Breyell: Stefani Pleines ist Biologin aus Berufung und Leidenschaft

Breyell : Biologin aus Berufung und Leidenschaft

Stefani Pleines schafft mit ihrer Arbeit in der Biologischen Station Grundlagen für effektiven Naturschutz.

. Mit dem Boot übers Wasser gleiten oder in Stiefeln durch Morast stapfen – Stefani Pleines ist fast ständig irgendwo draußen unterwegs: „Wenn sie Tiere beobachten und kartieren will, muss sie in ihren Lebensraum, egal, wie beschwerlich das ist.“ Mit ihren Forschungsarbeiten schafft die Diplom-Biologin Grundlagen für effektiven Naturschutz im Naturpark Schwalm-Nette. Und das schon seit 27 Jahren.

Stefani Pleines ist eine Frau, die „nahezu jede europäische Vogelart an ihrer Stimme, am Gesang erkennen kann“, wie die 56-Jährige so nebenbei sagt, als sei das nichts Besonderes. Sie gerät selbst nach Jahrzehnten vogelkundlicher Erfahrungen noch aus dem Häuschen und freut sich „wahnsinnig“, wenn sie ein Blaukehlchen sieht oder hört. Sie schwärmt von der unbeschreiblichen Stimmung, wenn sie vom Boot aus im Frühnebel Vögel am See-Ufer beobachtet. Pleines  schätzt sich es sehr, „seit 1992 hier in der Pampas“ zu arbeiten und zu leben: „Ich bin kein Großstadtkind.“ Im Urlaub beobachtet sie Vogelzüge an der Küste. Sie sagt über sich selbst: „Ich bin Biologin aus Berufung und Leidenschaft.“

Und was treibt diese Biologin aus Hinsbeck so den ganzen Tag? „Zurzeit kartieren wir die Fische in der Niers.“ Bei diesem Fisch-Monitoring werden mit der Methode des Elektrofischens die Tiere für kurze Zeit sanft betäubt, gezählt, untersucht und wieder freigelassen. Hauptsaison für Pleines indes ist das Frühjahr: „Dann bin ich täglich vor Sonnenaufgang draußen in Sachen Vogel-Kartierung.“ Dem Gesang der Männchen folgen, Nester entdecken, Bestand zählen, hinterher alles in ihrem Büro in der Biostation kartieren – für Pleines „die schönste Arbeit“, aber auch anstrengend: „Ich brauch keine Muckibude, hab genug Training, Stunden lang in Gummistiefeln durchs Gelände, da bin ich erschöpft.“ Ihre Freunde wissen, erzählt sie, in dieser Zeit sei abends mit ihr nichts anzufangen, noch eine Runde mit dem Hund, dann gehe der Tag früh zu Ende.

All die Daten, ob vom Fisch-Monitoring oder Vogel-Kartieren, gehen an Behörden, Institutionen und auch an die Politik: „Wir leisten die wissenschaftliche Grundlagenarbeit, damit, auch mit EU-Fördermitteln, Maßnahmen zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume ergriffen werden können.“ Wie bei fast allen Vogelarten sei beispielsweise beim Kiebitz der Bestand „um mehr als die Hälfte zurückgegangen“; man berate deshalb etwa mit Landwirten, wie Felder und Äcker vogelfreundlicher bewirtschaftet werden könnten.

Seit vielen Jahren habe man auf den Klimawandel und den Rückgang von Insekten oder Vögeln hingewiesen, endlich sei die Öffentlichkeit sensibel dafür: „Jetzt wird hoffentlich was getan.“ In Sachen Naturschutz engagiert sich Pleines seit ihrer Jugend auch ehrenamtlich, ist etwa im Naturschutzbund (Nabu) aktiv. Früher forschte sie auf der kleinen Nordseeinsel Mellum als Vogelwartin über den Austernfischer – und findet es „deshalb toll, dass mittlerweile auch hier bei uns Austernfischer leben.“

Wenn Pleines von Vögeln schwärmt, strahlt sie und lacht, wie sie überhaupt fröhlich wirkt, dazu passt, dass sie „Spaß am Kabarett“ hat. Doch beim Thema Naturschutz wird sie ernst: „Wenn mir da was quer geht, kann ich ganz schön zickig werden.“ Dass zum Beispiel Menschen achtlos durch Schutzgebiete trampeln oder von der Stadt beauftragte Unternehmen jedes Stückchen Grün etwa an Straßenrändern „ratzekahl abmähen“, bringe sie auf die Palme: „Jede Blüte, jeder noch so kleine Lebensraum für kleine Tiere ist wichtig, wir reden deshalb mit der Stadt.“ Sich für die Natur zu engagieren, habe auch mit ihrer christlichen Lebenseinstellung zu tun: „Wir haben eine Verantwortung für die Schöpfung.“