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Nettetal: Curanum mehr für die Menschen öffnen

Nettetal : Curanum mehr für die Menschen öffnen

Christian Cohausz leitet seit vier Monaten die drei Seniorenpflegehäuser in Nettetal. Er will die Bewohner wieder stärker an das "normale" Leben in der Stadt heranführen. Dazu braucht er aber die Bürger in der Stadt Nettetal.

Drei Seniorenhäuser unterhält die Curanum-Gruppe in Nettetal. Seit knapp vier Monaten leitet der 44-jährige Christian Cohausz die Niederlassungen in Lobberich, Breyell und Kaldenkirchen. Sein Ziel sei es, sowohl nach innen als auch nach außen zu wirken. Cohausz will die Qualitätssicherung sichtbar machen und sucht zugleich Partner in der Stadt für eine punktuelle Zusammenarbeit.

"Ich möchte mit den Häusern schon im Vorfeld konkrete Themen besetzen", erklärt Cohausz. Als Beispiel nennt er den Tag der Hygiene am 5. Juni. Den Schwerpunkt will Curanum auf die Hand-Hygiene nicht nur von Mitarbeitern und Hausbewohnern, sondern auch von Besuchern setzen. Damit reiht er sich ein in Bemühungen des städtischen Krankenhauses, das seit Jahren diesem Thema breiten Raum gewährt. Daher setzt Cohausz auch auf eine unmittelbare Kooperation mit dem Krankenhaus. Gleichzeitig wird intern die Fähigkeit und der nachhaltige Umgang der etwa 250 Mitarbeiter mit dem Thema gefördert. Wissenschaftliche Begleitung und eine Form von besonderen Zertifizierungen gehören dazu.

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Christian Cohausz will aber auch den Status manches Bewohners in den Häusern innerhalb der Nettetaler Gesellschaft fördern. "Fast jeder, der bei uns wohnt und/oder gepflegt wird, war einmal Mitglied in einem Verein oder einer vergleichbaren Gemeinschaft. Wir wollen nicht, dass soziale Kontakte eingeschränkt werden oder gar verloren gehen, wenn ein älterer Mensch bei uns einzieht", unterstreicht er. Die weitere Teilhabe am normalen Leben sei ihm sehr wichtig. Dafür benötigten die Curanum-Häuser und ihre Bewohner dringend mehr Partner. Für Cohausz ist dies ein Teil des ehrgeizigen Inklusionsgedankens, dem sich das Land gegenüber der UN-Charta verpflichtet hat.

"Wir hoffen einfach darauf, dass die Bewohner hier mehr Begleitung erfahren", sagt er in dem Wissen, dass die rund um die Uhr tätigen Mitarbeiter damit hoffnungslos überfordert wären. Er sei froh über Besuchsdienste, meist organisiert in den Pfarr- und Kirchengemeinden. Außerdem gebe es sehr gute Kontakte in Schulen. Aber der Generationensprung ist sehr groß. Hier Kinder und Heranwachsende – dort alte, oft gebrechliche und vielfach sehr pflegebedürftige Menschen. "Wir müssen die Pflege in erster Linie sicherstellen, aber es gibt viele Themen, die nicht pflegelastig sind."

Cohausz möchte einzelne Bürger und organisierte Bevölkerungsgruppen ermutigen, sich mehr der Wirklichkeit des Alters in ihrer unmittelbaren Umgebung zu stellen. Das Prinzip "ambulant vor stationär" trage er ausdrücklich mit. Aber er gebe zu bedenken, dass damit oft auch eine Vereinsamung eintrete. "Wie viele alte Menschen leben alleine in einer Wohnung. Ihre sozialen Kontakte erschöpfen sich darin, dass ein Pflegedienst zweimal täglich kommt und mittags vielleicht das Essen gebracht wird. Andererseits hätten Pflegeeinrichtungen mittlerweile das selbstverständliche Ambiente eines Hotels, die bewohhner brächten ihre eigenen Möbel mit und hätten davon in der Pflege gar nichts. Auch hier drohe Vereinsamung auf einem Zimmer in gewisser Isolation. Chohausz hält Einzelzimmer dann für nicht mehr unbedingt für gerechtfertigt. Lägen zwei oder drei pflegebedürftige Menschen in einem Zimmer, ohne dass ihre Intimsphäre verletzt werde, sei das möglicherweise die bessere Daseinsform.

FRAGE DES TAGES

(RP)