Nettetal: Bußgeld für Pilzsammler

Nettetal: Bußgeld für Pilzsammler

Für Sammler kann es teuer werden, in niederländischen Wäldern Pilze oder Nüsse zu suchen. Das ist strikt verboten, weil die gesamte Natur unter besonderem Schutz steht. Verstöße werden mit empfindlich hohen Strafen geahndet.

Die Ausbeute weniger Stunden konnte sich sehen lassen. Mehr als 20 Kilogramm Pilze lagen in den Körben. Ein Ende der reichen Ernte auf der Venloer Heide war nicht abzusehen. Überall noch standen Pilze, als warteten sie darauf, mitgenommen zu werden. Doch das dicke Ende kam in der Gestalt eines Mannes, der sich als "Boswachter" vorstellte. Er war deutlich weniger vergnügt als die Sammler. Ohne Pilze, aber mit einer saftigen Geldstrafe, machte sich die Sammlergruppe aus Deutschland nur wenig später bedröppelt auf den Heimweg. Sie hatten nicht gewusst, dass das Sammeln von Pilzen in den Niederlanden strikt verboten ist. Und nicht nur das.

"In den vergangenen Wochen haben unsere Waldhüter leider sehr viele Bußgelder gegen Deutsche und Osteuropäer verhängen müssen", sagt Edmond Staal von Limburgs Landschap. Anders als in Deutschland, wo ein allgemeines Betretungsrecht der Landschaft gilt und Pilze, Nüsse oder Beeren gesammelt werden dürfen, ist das in den Niederlanden generell verboten. "Selbst das Pflücken einer Brombeere ist untersagt. Aber für eine Brombeere gibt es natürlich kein Verfahren", erklärt Staal.

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Seit Jahrzehnten gilt das Verbot, Wege zu verlassen und etwas aus der Natur zu ernten oder Pflanzen zu entnehmen. "Unser Land ist sehr klein und dicht besiedelt. Wir müssen so konsequent vorgehen, um Natur und Landschaft zu schützen", erklärt der Niederländer. Seine Landsleute haben sich daran so gewöhnt, dass sie Pilze kaum auseinanderhalten können und meist nicht wissen, welche essbar sind. "Sie kaufen Pilze frisch auf dem Markt oder im Geschäft. Das ist billiger als ein Bußgeld", schmunzelt Staal. Und die niederländische Landwirtschaft baut Beeren und andere Waldprodukte an. Bei ihnen sind Selbstpflücker willkommen, ein Schälchen Blaubeeren, Brombeeren oder auch Nüsse können bei Erzeugern gekauft werden. Auf lange Diskussionen mit Ausländern, die die Regelung nicht akzeptieren wollen, lassen sich die Waldhüter nicht ein. Es wäre sinnlos, sich herausreden zu wollen, unterstreicht Staal.

Es gibt aber auch Beschränkungen bei uns, die oft missachtet werden. In Naturschutzgebieten ist es untersagt, die Wege zu verlassen. Damit sind Waldfrüchte in diesen Gebieten auch tabu. "Leider halten sich immer weniger Menschen an diese Vorschriften. Hunde laufen frei herum, und es gibt zunehmend Pilzsammler, die mit gewerblichen Absichten in Wäldern sammeln", hat Ansgar Reichmann, der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen beobachtet. Anders als in den Niederlanden wird aber kaum einmal kontrolliert, was sich im Wald abspielt. Reichmann sähe gerne Ranger, weniger als Ordnungskräfte als vielmehr in beratender Funktion.

(RP/ac)
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