Nettetal BaseL durch Landesprogramm bedroht

Nettetal · Dem Verein BaseL an der Gesamtschule Nettetal drohen wichtige Strukturen wegzubrechen. Die bisherige Finanzierung ist gefährdet. "Wir bangen darum, Mitarbeiter entlassen zu müssen", sagt BaseL-Vorstandsmitglied Roland Schiefelbein, bis Januar Leiter der Gesamtschule.

 Den neuen BaseL-Flyer wird die Volksbank Krefeld bald ihren Firmenkunden zuschicken. Wolfgang Holthausen, Roland Schiefelbein und Monika Ioannidis (v.l.) hoffen auf weitere Unterstützer.

Den neuen BaseL-Flyer wird die Volksbank Krefeld bald ihren Firmenkunden zuschicken. Wolfgang Holthausen, Roland Schiefelbein und Monika Ioannidis (v.l.) hoffen auf weitere Unterstützer.

Foto: RP-Foto Busch

BaseL bietet Schülern der Gesamtschule ab Klasse acht umfassende Möglichkeiten zur Berufsorientierung, verbunden mit Beratung durch Kooperationsunternehmen und beim Verein angestellte Berufsberater. Der Verein arbeitet mit einem jährlichen Etat von circa 45 000 Euro, der über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Fördergelder der Arbeitsagentur finanziert wird. Ziel ist es, Schülern beim Weg ins Berufsleben zu helfen. Sie sollen den optimalen Beruf für sich finden. Unternehmen in der Region vermittelt BaseL passgenau die Schüler, die sie suchen. "Wir schaffen eine Win-Win-Situation", sagt BaseL-Vorstandsmitglied Monika Ioannidis. Schiefelbein betont, es handele sich damit um "nichts Karitatives".

Die Landesregierung möchte das Übergangssystem "Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)" etablieren. Dies hat zur Folge, dass Angebote wie BaseL, die umfassender und weitreichender als KAoA sind, in Zukunft nicht mehr von der Arbeitsagentur gefördert werden. Bisher förderte die Arbeitsagentur etwa 50 Prozent des Etats des Bildungsforums. Der Rest wurde mit Spenden und Mitgliedschaften und zeitlich begrenzten Geldern einer Stiftung finanziert.

Das Landesprojekt KAoA sieht vor, dass Lehrer mit den Schülern Ausbildungsmappen anlegen, halbjährliche Berufsberatung oder eine Potenzialanalyse durchführen. "Dies ist gut, das machen wir auch", sagt Schiefelbein. Doch BaseL greift viel tiefer und bietet Schülern wöchentliche Beratungen. Der Verein vermittelt ihnen schon früh Kontakte zu Ausbildungsunternehmen. Wer BaseL kennt, gewinnt den Eindruck, als hätten Landesregierung und Arbeitsagentur haben das etablierte Konzept nicht verstanden. Schiefelbein gibt die Hoffnung nicht auf und setzt daraus, dass die Stellenanteile von KAoA sich doch noch kapitalisierten lassen und er so die Mitarbeiter finanzieren kann.

Im Jahr 2013 ebnete die Schule 28 Schülern den Berufseinstieg, in diesem Jahr überstieg sie sogar die 30er-Marke. Auch die Stadt Nettetal steht hinter dem Konzept von BaseL, zumal neben der Gesamtschule andere Schulen die Möglichkeit haben, das Angebot zu nutzen. So gelang es dem Verein zuletzt, zwei Berufskollegschüler zu vermitteln. Sie hatten erkannt, dass sie den falschen Weg eingeschlagen hatten.

Schiefelbein und Ioannidis hoffen darauf, dass die die Partnerunternehmen sich noch stärker beteiligen und neue hinzugewonnen werden. "Unser Modell ist für die Nachwuchsförderung kostengünstiger als die übliche Akquise", sagt Schiefelbein überzeugt. Beide wünschen sich, dass die Partnerunternehmen die Idee, die hinter BaseL steht, in ihrem Unternehmensumfeld noch stärker vermitteln.

Als neuen Kooperationspartner konnte BaseL die Volksbank Krefeld gewinnen. "Uns gefällt das Konzept. Es gibt den Schülern eine Chance. Außerdem bleiben wir durch unser Engagement in Kontakt mit der Schule", sagt Wolfgang Holthausen von der Volksbank Krefeld, der aufmerksam zuhörte, als Schiefelbein die Probleme des Vereins vortrug. Seine Kollegin Sabine Wey will die die BaseL-Flyer künftig an die Firmenkunden der Bank verteilen und so für das besondere Angebot der Schule werben.

(RP)
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