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Nettetal: Das Blonde aus Kaldenkirchen

Nettetal : Das Blonde aus Kaldenkirchen

Marcel Fritz und André Dückers haben sich einen Traum erfüllt: Sie brauen ihr eigenes Bier und beliefern damit Kneipen und Feste.

Pfloppp — zisch, gluck, und das Bier läuft ins Glas. Saftig klingt es, wenn Marcel Fritz mit Schmackes den Kronkorken von der Flasche holt und einschenkt. Eine schöne Schaumkrone hat sich gebildet. Fritz hält das Glas hoch, schaut hindurch, gute Farbe, schön blond, dann trinkt er daran, und man meint, es müsste ordentlich perlen in der Kehle. Er ist zufrieden, gute Abfüllung. Marcel Fritz hat sich den Traum vieler Männer erfüllt: Er hat sein eigenes Bier. Seenstädter Blondes. Ein Export-Bier. Der Partykeller unter seinem Wohnhaus in Kaldenkirchen ist der Hobbyraum. Und zugleich auch Firmensitz. Denn Fritz (35) braut nicht nur für den Privatbedarf, er hat gemeinsam mit André Dückers Anfang 2010 die Nettetaler Bierkontor UG & Co. KG gegründet. Ein Krankenpfleger und ein Lehrer als Hobby-Unternehmer im Brauereigeschäft.

Die beiden beliefern Kneipen, Feste, Karnevalssausen, Hochzeiten und andere Privatfeiern mit ihrem Bier, das mittlerweile nach ihren Vorgaben in einer Lohnbrauerei in Rheinland-Pfalz in Handarbeit gebraut wird. Der Umsatz deckt gerade die Kosten. Anfangs mussten die Jung-Unternehmer erstmal Geld investieren in Bierdeckel, Gläser, Fässer und Werbemittel. "Wenn irgendwann mal ein Urlaub dabei herauskommt — schön", sagt Marcel Fritz. Aber darum geht es ihm gar nicht. Es geht um das Bier an sich. "Ich trinke sehr gerne Bier, aber fast alle schmecken gleich", sagt er. Und das wollte er ändern.

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Ende der 90er Jahre lud ihn ein Freund, dessen Großvater noch in der Viersener Lohbuschbrauerei gearbeitet hatte, erstmals zum Bierbrauen ein. Für Marcel Fritz war Bier fortan mehr als nur ein Getränk, eher eine Aufgabe. Er begann, die Kunst des Bierbrauens zu erforschen. Er las viel im Internet, besorgte sich Bücher und Fachliteratur über Bier, Hopfen, Malz und Hefe. 1999 probierte er es zum ersten Mal selbst aus, sorgfältig protokolliert. Seitdem braute er mehrmals im Jahr selbst, probierte alles aus. Manche Versuche glückten, viele gingen schief. Mal war das Bier zu sauer, mal süßlich geraten, mal waren die Flaschen bei der Gärung geplatzt, so dass der Keller unter Bier stand. "Aber je öfter ich das gemacht habe, desto mehr Spaß hatte ich daran", sagt Fritz. Mit den Jahren wurden seine Versuche immer besser. Er braute für Freunde und Bekannte, verschenkte sein Bier, eine Rarität, denn wer braut, steht den ganzen Tag am Maischbottich, darf keine Rast im Brauvorgang verpassen, das hat er gelernt.

2009 war das Bier, das Fritz gemeinsam mit André Dückers braute, mittlerweile so gut geworden — das musste raus aus dem Hobbykeller, hinein in die Schankwirtschaften. Seitdem wird das "Seenstädter Blonde", ein voluminöses, süßliches Bier, in drei Kneipen ausgeschenkt und in noch mehr Gaststätten und Geschäften als Flaschenabfüllung verkauft. Dieses Jahr zogen die beiden mit dem Blonden im Kaldenkirchener Karnevalszug mit. Anfang September kam noch ein herberes, weniger süßes Pilsener hinzu, um Partys beliefern zu können. Nun probiert es Marcel Fritz gerade mit einem dunkleren Bier, das mit Röstmalz gebraut wird. Er experimentiert im Partykeller, im Hobbyraum. am Firmensitz.

(RP)