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Nettetal: Beerdigungen sind in Nettetal zu teuer

Nettetal : Beerdigungen sind in Nettetal zu teuer

Die Friedhofssatzung der Stadtverwaltung hält Bestatter Robert Hellmann für juristisch angreifbar. Er und Bestatter Hanno Helgers kritisieren außerdem zu lange Entscheidungswege und die Unbeweglichkeit im Rathaus.

Die seit dem 1. Januar geltenden Friedhofsgebühren haben das Sterben in Nettetal um einiges verteuert. Die Stadt hat beschlossen, Fixkosten ihrer Infrastruktur wie Kapellen und Aufbahrungsräume, in Form einer Bereitstellungsgebühr in Rechnung zu stellen. Sie legt diesen Betrag auf jedes Begräbnis um, unabhängig davon, ob die Einrichtungen genutzt werden oder nicht.

Der Bestatter Hanno Helgers (Bestattungen Helgers in Lobberich und Hauser in Kaldenkirchen) ist überzeugt, dass dies eine Milchmädchenrechnung der Stadt werden könnte. "Die Hinterbliebenen fragen im Sterbefall natürlich auch, was die Beerdigung kostet. Immer mehr entscheiden sich deswegen für die Beisetzung außerhalb von Nettetal", sagt er. Von 25 Beerdigungen, die sein Institut in diesem Jahr hatte, fanden acht in Venlo statt. Der Waldfriedhof am Krematorium in Blerick erscheint vielen Bürgern nicht nur preiswerter, sondern auch zeitgemäßer.

Bestatter Robert Hellmann in Lobberich ist nicht davon überzeugt, dass die Gebührensatzung auf die Dauer halten wird. "Die Stadt beruft sich zwar darauf, dass sie in ähnlicher Form in Tönisvorst angewendet wird, auch das eigene Rechtsamt habe keine Einwendungen. Ich bin aber überzeugt, dass die Satzung einer Klage nicht standhalten wird", sagt er. Sie liegt längst beim Bundesverband zur Überprüfung vor.

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Hellmann erinnert sich, dass die Stadt vor etwa 25 Jahren mit einer Satzung Schiffbruch erlitt, die einer Beerdigung die Kosten der Friedhofshalle in Kaldenkirchen aufbürdete, obwohl sie nicht genutzt wurde. Damals war es in Kaldenkirchen üblich, den Sarg in die Kirche zu bringen und von dort aus zum Friedhof zu gehen, wo die Beisetzung ohne Umweg durch die Kapelle folgte.

Sowohl Helgers als auch Hellmann wundern sich über die "Unbeweglichkeit" im Rathaus. Ehe Helgers private Abschiedsräume baute, konsultierte er die Stadt. "Auf unsere Vorschläge ging am Ende niemand ein. Man machte weiter wie immer", sagt er. Helgers bietet seither die Aufbahrung in eigenen Räumen an. Robert Hellmann zog im vergangenen Jahr mit dem "Haus der Begegnung" nach. Beide unterbieten deutlich die Gebühren, die die Stadt verlangt.

Damit ging die Auslastung der städtischen Aufbahrungsräume noch einmal kräftig zurück. Die Gebührenkalkulation der Stadt passte vorne und hinten nicht mehr. Um einen ganz drastischen Preisanstieg für Aufbahrungsräume und Kapellen zu verhindern, wurden pauschal Bereitstellungsgebühren eingerechnet. Doch die Zahl traditioneller Bestattungsformen geht permanent zurück. "Familien sind heute viel kleiner als früher. Oft leben Angehörige gar nicht mehr in der unmittelbaren Umgebung. Sie suchen nach Möglichkeiten einer schlichten Bestattung und möglichst geringer Folgekosten", weiß Helgers aus vielen Gesprächen.

Die Stadt schafft den Spagat zwischen der traditionellen Begräbniskultur und anderen Formen des Abschieds nicht. Hellmann schreibt das einer Unbeweglichkeit zu, die er nicht beurteilen mag. "Ich habe schon mehrere Vorschläge gemacht, wie man etwas ändern könnte. Die Entscheidungswege im Rathaus sind extrem lang, meist soll aber nichts verändert werden", sagt er. Wie Helgers und andere Bestattungsunternehmer will und kann er auf diesem Level nicht stehenbleiben.

(RP)