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Nettetal: Brillantsamt für die Welt

Nettetal : Brillantsamt für die Welt

Im Textilmuseum "Die Scheune" ist bis Oktober eine Ausstellung über die Familie Niedieck und die Geschichte ihrer Firma zu sehen. Sie bietet interessante Einblicke in Aufstieg und Fall eines Weltunternehmens.

Niedieck ist für Lobberich Geschichte. Zwischen Niedieck- und Färberstraße wird kein Samt mehr produziert. In den zum Abbruch bestimmten Büro- und Fabrikationsräumen sieht es wüst aus, manchmal brennt es dort. Nur in einem Komplex an der Färberstraße ist die Girmes International GmbH noch beheimatet. Sie vertreibt unter der Marke Niedieck noch Samte und andere Gewebe, die aber bei der Schwestergesellschaft Sametex in Kralice/Graslitz (Tschechien) hergestellt werden — auf Lobbericher Maschinen.

Das war mal alles ganz anders. An die Gründerjahre des Unternehmens, vor allem an prosperierende Zeiten, in denen das Unternehmen mit seinem Brillantsamt Weltgeltung erlangte, erinnert eine kleine Ausstellung im Textilmuseum "Die Scheune" in Hinsbeck. Zusammengestellt hat sie Textilingenieur Walter Tillmann mit Heinz Lennatz (ehemals Niedieck) und Heinz-Willi Lersmacher (ehemals longlife): Hunderte von Mustern, Akten, Geräten, Stoffbahnen, Broschüren und Fotos an den Wänden und auf dem Computer.

Familiengeschichte(n)

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Da die Ausstellung auch zu der Reihe "Familiengeschicht(n)" niederrheinischer Museen gehört, erzählte Tillmann auch einiges über die Familie Niedieck, die Mitte der 1850er Jahre aus Westfalen an den Niederrhein kam. Julius und Karl Niedieck hatten 1876 das richtige Näschen, als sie den Dülkener Anton Tappesser mit der Weiterentwicklung eines Webstuhls beauftragten, aus dem dann der erste mechanische Doppelsamtwebstuhl der Welt wurde — der die Niediecks zu reichen Männern machte und Lobberich aufblühen ließ.

Während Karl die Tochter Anna Katharina Sofia des Bürgermeisters Kessels heiratete und auf Burg Ingenhoven wohnte, errichtete Julius das Haus Erlenbruch in der Südwestecke des Parks. Julius' Tochter Bertha heiratete den Krefelder Alexander von Heimendahl. Sie lebte auf Haus Bockdorf bei Kempen, während Sohn Paul als Schriftsteller und Jäger unterwegs war und lieber mit dem US-Präsidenten Roosevelt frühstückte, als im heimischen Unternehmen zu arbeiten. Julius starb 1895. Er wurde im Mausoleum auf dem Friedhof begraben.

Karls Sohn Heinrich Karl Bernhard stieg ins Unternehmen ein (er wohnte im Haus Bahnstraße 27, später an der Steegstraße 8) und musste es nach dem Tod des Vaters 1911 durch den Ersten Weltkrieg führen. Dies endete bitter, 1922 schied er aus der Firma aus, in der sein Sohn bis 1924 Prokurist war. Dann endete die Familien-Ära bei Niedieck. Heinrich Karl demonstrierte Fabrikantenreichtum auch nach außen, weiß Tillmann. Denn er versuchte, "den großen Mann zu spielen" und ritt immer mit entsprechender Begleitung aus; kam er in die Firma, mussten seine leitenden Mitarbeiter am Eingang "strammstehen". FRAGE DES TAGES

(mme)