Bestsellerautorin Mechtild Borrmann las in Nettetal aus "Grenzgänger"

Lesung in Nettetal : Fotoalbum vom Trödel gab Impuls für „Grenzgänger“

Ihre Sprache ist präzise und entfaltet zugleich eine geheimnisvolle Anziehungskraft, die unmittelbar eintauchen lässt in ihren Roman. Bei Mechtild Borrmanns Lesung in der Stadtbücherei Nettetal folgten ihr die Zuhörer von der Nachkriegszeit bis in die 1970er-Jahre.

Borrmann, Jahrgang 1960, kennen Krimileser etwa durch Titel wie „Wenn das Herz im Kopf schlägt“ von 2006 oder drei Jahre später „Mitten in der Stadt.“ Mit „Wer das Schweigen bricht“ erreichte die heute in Bielefeld lebende Autorin Bestseller-Status; das Buch wurde vor sieben Jahren mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet. Inzwischen hat sie auch sechs Romane veröffentlicht.

„Grenzgänger“ hat die Bestsellerautorin ihren neuen Roman betitelt, der von einer verlorenen Kindheit erzählt. Hauptfigur Henni schmuggelt im deutsch-belgischen Grenzgebiet Kaffee, um sich und die jüngeren Geschwister durchzubringen. Der Prolog deutet an, dass der Roman auch eine Geschichte über Wahrheit und Gerechtigkeit erzählt.

Vor etwa zwei Jahren hatte Mechtild Borrmann in Nettetal-Breyell ihr Buch „Trümmerland“ vorgestellt, das ebenfalls in der Nachkriegszeit angesiedelt ist. Es sei sein Wunsch gewesen, die Autorin zum 30-jährigen Geburtstag der Bücherei wiederzusehen, damit sie den damals angekündigten Roman „Grenzgänger“ vorstelle, sagte Bibliotheksleiter Ulrich Schmitter zur Begrüßung.

Borrmann begann bei der Lesung unvermittelt mit dem Prolog, der die Hauptfigur vorstellt und Unheil ahnen lässt. Sie beherrscht auch das Handwerk des Vorlesens. Sie macht Absätze fühlbar und lässt unter der Oberfläche das Ungesagte mitschwingen. Nach dem Prolog wandte sich die Schriftstellerin mit einem persönlichen Gruß an ihr Auditorium. Ein altes Fotoalbum auf dem Trödelmarkt habe den entschiedenen Anstoß für die Geschichte gegeben, so Borrmann. Sie habe die Familie dazu finden wollen. Ein Prägestempel führte sie nach Monschau in die Eifel. Einen Bezug zu den ursprünglichen Eigentümern entdeckte sie nicht, dafür aber hörte sie viele Erzählungen über den Kaffeeschmuggel in der Nachkriegszeit.

Nach dieser Erläuterung wechselte die Autorin zwischen Lesung und kurzen Erklärungen. „Hier war alles aus Elsas Perspektive erzählt“, sagte Borrmann nach einem Ausflug in die 1970er-Jahre. Später sollten die Zuhörer erfahren, dass Elsa ursprünglich als eher unbedeutende Nebenfigur geplant war, dann aber „frech“ geworden sei und während des Schreibprozesses an Bedeutung gewonnen habe.

„In der Schreibzeit lebe ich fast mit meinen Figuren. Sie sitzen auch an meinem Frühstückstisch. Und nach dem Schreiben brauche ich noch eine Zeit, um sie zu verabschieden“, bekannte die Autorin. Sie berichtete, dass sie etwa zwei Jahre lang an einem Buch schreibt. Etwa die Hälfte der Zeit beanspruchen die Recherche und Entwicklung des Plots. „Da bin ich ganz akribisch, und doch habe ich noch nie ein Buch so geschrieben, wie ich es ursprünglich geplant hatte“, sagte sie über das Eigenleben von Figuren und Handlungsablauf. Angela Wilms-Adrians

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