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Breyell: Basar der Schätzchen für Leseratten

Breyell : Basar der Schätzchen für Leseratten

Die Stadtbücherei hat Altes und Gebrauchtes aussortiert. Beim Bücherbasar gab es daher so einiges zu entdecken.

Sichtlich unentschlossen stöbert die elfjährige Jessica gemeinsam mit ihrer Mutter in den Bücherkisten. Doch nach einer guten halben Stunde ist die Entscheidung gefallen: Mit fünf Büchern unter dem Arm geht Jessica zur Kasse, wo Büchereimitarbeiterin Andrea Küppers und Praktikantin Davida Steimann auf sie warten. Für drei Euro hat die Schülerin Bücher ausgewählt, und ihre Mutter zückt bereitwillig die Geldbörse.

Mehr als 3500 Bücher hat der Leiter der Nettetaler Stadtbücherei Ulrich Schmitter in den vergangenen Tagen ins Obergeschoss der Breyeller Bibliothek geschleppt. Darunter sind "Bücher, die wir nicht mehr ausleihen können, aber auch Bücher, die uns gebracht werden", berichtet Schmitter.

Zwei Tage lang ging es in der Stadtbücherei nun zu wie auf einem Basar: Auf den Tischen stapeln sich die Bücher zu hohen Türmen, auf dem Boden reiht sich Karton an Karton, ebenfalls vollgestopft mit Lesestoff. Unter dem Motto "Alles muss raus" hatte die Bücherei zu ihrem schon traditionellen Bücherbasar eingeladen. "Schon um 10 Uhr war hier der Teufel los", erzählt Schmitter.

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Für Lesehungrige gab es viele Schnäppchen: Allein mehr als 300 Reiseführer – über die USA, Südafrika, Australien, die Malediven, bis hin zu den Metropolen der Welt und Deutschlands schönsten Ecken, Genießertouren in der Pfalz oder ein Stellplatzführer des ADAC – sind für Reiselustige ein echtes Eldorado. Nebenan lockten reihenweise Sachbücher: zum Stricken und Häkeln wie zu Großmutters Zeiten, Lexika für Computerfreaks oder Kochbücher. In dieser Abteilung hat Petra Klein unter Mälzer, Wiener, Lafer und Co. einen wahren Schatz entdeckt: das etwas andere Kochbuch von Gabriella Moliné: "Wie ich einen Mann weichkoche". Beim ersten Durchblättern kann sie sich das Schmunzeln nicht verkneifen – und schwupps, landet das Buch im Mitnahme-Karton.

Der neunjährige Tobias blättert durch "Kapitän Nemos Kinder" und würde wohl am liebsten die komplette Reihe mitnehmen, doch die Mutter hält ihn zurück: "Du hast noch viele ungelesene Bücher von Weihnachten in deinem Zimmer, lies die erst mal aus", rät sie. Schließlich einigen sich die beiden darauf, dass Tobias drei Bücher aus der Reihe doch mitnehmen darf.

Die kleine Sofie ist mit der Oma gekommen, die nach einem Bilderbuch für die Enkelin sucht. Die 16-jährige Christina hat gleich eine ganze Kiste mit Büchern beladen – viele Klassiker wie "Dick und Doof" hat sie erspäht und für sich ergattert. Für ihre achtjährige Schwester Cornelia nimmt sie eine Hör-CD mit der Geschichte vom "Kleinen Käfer Immerfrech" mit, und für sich selbst ein Buch, in dem das Notenlesen erklärt wird. "Ich möchte Klavierspielen lernen, kann aber keine Noten lesen", erklärt Christina. Nun will sie ausprobieren, ob das mit Hilfe des Buches klappt.

Ob Bilderbuch, Jugendroman, Krimi, Fantasyroman oder Sachbuch – beim Bücherbasar in der Stadtbücherei findet jeder Leser ein Schnäppchen. Das teuerste Buch kostet zwei Euro, das preiswerteste 50 Cent. Und wer viele Bücher mitnimmt, bekommt an der improvisierten Kasse gar einen Sonderpreis.

Mit dem Abschluss des Bücherbasars beginnt für die Stadtbücherei jetzt wieder das "Sichten" der Bestände und Bücherspenden. Sind genügend alte Schätzchen aussortiert, gibt es auch wieder einen Bücherbasar.

(ivb)