Blumen Rankers in Nettetal-Lobberich feiert am 29. Juni 100-Jähriges

Lobberich : Ein Blumenladen wird 100

Aus dem Obst- und Gemüseanbau von einst ist ein florierendes Geschäft geworden: Blumen Rankers in Lobberich feiert 100-jähriges Bestehen. Mit 85 Jahren hilft die Mutter der Inhaberin noch immer kräftig mit.

Elisabeth Rankers sitzt auf einer Bank unter der Treppe, erzählt von früher und kann manchmal vor Lachen kaum still sitzen. Arbeitsreich waren die Jahre in ihrem Blumenladen an der Düsseldorfer Straße in Lobberich vor allem, aber ihre Freude an den Pflanzen hat die heute 85-Jährige nie verloren. Mit ihrer Tochter Erika (49), die seit gut fünf Jahren Inhaberin des Geschäfts ist, bereitet sie das große Jubiläumsfest vor: Am Samstag, 29. Juni, wird Blumen Rankers 100 Jahre alt.

Die Brüder Theodor und Wilhelm Rankers brachten 1919 alles ins Rollen. „Sie haben mit Obst und Gemüse angefangen“, erzählt „Liesel“ Rankers. „Das war nach dem Krieg wichtiger als Blumen.“ Ihren Betrieb hatten die Rankers an der Düsseldorfer Straße, die damals die Alleestraße war. Anfang der 50er-Jahre trennten sich die Brüder. Aus einem gemeinsamen Betrieb wurden zwei: Blumen Rankers unter der Hausnummer 71 und Blumen Nellessen unter der Hausnummer 43, nachdem eine Tochter von Theodor einen Nellessen geheiratet hatte.

Elisabeth Rankers kam über ihren späteren Schwager, Sohn von Wilhelm Rankers, in den Betrieb. Ihn hatte sie im Krankenhaus in Dülken beim Gärtnern kennengelernt, wo er sie von einer Gärtnerlehre überzeugte. Dann traf sie seinen Bruder Josef, 1955 heiratete das Paar.

Das Geschäft an der Düsseldorfer Straße Mitte der 1950er-Jahre. Repro: emy. Foto: Repro: Emily Senf

Es pachtete die Fläche um das Haus herum, „bis Pierburg“, sagt die 85-Jährige. Später kauften beide das Grundstück. „Die ganzen Felder waren voller Blumen“, erinnert sich Elisabeth Rankers. Um 5 Uhr in der Früh fuhr sie mit den Schnittblumen zum Großmarkt in Düsseldorf, gegen 8 war sie zurück, um die nächste Ladung zu schneiden. Dann starb ihr Mann mit nur 47 Jahren.

„Ich war 40, hatte Schulden, fünf Kinder und viel Arbeit“, sagt die 85-Jährige. „Also musste ich ran.“ Ihre Mutter übernahm die Betreuung der Kinder, Elisabeth Rankers schmiss das Geschäft. „Für meine Mutter kam immer erst der Laden, dann kamen die Kinder“, sagt Erika Rankers und lächelt. Feierabend kannte „Liesel“ nicht. „Die Kunden riefen zu jeder Tages- und Nachtzeit an“, erinnert sich die Tochter. Auch an Feiertagen stand Elisabeth Rankers, einst aus Schlesien geflüchtet, im Laden.

Sie ist froh, dass ihre Tochter in ihre Fußstapfen getreten ist. Und die hat sich das ganz genau überlegt. „Ich wollte eigentlich nicht mehr selbstständig sein“, berichtet die 49-Jährige. Man sei morgens der Erste und abends der Letzte. Warum hat sie es doch gemacht? „Weil ich ein Mama-Kind bin“, sagt Erika Rankers und lacht. Sie wollte ihrer Mutter der Gefallen nicht verwehren – führte aber feste Öffnungszeiten ein. Mit ihrem Mann zusammen kümmert sie sich nun um den Blumenladen. Dazu gehören noch eine Vollzeitkraft und drei Teilzeitkräfte – und Mutter Elisabeth. „Die arbeitet noch wie ein Pferd“, berichtet die Tochter.

Was sich im Laufe der Jahre spürbar verändert habe, sei das Kaufverhalten der Kunden, berichtet Erika Rankers: „Handarbeit wird nicht mehr so wertgeschätzt.“ Das Mutter-und-Tochter-Gespann versuche, alle Wünsche zu erfüllen, aber „die Supermärkte machen die Preise kaputt“. Dabei sei Rankers für viele mehr als nur ein Blumenladen, manche kommen seit Jahrzehnten. „Auch für die Gespräche“, sagt die 49-Jährige: „Bei uns gibt es Blumenverkauf mit Seelsorge.“

Mehr von RP ONLINE