Nettetal: "Das Minarett ist nur ein Symbol"

Nettetal : "Das Minarett ist nur ein Symbol"

Die Stadt Nettetal tut sich schwer damit, dass die Moscheegemeinde in Lobberich ein Minarett errichten will. Es wird den Dachfirst des Gebetshauses kaum überragen und fast unsichtbar bleiben. Der Gemeindevorstand ist verunsichert.

Tahir Yavuz hat lange überlegt und auch gezögert, ob er über die Pläne der Moscheegemeinde in Lobberich offen sprechen soll. Ende vergangenen Jahres hatte die Gemeinde bei der Stadt Nettetal angefragt, ob sie ein Minarett an ihrem Gebetshaus in der Burgstraße bauen dürfe. "Es hat, als das dann öffentlich wurde, nicht nur freundliche Reaktionen gegeben", sagt Yavuz. Davon, dass die Gemeinde unbedingt ein Minarett errichten wolle, könne keine Rede sein.

1995 erwarb die islamische Moscheegemeinde das einstige Progymnasium an der Burgstraße. Ein paar Jahre später folgte der Kauf des anderen Gebäudeteils mit Freifläche. Hier kommen Muslime fünfmal täglich zum Gebet zusammen. "Die Zahl der Besucher ist sehr unterschiedlich. Mal sind es nicht einmal ein Dutzend, freitags aber sind es manchmal mehr als zweihundert", berichtet Yavuz. Später sei der Wunsch entstanden, das Gebetshaus — streng genommen, handelt es sich nicht um eine Moschee — um ein Minarett zu ergänzen.

Yavuz ist Vorsitzender des Integrationsrates in Nettetal. Er hat dort gelernt, behutsam auf andere Bürger zuzugehen. Er will erklären, Fragen beantworten und um Verständnis werben. Dass die Stadt ihm geraten hat, in der Öffentlichkeit, vielleicht an Ständen in der Fußgängerzone über das geplante Minarett zu werben, kann er nicht einordnen: "Ich weiß nicht, ob das richtig ist."

Um was geht es bei den Plänen? Im Winkel der beiden Gebäude auf dem Gelände will die Gemeinde einen schlanken Turm errichten, der knapp einen Meter über Firsthöhe des Haupthauses hinausreichen soll. Er wird kaum sichtbar sein und keinen Menschen tragen können, der von oben womöglich zum Gebet ruft. Es sei auch nicht geplant, irgendwo Lautsprecher anzubringen, über die Gebetsrufe übertragen werden. "Wollten wir das, bräuchten wir keinen Turm. Lautsprecher kann man auch so anbringen", sagt Yavuz.

Der Turm vervollständige das Gebetshaus nur. Er sei ein Symbol. Minarette haben die Muslime einst gebaut, um die Gläubigen zum Gebet rufen zu können. "Das ist vergleichbar mit Kirchen, deren Glocken zum Gebet rufen und die darüber hinaus zu bestimmten Anlässen geläutet werden. Muslime haben, als es die Technik zuließ, die Kletterei auf die Minarette eingestellt und oben Lautsprecher angebracht, um ihre Gebetsbotschaft zu vermitteln", erläutert Yavuz. Schmunzelnd weist er darauf hin, dass die täglich fünfmaligen Gebetsrufe längst auch per App übermittelt werden.

Die Gemeinde hoffe, dass die Stadt nach eingehender Prüfung den Bau des Minaretts genehmigt und dazu ein Vertragswerk vorlegt. "Wir werden nach rechtlicher Prüfung unterschreiben, ihr müsst die Bedingungen schaffen", hat der Gemeindevorstand der Stadt mitgeteilt. Ein bisschen fühlt die Gemeinde Zeitdruck, auch wenn sie den am 9. Juli beginnenden Fastenmonat abwarten wird. "Wir nehmen keine Kredite auf, das Minarett will uns jemand spenden. Der Mann ist sehr betagt, auch darum möchten wir nicht allzu lange mehr auf eine Entscheidung warten", sagt Yavuz.

Er versteht, dass die Stadt die Gemeinde aufgefordert hat, sich in der Nachbarschaft der Burg- und Hoverkampstraße zu erkundigen. Der Gemeinde werde immer wieder geraten, "den Dialog" zu suchen. "Wir öffnen uns, wir laden ein. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie über Pflichtbesuche hinaus zu uns kommen", sagt Yavuz bedauernd. Gegeneinladungen seien selten.

(RP/rl)