Ballettschulinhaberin Annette Schulz plant neues Tanzprojekt "Credo"

Tanzabende in Nettetal : Ballettschüler tanzen Glaubensbekenntnis

Das „Credo“ ist eine der Säulen des christlichen Glaubens. Wie man es in Tanzszenen, die das Herz berühren, umsetzt, das übt zurzeit Annette Schulz mit ihren Schülern. Premiere ist am 5. April in der Alten Kirche in Lobberich.

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht“, hallt es immer wieder aus dem Probenraum der Ballettschule von Annette Schulz in Viersen-Boisheim. Klavierklänge sind zu hören, Füße trappeln über das Parkett. Zu sehen sind die nächsten Tanzschülerinnen, die hereinkommen und sehr vertraut mit der Schule wirken – und auch miteinander. Sie bereiten sich auf eine ungewöhnliche Aufführung vor – ein tänzerisches Glaubensbekenntnis „Credo“ in der Alten Kirche in Lobberich.

Vor fast 30 Jahren, am 3. März 1990, hat Annette Schulz ihre Tanzschule an der Nettetaler Straße gegründet. 1954 in Mülheim an der Ruhr geboren, wurde sie Tänzerin und Pädagogin. „Wir beginnen jetzt ein Festjahr“, sagt Schulz – und ein bisschen Stolz auf das, was sie erreicht hat, schwingt in ihrer Stimme mit – vor allem aber große Freude.

Aktuell unterrichtet Annette Schulz 100 Schüler: Vier-Jährige ebenso wie 65-Jährige. Und sie kennt jeden einzelnen mit Namen. Von den meisten weiß sie noch viel mehr. Denn viele kommen seit der Gründung der Ballettschule zum Unterricht. „Wir haben die jungen Mädchen aufwachsen sehen“, erzählt Petra, eine der langjährigen Tanzschülerinnen. Die Tanzgruppen sind gemischt: Junge Mädchen tanzen neben Frauen über 60 Jahre. „Schön, dass es sich generationenübergreifend vermischt“, sagt Annette Schulz.

Simone und Verena tanzen seit 30 Jahren in der Balletschule. Wenn man so lange miteinander trainiert, dann kennt man die Familie, die Vorlieben, Stärken, die Probleme – das gleicht einer familiären Beziehung. „Meine Tanzschule ist von einem intensiven Miteinander auf menschlicher und künstlerischer Ebene geprägt, so wie im Tanz die gesamte Breite des künstlerischen Lebens und der Menschen steckt“, hat Schulz beobachtet. „Tanzen ist Geschichten erzählen.“ Das Unterrichtsangebot beginnt beim Ballett für die Jüngsten, auch Modern, Jazz und Stepptanz gehören dazu. Und es geht noch weiter: Annette Schulz bereitet junge Menschen, die „Ernsthaftigkeit“ im Tanzen zeigen, auf eine berufliche Karriere als Tänzer oder Choreograf vor. Dabei arbeitet sie eng mit der Folkwang Schule in Essen zusammen, dort, wo sie selbst ihre Ausbildung absolvierte. Anne (15) und Julius (18) gehören zu denen, die eine professionelle Tanzausbildung erreichen wollen.

In dem Stück „Credo“, das den Auftakt zum Festjahr bietet, tanzen sie Szenen zu zweit. Zwei Jahre lang dauerten die Vorbereitungen auf den Ballettabend. Viel Literatur über das Glaubensbekenntnis hat Schulz gelesen, viel Musik gehört und Passendes ausgewählt, hat die Choreografie und die Kostüme entwickelt.

Die Tänzer proben seit einem Jahr. Schulz hat das Glaubensbekenntnis in 29 Szenen gegliedert von „Ich glaube“ bis „Amen“. Hört man ihr zu, wie sie die Tänzer mit ihren erklärenden und vertiefenden Worten begleitet, spürt man: Jedes Wort wie jeder Schritt, jede Drehung, jede Bewegung der Tänzer spiegeln zutiefst Menschliches. Und wenn Petra in der Szene „Gestorben“ den Kampf um die Akzeptanz des Todes tanzt, kann man nicht anders, als tief bis ins Herz berührt zu sein.

Die Premiere von „Credo: Ich glaube“ in der Alten Kirche Lobberich findet statt am Freitag, 5. April, um 19 Uhr. Neben Tanz und Musik werden Texte von Lucia Traut zu hören sein.

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