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Nettetal: Das Blutströpfchen mag Bier und Zucker

Nettetal : Das Blutströpfchen mag Bier und Zucker

Die meisten der heimischen Schmetterlinge gehören zu den Nachtfaltern. Anders als ihr Name besagt, sind viele tagaktiv. Auf dem Naturschutzhof können Besucher am Freitag erleben, wie Nachtfalter mit Licht angelockt werden.

Ein Kolibri ist nichts dagegen: Mit den Flügeln wild flatternd, "steht" das Taubenschwänzchen in der Luft. Es saugt mit dem Rüssel Nektar aus einer Blüte. Als Markus Heines auf dem Naturschutzhof einen solchen Falter entdeckt, schmunzelt er: "Manche Leute halten das Taubenschwänzchen echt für einen Kolibri, dabei gehört dieser seltene Schmetterling zu den Nachtfaltern." Vor allem Nachtfalter findet der Mitarbeiter der Biologischen Station Krickenbeck Seen bei seinen Schmetterlingsbeobachtungen - und zwar auch tagsüber.

Ein Nachtfalter ist für viele der Inbegriff des unheimlichen Flatterwesens: Hysterische Schreie sind die harmlosesten Merkmale einer krankhaften, aber heilbaren Mottenphobie, der Angst vor Faltern. "Motten" nämlich nennt der Volksmund alle Schmetterlinge, die sich nach Einbruch der Dunkelheit vom Licht anlocken lassen. "Aber die meisten Schmetterlingsarten bei uns zählen zu den Nachtfaltern", klärt Heines auf. Wobei sich diese Insekten nicht darum scheren, wie wir Menschen sie benennen - sind häufig auch tagsüber unterwegs.

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"Hausmütterchen und Gammaeule, Rotes Ordensband und Bluts-tröpfchen gehören zu den bekanntesten Nachtfaltern, die wir in Nettetal und Umgebung beobachten können", zählt Schmetterlingsexperte Armin Hemmersbach auf. Sie sind alle völlig harmlos, haben meist große, markant geformte und gemusterte Flügel. Und sie werden immer seltener: "Wir registrieren leider am Niederrhein den Rückgang an Insekten", beklagt Hemmersbach, der dem Vorstand des Entomologischen Vereins Krefeld angehört; Entomologie ist die Insektenkunde.

Begegnungen mit typischen Nachtfaltern laufen meist so ab: Ein dicker Brummer umkreist die Wohnzimmerlampe, prallt immer wieder dagegen und davon ab, fällt geschwächt herunter, rappelt sich auf und steuert erneut die Lampe an. "Licht lockt Falter an, das machen wir uns bei unseren Beobachtungen zunutze", erläutert Hemmersbach. Eine helle Leinwand oder ein weißes Tuch, dahinter eine Lichtquelle, davor faules Obst oder Bier mit Zucker - fertig ist die Falterfalle. "So werden wir bei unserer Abendaktion am 14. August auf dem Naturschutzhof in Lobberich-Sassenfeld Nachtfalter anlocken, die die Besucher dann gut beobachten können", verkündet Heines. Das Tuch verhindert, dass die Nachtfalter sich an der Lampe verletzen, und dem Lockduft können sie nicht widerstehen: Die Tiere ernähren sich von Nektar und Saft.

Anders der Nachwuchs der Nachtfalter: Ihre Raupen machen sich über Grünzeug her. "Bekanntestes Beispiel sind die Raupen des Prozessionsspinners, die sich von Eichenblättern ernähren", sagt Hemmersdorf. Sie treten periodisch häufig auf, werden meist vernichtet, weil ihre Brennhaare Allergien auslösen können. Nahezu jede andere heimische Nachtfalter-Art ist für Menschen ungefährlich, auch das Blutströpfchen: Dass es giftig ist, schützt es vor Fressfeinden - und Menschen essen wohl kaum Falter, die eher auf dem Speiseplan von Vögeln und Fledermäusen stehen.

Andererseits gilt es, manchen Nachtfaltern noch Geheimnisse zu entlocken. Zum Beispiel, wann sich Nachtpfauenaugen paaren - Hemmersbach: "Bei dieser Art ist das Männchen tagaktiv und das Weibchen nachtaktiv."

(jobu)