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Dr. Matthias Engelke: Christen haben die Liebe nicht gepachtet

Dr. Matthias Engelke : Christen haben die Liebe nicht gepachtet

Die Botschaft des Karfreitags ist die Hoffnung für die Menschen, sagt der evangelische Pfarrer in Lobberich und Hinsbeck.

Für Matthias Engelke ist die Botschaft von Karfreitag eine Botschaft der Hoffnung für die Menschen. Der evangelische Pfarrer fordert, den stillen Charakter des Feiertags zu respektieren.

Woran liegt es, dass vielen Menschen der Karfreitag als kirchlicher Feiertag nicht so wichtig ist?

ENGELKE Ich weiß nicht, ob es an den Menschen liegt, wenn der Karfreitag in ihrem Leben keine besondere Rolle spielt. Da müssen wir Christen uns und da müssen sich die Kirchen fragen lassen, wie die Botschaft dieses Feiertags, der doch für den christlichen Glauben eine entscheidende Rolle spielt, den Menschen heute nahezubringen ist.

Was ist die konkrete Botschaft dieses Feiertags?

ENGELKE Die Ermordung Jesu hätte heute keinen mehr interessiert, wenn nicht damals bei einigen die Botschaft angekommen wäre, dass mit Jesus Gott im Spiel ist. Das ist die Botschaft, wie sie Jesus gelehrt hat: Gott ist bei uns und mit uns. Vor allem in den schlimmsten Stunden. Das gibt Hoffnung.

Sie sagen Hoffnung, aber die Vorgänge an diesem Karfreitag, wie sie in der Bibel geschildert werden, wirken doch zunächst schockierend, oder?

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ENGELKE Das stimmt natürlich. Ich habe auch mal versucht, in Gesprächen oder in einer Predigt detailliert zu schildern, wie genau die Kreuzigung ablief, welche Wirkung diese Folter im Körper hat, unsägliche Schmerzen eben. Aber solch eine drastische Schilderung tut weh, das ist schlimmer als ein Horrorvideo. So erreiche ich Menschen nicht, denen ich Hoffnung machen will.

Wie erreichen Sie die Menschen, wenn's um den Karfreitag geht?

ENGELKE Indem ich die Botschaft vom Karfreitag erkläre: Wenn wir nicht weiter wissen, wenn wir Angst haben so wie Jesus damals, hilft es zu wissen, dass Gott Liebe ist, das zeigt ja die Auferstehung. Die Liebe Gottes ist unvorstellbar. Jesus nahm das Leid auf sich, um uns Menschen genau das zu zeigen: Wie schlimm auch eine Situation sein mag, Gott lässt uns nicht allein. Ohne diese Gewissheit wäre vieles im Leben nicht auszuhalten, hätte auch Jesus die Kreuzigung nicht aushalten können. So aber hat Jesus uns die Augen geöffnet, dass Gott Liebe ist.

Und wie halten Menschen schlimme Situation im Leben aus, die nicht an diese christliche Botschaft glauben?

ENGELKE Auch wenn wir Christen an die Liebe Gottes glauben, haben wir diese Liebe, die Liebe Gottes, nicht gepachtet. Wir Menschen sind für unser Handeln verantwortlich, aber wenn wir leiden, dann gibt es sicher bei jedem irgendwie dieses Gespür, da ist jemand, der uns liebt. Der Mensch ist zu Brutalität fähig, aber wenn's zum Beispiel ans Sterben geht, dann ist er hilflos. Und gerade dann ist Gott mit seiner Liebe für einen da, dann können wir auf Gott vertrauen. Das ist die Botschaft vom Karfreitag.

Was sagen Sie denen, die etwa die Aufhebung des Tanzverbotes an diesem stillen Feiertag fordern?

ENGELKE Religiöse Feiertage oder Gedenktage, die anderen Menschen wichtig sind, sollte man grundsätzlich respektieren. Das ist eine Frage der Toleranz. Bei uns ist eben der Karfreitag ein gesetzlicher Feiertag und darum mit Einschränkungen bei lauten Veranstaltungen. Wem das nicht gefällt, von dem erwarte ich trotzdem, diesen Feiertag mit traditionell ruhigem, stillem Charakter zu respektieren. Für Action bleiben ja noch 364 Tage im Jahr.

(RP)