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Nettetal: Comeniusschule steht vor ungewisser Zukunft

Nettetal : Comeniusschule steht vor ungewisser Zukunft

Die Förderschule Lernen verliert im Zuge der Inklusion ihren Stellenwert. Lehrer und Schüler könnten an Regelschulen wechseln.

"Die Comeniusschule wird es so nicht mehr geben", prophezeite Konrad Wilms im Inklusionsausschuss im Rathaus. Der Leiter der Förderschule in Hinsbeck wies auf eine wenig beachtete Folge des Gemeinsamen Unterrichts (GU) von behinderten und nicht behinderten Schülern an Regelschulen hin: Förderschulen werden in der jetzigen Form wohl überflüssig. Die Kehrseite der Medaille Inklusion erklärte Wilms so: Einerseits sei es wünschenswert, dass alle Kinder, ob mit oder ohne Einschränkungen, in einer Regelschule unterrichtet werden. Andererseits verliere wohl eine Schulform ihre Daseinsberechtigung, die über viele Jahre für viele Kinder die einzige Einrichtung mit entsprechender Förderung war.

Wilms begrüßt das Prinzip Inklusion, sieht aber die Umsetzung an einigen Stellen durchaus kritisch. Denn auch wenn der Gesetzgeber in NRW die UN-Menschenrechtskonvention mit dem Gemeinsamen Unterricht zur Pflicht mache, so sei noch längst nicht eindeutig geregelt, wie in der Übergangsphase Inklusion an Schulen gelingen könne. Lange schon fordert Wilms deshalb ein Übergangsmanagement. Er legte Ende letzten Jahres im Arbeitskreis Inklusion sein Konzept "Nettetal inklusiv – Grundlagen des gemeinsamen Lernens" vor.

Dabei sind es auch eindeutige Zahlen, die sowohl die Stadt Nettetal als auch den Kreis Viersen jeweils als Schulträger zum Handeln zwingen: "27 Kinder verlassen zum Ende des Schuljahres die Comeniusschule", kündigte Wilms an. Die Förderschule schrumpft, die Schülerzahl liegt längst unter 100, es gibt kaum nennenswerte Neuanmeldungen. Wobei übrigens keine der neun Förderschulen im Kreis Viersen die erforderliche Zahl von 144 Schülern erreicht, die für ihren Bestand notwendig wären. Lehrer der Comeniusschule werden an den Nettetaler Regelschulen unterrichten: Sie bringen die sonderpädagogischen Qualifikationen mit, die im gemeinsamen Unterricht etwa für Schüler mit Förderbedarf beim Lernen nötig sind. "Springer" sollen sie laut Wilms möglichst nicht werden, vielmehr fest zum Lehrerkollegium von Regelschulen gehören. "Schrittweise könnten auch Schüler unser Klassen 5 bis 7 an Regelschulen integriert werden", hatte Wilms unlängst vorgeschlagen. So trägt seine Schule zum Gelingen der Inklusion bei – und löst sich quasi dabei auf.

Für die Eltern allerdings, die ihre Kinder unbedingt auf eine Förderschule geben wollen, werde es "weiter solche Einrichtungen geben", sagte Schuldezernent Armin Schönfelder im Unterausschuss. Im Kreis Viersen wären das im Bereich "Lernen" dann freilich nur drei statt neun; städtische Förderschulen gehen in Trägerschaft des Kreises über. Nach dem Prinzip "Die Großen schlucken die Kleinen" könnte so eine geschrumpfte Comeniusschule Dependance der Förderschule in Viersen oder Schwalmtal werden. Klar ist nur, dass die Zukunft der Comeniuschule unklar ist.

(jobu)