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Nettetal: Bretter, Chemie und Gesetze

Nettetal : Bretter, Chemie und Gesetze

Beim "Tag der offenen Tür in Nettetaler Betrieben für Nettetaler Schüler" öffneten 87 Unternehmen ihre Pforten für Neuntklässler aller Schulformen.

Anton Thelen schart seine Schäfchen um sich und hebt die Stimme, damit ihn alle verstehen können. Um die Gruppe herum fräsen, stanzen und lackieren die Maschinen und Roboter. Überall liegen große und kleine, helle und dunkle Bretter und man fragt sich, wie die Schreiner hier den Überblick behalten. "Jedes Brett hat einen Aufkleber, auf dem genau steht für welchen Kunden und welches Möbelstück es gebraucht wird", erklärt der Seniorchef der Schreinerei Thelen in Leuth.

Heute hat sich der Chef persönlich Zeit genommen, um für die Aktion "Tag der offenen Tür in Nettetaler Betrieben für Nettetaler Schüler" neun Schüler der Realschule Kaldenkirchen und des Werner-Jäger-Gymnasiums erst durch die Ausstellung und dann durch die Produktion seiner Firma zu führen. Michelle Jacobs und Gina Dohmen hat vor allem die Ausstellung in Leuth gefallen. "Die Produktion hier ist nicht so unser Ding", sagen die Schülerinnen.

Olivenbaum aus Palästina

Trotzdem hören sie gerne zu, wenn Anton Thelen seine Anekdoten erzählt. Zum Beispiel, wie er mal auf einer Baumversteigerung ein Vermögen für einen alten Olivenbaum aus Palästina bezahlt hat. "Den musste ich unbedingt für die Schreinerei haben. Aber meine Söhne haben mich für verrückt erklärt", sagt Thelen lachend. Um die Ecke bei der Croda GmbH sitzen Meliha Fidan und Christina Wesch an einem Tisch im Keller und mischen ihr eigenes Duschgel aus verschiedenen Inhaltsstoffen zusammen. "Ich habe vorher nicht gewusst, dass Croda-Produkte in fast allen Kosmetika drin sind, die ich benutze", sagt Christina. "Das verblüfft die Schüler immer wieder", sagt Klaus Helmdach, Geschäftsführer des Chemieunternehmens. Auch Nettetals Bürgermeister Christian Wagner hat es in den Keller der Firma verschlagen. "Wir haben dieses Jahr noch mehr Firmen dabei als zuvor und das freut mich sehr", sagt er.

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In der Kanzlei Boyxen, Berge und Kollegen bedauert Jürgen Boyxen derweil, dass er nur "geistige Ware" im Angebot hat und keine spannenden Maschinen. Doch die Schüler stört das keineswegs. Sie sitzen zwischen den riesigen Bücherregalen und staunen. Noch größer werden die Augen, als Boyxen erzählt, dass im Keller rund 15 000 Akten lagern. "Die müssen wir ein paar Jahre aufbewahren, bevor wir sie wegwerfen dürfen", erklärt er. Auf die Frage, was man denn als guter Anwalt mitbringen müsse, sagt Boyxen: "Man sollte gut in Deutsch, Latein und Mathe sein." Als er die enttäuschten Blicke der Kinder sieht, springt Kollege Axel Dammer jedoch ganz schnell ein: "Ich war immer eine Niete in Mathe und ich hab's auch geschafft." FRAGE DES TAGES

(RP)