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Kreis Viersen: BUND wirft RWE Verharmlosung vor

Kreis Viersen : BUND wirft RWE Verharmlosung vor

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wirft der RWE Power AG vor, die Hintergründe ihrer Bohrungen im Raum Schwalmtal zu verharmlosen. So verschweige das Unternehmen (es hieß früher Rheinbraun AG) "bewusst die großräumig betriebenen Absenkungen von Grundwasser, die irreparablen Auswirkungen gerade auf die internationalen FFH-Gebiete Schwalm-Nette, auf Biotope und Waldgebiete. Durch die Sümpfungen in den Tagebauen hänge "die gesamte Schwalm-Nette-Region am Tropf von RWE".

Neue Messstelle

Das Unternehmen hat richtet an der Kasender Straße in Amern eine Messstelle für Grundwasser ein und treibt Bohrungen in große Tiefe vor. Zu Beginn des Jahres war die Region von der Nachricht aufgeschreckt worden, dass im Happelter, einem Gebiet zwischen Nettetal, Brüggen und Schwalmtal, besorgniserregende Verluste des Grundwassers im oberen Horizont festgestellt worden waren.

Der BUND bedauert zwar die Geräuschentwicklung der Bohrungen für die Umgebung. Aber "gemessen an den durch den Braunkohleabbau für die gesamte Region verursachten Jahrhundertschäden für Menschen, Tier- und Pflanzenarten, für das Grundwasser und für die schützenswerten Feuchtgebiete an Schwalm und Nette" seien das "allenfalls Peanuts".

Der Umweltverband sorgt sich auch um die Nachhaltigkeit der Sümpfungen. Dabei wird Grundwasser aus den Abbaugebieten abgepumpt und in größerer Entfernung wieder in die Erde eingebracht. Er fürchtet, dass es RWE eines Tages nicht mehr gibt und die Politik sich für das Thema nicht mehr interessiere. Die Region drohe zu versteppen, zumal erst nach dem Ende der bis 2045 geplanten Abgrabung Schäden in vollem Umfang sicht- und spürbar würden.

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Der BUND weist auch darauf hin, dass Braunkohle weltweit Klimakiller Nr. 1 sei und dass RWE Atemluft und Grundwasser irreversibel schädige. Dazu müssten etwa 45 000 Menschen ihre Heimat verlassen. "Auch unser BUND-Obst-Bongert nahe am Garzweiler-Loch wurde vor zwei Jahren enteignet und inzwischen abgegraben", erklärt BUND-Sprecher Horst Meister. Es komme einem politischen Offenbarungseid gleich, dass fast alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung im Kreis Viersen die Zerstörung einer ganzen Schwalm-Nette-Landschaft achselzuckend in Kauf nähmen.

"...dann gehen die Lichter aus"

Der BUND fordere vom RWE-Konzern "endlich transparente und den Tatsachen entsprechende Informationen". Die Politik dürfe sich nicht länger von RWE durch deren Arbeitsplatz-Keule und der "...dann gehen die Lichter aus-Polemik" einschüchtern zu lassen.

(RP)