Nettetal: Blinde hören sich durch die Natur-Ausstellung

Nettetal : Blinde hören sich durch die Natur-Ausstellung

Die Biologische Station Krickenbecker Seen hat ihr Infozentrum aufgerüstet: Mit technischer Hilfe können blinde und sehbehinderte Menschen die Ausstellungen genießen.

Brigitte Brieden hat die laufende Ausstellung im Infozentrum der Biologischen Station Krickenbecker Seen neu aufgebaut. Die Schaustücke hat sie nicht verändert, aber sie hat Texte geschrieben und auf einen Datenträger gesprochen. Mithilfe eines "PenFriends" können nun auch blinde und sehbehinderte Menschen erfahren, wie sich die Natur entwickelt hat, wie Fledermäuse leben und warum Eulen so wichtig sind.

Wanderwege für Gehbehinderte gibt es bereits seit 2009

Die Biologische Station hat mit dem Inklusionsprojekt kein Neuland betreten. 2009 bereits richtete sie mit Hilfe von gehbehinderten Menschen und Rollstuhlfahrern Wanderwege rund um die Krickenbecker Seen ein. "Neu ist für uns nur die Erfahrung, blinde und sehbehinderte Besucher gezielt durch unsere Ausstellungen zu führen", erläutert Ansgar Reichmann, der Leiter der Station.

Wichtige Unterstützung lieferte Manfred Meyer aus Mönchengladbach. Er ist blind und Tourismusbeauftragter des Blindenverbandes NRW. "Meine Aufgabe besteht auch darin, Projekte wie dieses fachlich zu begleiten", sagt er. Meyer geht auch von sich aus auf Einrichtungen zu, um sie zur Barrierefreiheit zu ermuntern. In Hinsbeck war das nicht notwendig. Brigitte Brieden, die die Wechselausstellungen konzipiert und aufbaut, war sofort bereit, sich in die Aufgabe hineinzuarbeiten.

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Testrundgang begeisterte

"Sie hat sehr anschauliche und gut nachvollziehbare Erläuterungen ausgearbeitet und verständlich eingesprochen", lobt Beate Pogorzelsky. Die Vorsitzende im Blinden- und Sehbehindertenverein in Krefeld hat mit ihrer Vorgängerin Susanne Hennings der Station ebenfalls beratend zur Seite gestanden. Beim ersten Testrundgang waren beide gleich begeistert. "Ich habe einen Rest Sehkraft und liebe meinen Garten. Hier habe ich sehr viel erfahren, was meine Vorstellungskraft wunderbar ergänzt", sagt Beate Pogorzelsky.

Die Hilfe ist denkbar simpel. An der Kasse erhalten die behinderten Besucher eine Art dicken Stift, dessen Spitze sie rechts unten an ein Schaubild halten. Der Stift nimmt das Signal auf, und es ertönt Brigitte Briedens Stimme, die die Tafel beschreibt. "Ich musste komprimiert und verständlich beschreiben, was man sieht. Im Prinzip erkläre ich Natur völlig neu", sagt sie.

Folgeprojekt schon in Arbeit

Die Biologische Station arbeitet schon am Folgeprojekt: Die Internetseite wird so gestaltet, dass Blinde und Sehbehinderte sich auch zurecht finden. Außerdem sollen Texte in leichter Sprache verfasst werden, die Menschen entgegenkommen, denen das Lesen und Verstehen komplexer Texte zu schwer fällt.

Wenn es gelingt, die Station und ihr Infozentrum so erreichbar zu machen, dass Menschen ohne eigenen Pkw kommen könnten, wäre ein wirkliches Stück Inklusion erreicht. Und wenn Reiter es unterließen, die barrierefreien Wege zu zerreiten, hätte das Projekt Nachhaltigkeit.

(RP)
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