Berufsschüler im Nachwuchsverkäuferwettbewerb

Wettbewerb: Berufsschüler werden zu Verkäufern

Neun Auszubildende nahmen an einem Wettbewerb teil, bei dem sie eine Fach- und eine Schülerjury von ihrem Verkaufstalent überzeugen mussten. Bewertet wurden unter anderem Sprechtempo, Mimik und Gestik

In einem echten Verkaufsgespräch hätte Daria Kelleners ihre Stumpenkerzen wohl verkauft. Die 19-jährige Auszubildende überzeugt mit ihrem Verkaufstalent sowohl Fach- als auch Schülerjury des Nachwuchsverkäuferwettbewerbs des Kreises Viersen und der Stadt Krefeld und sahnt gleich zweimal den ersten Platz ab.

Der Wettbewerb findet seit 2011 statt. In diesem Jahr nehmen jeweils drei Schüler des Berufskollegs Viersen, des Rhein-Maas-Berufskollegs Lobberich und des Berufskollegs Kaufmannsschule der Stadt Krefeld daran teil. Sie führen im Nettetaler Rathaus Verkaufsgespräche unter realistischen Bedingungen.

Die Aufgabe ist, sich im Vorfeld ein Produkt auszusuchen und dieses dann im Rahmen eines Verkaufsgesprächs vor einer fachkundigen Jury und einer Schülerjury zu präsentieren, erklärt Agatha Klein, Lehrerin des Rhein-Maas-Berufskollegs, die den Wettbewerb moderiert. Die Kunden, die meist von Referendaren gespielt werden, bekommen eine Rollenkarte, auf der die Rahmenbedingungen für das Gespräch vorgegeben sind. Neben den Kaufwünschen sind dort aber auch Einwände des Kunden notiert, auf die der Verkäufer entsprechend reagieren muss, sagt Klein.

Die Fachjury besteht aus jeweils drei Vertretern der Schulen und der Betriebe. Natalie Hackler, Etienne van Overbrüggen und Timur Süslü bilden die Schülerjury. Sie haben im vergangenen Jahr den Wettbewerb gewonnen. Die drei sind sich einig: Es war sehr interessant, einmal die Position der Jury einzunehmen, aber zugleich auch wesentlich entspannter im Vergleich zur Teilnahme als Verkäufer. „Man hat den Teilnehmern angesehen, wie nervös sie waren“, sagt Hackler. Doch rückblickend geben die drei zu, dass es ihnen im vergangenen Jahr ähnlich ging.

Die Jury bewertet die Leistung der Schüler anhand ihrer verbalen und nonverbalen Kommunikation sowie nach den acht Phasen eines Verkaufsgesprächs. Dazu zählen unter anderem die Kontaktaufnahme mit dem Kunden, die Argumentation sowie das Herbeiführen des Kaufentschlusses.

Die Gewinnerin Daria Kelleners ist Schülerin des Rhein-Maas-Berufskollegs sowie Auszubildende der Kerzenmanufaktur Engels Kerzen und verkauft in ihrem Gespräch Stumpenkerzen. Schon am ersten Schultag haben sie und ihre Mitschüler von dem Wettbewerb und dessen Vorteilen für ihre berufliche Zukunft erfahren, berichtet sie und fährt fort: „Da war für mich direkt klar, dass ich dabei mitmachen möchte.“

Kai Michels (21) erzählt: „Anfangs war ich sehr nervös, aber nach den ersten 20 Sekunden ist die Anspannung abgefallen. Dann war man im Gespräch drin.“ Marcel Schmacks (21), Auszubildender bei Aldi Süd, verkauft in seinem Gespräch Rucksäcke. In seinem Ausbildungsbetrieb muss er kaum Verkaufsgespräche führen, weshalb diese Situation für ihn neu ist, doch er fühlt sich gut vorbereitet: „Schon im Unterricht haben wir uns gefilmt, während wir die Verkaufsgespräche geführt haben und anschließend anhand der Videos analysiert, was man noch verbessern kann“, berichtet er.

„So spannend war es noch nie. Es ist eine Millimeterentscheidung“, sagt Holger Wittmann, Bildungsgangleiter Einzelhandel am Rhein-Maas-Berufskolleg. Doch nach langer Diskussion ist die Entscheidung gefallen: Hinter der Siegerin Daria Kelleners belegt Janina Döning vom Berufskolleg Kaufmannsschule der Stadt Krefeld den zweiten, Anna Süßbrich vom Berufskolleg Viersen den dritten Platz. Die Schülerjury verleiht den ersten Platz ebenfalls an Daria Kelleners, gefolgt von Chantal Speller vom Berufskolleg Kaufmannsschule und Myriam Schipper vom Berufskolleg Viersen.

„Der nächste Step ist ein internationaler Wettbewerb“, erklärt Klein. Dabei nehmen neben weiteren deutschen Berufskollegs auch niederländische Schulen teil. Die jeweils zwei Besten pro Schule qualifizieren sich dafür.