche Artikel war ich vielleicht zu früh, etwa bei der Auswahl enger Hosen. Damals haben noch viele eher weite getragen, aber ich wollte halt einfach etwas anderes zeigen.“

Doch es war nicht nur die Mode, die die Kunden lockte. Inderbiethen: „Wie das so ist bei inhabergeführten Geschäften: Die Kunden kommen gerne mal rein, trinken einen Kaffee, erzählen etwas.“ Manche blieben auch schon mal zwei Stunden im Laden. Dadurch, dass sie ihre Kunden kenne, überlege sie häufig schon beim Bestellen der Ware „Dieses Teil könnte für diese Kundin etwas sein, das für jene.“

Die Entscheidung, den Laden zu schließen, traf Inderbiethen vor anderthalb Jahren. „Ich konnte mich langsam daran gewöhnen, und jetzt ist es gut so“, sagt sie. Denn zukünftig möchten ihr Mann und sie mehr Zeit mit den drei Enkeln verbringen und auch reisen.

Am 20. September wird das Geschäft neu eröffnet, mit den heutigen Mitarbeiterinnen. Nachfolgerin von Inderbiethen wird Regina Block, die bereits  Bekleidungsgeschäfte in Mönchengladbach, Kaarst und Korschenbroich betreibt.